Roland Dürre
Donnerstag, der 28. Juni 2012

Im Radio gehört

Höre ja immer gerne Bayern2 – nicht nur die radioWelt. In der gab es heute morgen wieder bemerkenswerte Nachrichten und Reportagen.

Zuerst habe ich von einem politischen Durchbruch gehört:

Der Vermittlungsausschuss hat es geschafft! Bund und Länder sind sich einig über die Verpressung von Kohlendioxid (CO2), welches bei der Verstromung fossiler Rohstoffe entsteht.

Die Einigung sieht wohl so aus: Die Lager werden kleiner und jedes Bundesland darf der Einrichtung einer solchen Lagerstätte widersprechen.

Ist doch eine interessante Einigung. Symbolisch für unsere Politik. Und wenn diese Einigung etwas bewirkt, dann höchstens dass sie die Meinung der Bürger einigt, dass so etwas keine Politik ist.

Besonders da mir eine objektiv bessere Lösung sehr einfach scheint. Einfach die Entstehung des Kohlendioxids vermeiden. Über die notwendige Technologie verfügen wir, Geld scheint ja auch beliebig verfügbar zu sein. Es fehlt nur am politischen Willen und der sachgerechten Umsetzung.

Denn es macht doch wirklich keinen Sinn, dass wir die beste Kohle der Welt aus Australien nach Deutschland transportieren, um dann einen (sehr kleinen) Bruchteil des eingesetzten energetischen Potentials der Kohle hier als Strom zu gewinnen. Oder dass wir die wohl schlechteste Kohle der Welt, die heimische Braunkohle, hierzulande abräumen und verbrennen, um dann aufwändig die giftigen Stoffe wie Schwefel raus zu filtern – nicht wissend wohin damit. Und dann das Kohlendioxid irgendwo im Untergrund bei uns einpressen wollen?

Ein zweiter Beitrag aus der radioWelt hat mich heute Morgen zum Nachdenken angeregt. Nach einem Kölner Urteil ist die religiöse Beschneidung von Jungen (auch im Judentum oder Islam) rechtswidrig und eine strafbare Körperverletzung. Mir erscheint das ziemlich klar. Auch eine Beschneidung aus religiösen Motiven verletzt die körperliche Unversehrtheit und das Selbstbestimmungsrecht eines Kindes (das ja auch ein Mensch ist).

Und natürlich hat sich nicht nur der Zentralrat der Juden über dieses Urteil empört, sondern auch Vertreter anderer und christlicher Religionen. So hat die Deutsche Bischofskonferenz das Urteil des Kölner Landgerichts zur Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen scharf kritisiert. Die Entscheidung sei „äußerst befremdlich, weil es der grundgesetzlich geschützten Religionsfreiheit der Eltern und ihrem Erziehungsrecht in keiner Weise gerecht wird“, sagte Heinrich Mussinghoff, Vorsitzender der Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum (Quelle Spiegel)

Jeder soll nach seiner Façon selig werden“, das hat schon Friedrich der II. von Preußen um 1750 gesagt. Und dazu stehen wir doch alle. Ich wäre froh wenn das auch in vielen anderen Dingen gelten und man uns nicht bei so viel Dingen unnötig drein reden würde. Heißt das aber auch, dass wir andere Menschen – und wenn es unsere Kinder sind – verstümmeln dürfen?

Aber wir haben ja ein neues Tabu/Gebot: „Du darfst keine religiösen Gefühle verletzten!“. Das ärgert mich! Wer eine Religion ausübt, muss meines Erachtens auch damit leben können, dass seine Gefühle verletzt werden. Er sitzt doch eh am längeren Hebel, da er im Besitz einer göttlichen Wahrheit ist.

Dass meine Gefühle verletzt werden könnten, wenn Kinder in Deutschland aus religiösen Gründen verstümmelt werden, interessiert aber doch auch niemanden.

Und wenn das Kind erwachsen ist, darf es sich doch gerne beschneiden lassen. Denn wenn ein Erwachsener sich selbst verstümmelt, tätowieren oder piercen lässt, ganz gleich aus welchen Gründen, dann akzeptiere ich das.

RMD

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2 Kommentare zu “Im Radio gehört”

  1. Chris Wood (Donnerstag, der 28. Juni 2012)

    The German decision about circumcision came as a big pleasant surprise to me. I believe the boys get over it reasonably well. But if that is permitted, it gives a handy argument for the brutal practice of mutilating girls: „If it’s OK for boys, why not for girls“?
    It is certainly time to stop permitting immoral practices, just because they are carried out in the name of religion. The employment practices of the Roman Catholic Church should next be attended to. But it really surprised me that Germany is reducing its wallowing in guilt regarding Jews. Of course plenty of wonderful people, including Jesus, were or are Jews, and similarly for other religions. That a group of people keep themselves separate from the mass seems dangerous for them and perhaps for the mass, but when this separation goes with a belief in education and duty to others, I suppose it is OK.
    I guess now a lot of boys will be circumcised in Germany „for medical reasons“. That was the case with my father, and a lot of Americans believe that it is healthier for boys to be circumcised.
    P.S. I also find Bavarian radio very good, whereas BBC, which was a big positive influence for me, is not what it was.

  2. Chris Wood (Freitag, der 29. Juni 2012)

    Now I wonder whether the obsession of the Roman Catholic Church with sex, and the fact that Jesus is never depicted fully naked, relate to the wish not to show him circumcised?

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