Roland Dürre
Mittwoch, der 15. August 2012

Inflation

Jeden Tag gehe ich – wenn möglich – schwimmen. Im Winter ins Phönix – das ist unser Hallenbad in Ottobrunn. Und im Sommer natürlich ins Freibad von Unterhaching. Da steht – gleich links vom Wege zum Sportbecken eine Hüpfburg. Die Hüpfburg ist erst ein paar Jahre da. Fünf Minuten „hüpfen“ kostete die letzten Jahre 1 €. Gestern fällt mir auf, dass es jetzt 1,50 € sind.

Dafür blieben die Eintrittspreise ins Schwimmbad von 2011 auf 2012 unverändert. Sogar die große Wasserrutsche im Freizeitbecken kostet soviel wie seit ihrer Erstellung, nämlich NULL €. Kenne da auch bei uns Freibäder, wo das Rutschen extra kostet.

Aber Eintrittspreis und Jahreskarte sind mittlerweile gefühlt billig geworden, obwohl es in den Jahren davor saftige Erhöhungen gab. Beim Frühschwimmen und Späteinlass z.B. stieg der Preis ziemlich rasch von 1,- auf 1,50 und auf 2,- €. Die erste Erhöhung war also 50 %, die zweite dann „nur“ noch 33,3 % (obwohl sie genauso hoch war wie die erste).

Bestimmt droht für 2013 eine Erhöhung aller Preise (auch der Saisonkarte, wie ich immer eine habe). Diese würde ich unserem Bürgermeister auch ernsthaft empfehlen, obwohl ich selbst betroffen bin. Schwimmen in Unterhaching ist einfach sehr schön und sehr billig. Und wenn die Hüpfburg schon 1,50 kostet …

Unsere „Mittagskantine“ Althaching direkt neben dem Rathaus in Unterhaching gab es vor der EURO-Grenze in unserer „Timeline“ noch nicht. Auch da will ich mich nicht beschweren, im Gegenteil, das Essen ist gut und günstig und kommt schnell auf den Tisch. Und die Bedienungen sind außerordentlich freundlich. Alles wie es sein soll. Aber auch hier klettert der Preis, wie wir beim Wochenmenü merken. Wir hatten da mal eine 4 im unteren Bereich vor dem Komma, dann wurde die 5 erreicht und jetzt geht es auf die 6 zu (wir sind gerade bei € 5,90). Von der Preisentwicklung unserer echten und von mir sehr geschätzten Bäckerei Götz in Taufkirchen – einer Nachbargemeinde von Unterhaching – will ich gar nicht reden.

Wenn ich also so rückwärts rechne, dann können die niedrigen offiziellen Inflationszahlen – sagen wir mal der letzten 10 Jahre – nicht stimmen. Die Lösung liegt mir auf der Hand. Die statistischen Landesämter rechnen wohl immer nur die Differenz zwischen kurzfristigen Vergleichszeiträumen, der größte wohl der Jahresabstand. Das Problem könnte die Preisannahme bzw. -ermittlung bei den Produkten im Warenkorb sein. Die hängt ja von vielen kleinen Entscheidungen ab. Bei einem größeren Zeitraum wird hier die Fehlerquote geringer.

Jetzt kommt mein Tipp an die Herren im statistischen Landesamt: Errechnet die Inflationsrate mal rückwärts! Denn es ist wie bei einem Projekt. Erst im Rückblick kann man präzise berechnen, was das Projekt tatsächlich so an Gesamtkosten verursacht hat.

Billig scheint mir übrigens immer noch der Sprit zu sein – und das Bier im Supermarkt. Das Tragl Bier bekomme ich da immer noch unter 10,- €. Das heißt, dass der Liter im kleinen Gebinde (20-iger Tragerl) um einen Euro kostet. Und wenn ich mir vorstelle, dass ein modernes Auto mit Diesel für 1,50 € gut und gerne 25 km weit rollt und locker 4 Leute mitnehmen kann, dann kommt mir das auch sehr günstig vor. Zumindest wenn ich an die S-Bahn-Preise denken. Deren Preise sind übrigens auch deutlich stärker gestiegen als die „offizielle Preissteigerungsrate“!

Ganz witzig auch vor kurzem: Ich wollte ein Hotel in St. Gallen buchen. Das DOM. Für Mitte September. Allerdings waren keine Zimmer mehr frei. Auf der Website waren die Zimmerpreise für 2012 und 2013. Und oh Wunder – die für 2013 waren deutlich teurer. Und zwar auch weit jenseits jeder offiziellen Inflationsrate. Das finde ich ehrlich und vorausschauend.

RMD

P.S.
Wenn dieser Post erscheint, sitze ich hoffentlich auf einem Fährschiff der Anek Lines auf dem Wege von Venedig nach Patras. Und da kostet dann die Dose Mythos (Bier, 0,3 Liter) wahrscheinlich auch schon 5 €. Ich werde berichten …

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