Roland Dürre
Donnerstag, der 4. Februar 2010

Imame frisch von Deutschen Hochschulen

Der Wissenschaftsrat hat empfohlen, dass Deutsche Hochschulen in Zukunft Imame für den Unterricht in islamischer Religion ausbilden sollen. So habe ich es im Spiegel gelesen und auch in den Nachrichten gehört. Und angeblich soll er auf breite Zustimmung gestoßen sein.

Das mit der breiten Zustimmung irritiert mich. Wir sehen uns doch als moderne und säkularisierte Gesellschaft. Die Anzahl der Mitglieder von christlichen Glaubensgemeinschaften sinkt, die Zahl der konfessionslosen Menschen in unserem Land steigt. Der Trend ist eindeutig.

Warum wird der christliche Religionsunterricht bei uns vom Staat bezahlt und in staatlicher Regie betrieben? Warum bilden freie deutsche Universitäten auf Staatskosten katholische und evangelische Geistliche und Religionslehrer aus? Und warum werden dem Konkordat folgend die Stellen für Bischöfe vom Staat finanziert?

Das, obwohl es in Deutschland eine Kirchensteuer gibt (wie sonst in keinem mir bekannten Land) und so die Kirchen finanziell vom Staat systemisch unterstützt werden..

Jetzt soll Islamkunde an Deutschen Hochschulen gelehrt werden. Damit islamischer Religionsunterricht bezahlt von Steuern in den Schulen integriert stattfinden kann. So soll wohl erreicht werden, dass die Art des islamischen Religionsunterrichts transparenter wird.

Es soll eine überwiegende Zustimmung zum Vorschlag des Wissenschaftsrats vorhanden sein. Das wundert mich, denn es gilt wohl immer noch gleiches Recht für alle. Der nächste, logische Schritt wäre die Bezahlung hochrangiger Imame durch den Staat. Und folgerichtig kommen dann auch muslimische Militärgeistliche usw.

Wäre eine andere Strategie nicht auch mal wieder zu durch denken: Abschaffung der Finanzierung aller religiösen Lehrstühle und der Stellen von Kirchenführern durch den Staat. Anstelle des Religionsunterrichts ein Pflichtfach Ethik (und soziales Verhalten) inklusive dem Sonderfach Aufklärung und Zivilcourage an Schulen. Und den Kirchen kann man das Recht geben, im Rahmen und unter Aufsicht der Schule freiwillig Religionsunterricht anzubieten.

Das geht wahrscheinlich nicht, weil wir einen Konkordatsvertrag haben. Und ein Konkordat ist wohl ein Vertrag, der nur beendet werden kann, wenn beide Seiten zustimmen. Aber einen Versuch wäre es doch zumindest mal wert.

Die Kirchensteuer kann gerne bleiben. Auch für Muslime könnte sie eingeführt werden. Solange sie sich auf die Mitglieder der Kirchen/Religionen beschränkt, ist sie freiwillig und damit in Ordnung. Die Kopplung an die zu entrichtende Einkommenssteuer ist wahrscheinlich eine sozial gerechte Lösung für die Höhe des Beitrages.

Und das einmalige Werkzeug der Kirchensteuer könnte man nutzen, um eine Transparenz (und wahrscheinlich auch einen Einfluss) bei religiöser Erziehung zu erreichen. Darum geht es doch wohl dem Wissenschaftsrat. Der Weg von der Erziehung zur Indoktrination ist bekanntlich nicht weit.

RMD

P.S.
Diese Woche habe ich noch mehr Bemerkenswertes in der SZ gelesen. Jede Info wäre einen eigenen Artikel wert:

  • dass die promovierte Physikern Frau Dr. Angela D. Merkel die Energiegewinnung durch Kernfusion für besonders zukunftsträchtig hält.
  • dass die reduzierte Besteuerung von Übernachtungen in Hotels bleibt.
  • dass der Zweck das Mittel rechtfertigt und Daten kein Gegenstand sind und es deshalb gar keinen Datendiebstahl und auch keine Datenhehlerei geben kann.
  • dass vielen Kommunen eine totale Überschuldung bis hin zur Insolvenz droht.
  • dass im Januar 2010 noch weniger Pkw als in 2009 verkauft worden sind (damals hat man wegen den schlechten Januarzahlen die Abwrackprämie kreiert) und trotzdem die Autoaktien steigen.
  • dass die EU Griechenland „an die ganz kurze Leine nimmt“
  • dass wir eine neue Afghanistan-Strategie haben, die auf der Ausbildung von vielen Polizisten und Militär beruht und so die Aussicht auf einen zeitnahen Abzug aus Afghanistan bewirken soll
  • dass Bachelor und Masters wirklich gescheitert sind.
  • dass die ersten 100 Tag schwarz-gelb so gar nicht toll waren.
  • dass die SPD bei der Reform der Jobcenter Frau Merkel helfen will.
  • dass bald schon wieder so richtig gestreikt werden dürfte.
    usw.

Das sind doch Nachrichten!

3 Kommentare zu “Imame frisch von Deutschen Hochschulen”

  1. Chris Wood (Donnerstag, der 4. Februar 2010)

    I think the Church is supported in Sweden. We had difficulty to persuade the Swedish wife of my nephew that the Anglican Church, whose head is the Queen, is not supported. The Anglican Church is one of the biggest land owners in England, which helps its finances. The house I grew up in was „bought“ by my parents, but the land will revert to Church ownership in about 900 years, if the Church then still exists.
    I see advantages in Germany helping to educate imams. Perhaps then Islam will decline here as fast as Christianity. It must be difficult for people who understand the Koran to take it seriously.

  2. Enno (Donnerstag, der 4. Februar 2010)

    Die Frage, warum der Deutsche Staat das tut, haben Sie sich ja schon selber beantwortet. Er ist vertraglich dazu verpflichtet. Im Fall der katholischen Kirche ist das zudem ein zwischenstaatlicher Vertrag. Den einseitig aufzukündigen fänd ich nicht richtig. Auch heißt „gleiches Recht“ für alle nicht, dass der Staat mit allen gleichartige Verträge schließen müsste. Auf islamischer Seite fehlt dazu auch noch ein ernst zu nehmender Ansprechpartner, der einen hinreichend großen Teil der Gläubigen nach außen hin vertreten könnte.

    Dagegen macht eine staatliche Ausbildung islamischer Geistlicher in Deutschland Sinn. Derzeitig werden Geistliche aus diversen Islamischen Staaten nach Deutschland exportiert, um sich hier um die jeweils (zumeist national und in der jeweiligen Muttersprache organisierten) Gemeinden zu kümmern. So ist einer Entfremdung zwischen islamischen Gemeinden und unserer Gesellschaft Tür und Tor geöffnet.
    Dass der Staat da einen Fuß in die Tür bekommt ist sicherlich sinnvoll, wenn wir den Frieden wahren wollen.

    Auch Imame werden übrigens zu Teilen vom Staat bezahlt. Nur eben nicht vom Deutschen.

    Dass an Hochschulen Pastoren für die Kirchen ausgebildet werden, befremdet mich nicht weniger als die Tatsache, dass Informatiker für IT-Unternehmen auf Staatskosten ausgebildet werden.

  3. Chris Wood (Freitag, der 5. Februar 2010)

    Dear Enno, of course an agreement between Germany and the Vatican can be changed. Every new law or treaty in some way conflicts with and supersedes the previous rules. Germany is not the same country that made the agreement. The borders have changed since then.
    The IT specialists do quite a lot for the German economy, in terms of helping industry, and even exporting hardware and software. It is less clear that priests produce anything saleable. Their export performance is about nil, or did Bavaria get a transfer fee for the Pope? Of course there are plenty of other jobs whose contribution to the wellbeing of German residents is very dubious.

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