cc++In 1988 war ich auf meiner ersten Uniforum, der zentralen und internationalen Unix-Tagung in den USA. Hier zur Info ein zeitgenössischer Bericht aus der Computerwoche über die Uniforum 1988.

Die Veranstaltung fand in Dallas statt. Es war auch mein erster Besuch in den USA. Gemeinsam mit Jacob Rosendorfer, Rainer Schaaf und Wolf Geldmacher (alle von InterFace) waren wir dort. Wir waren schwer beeindruckt: die riesige Halle mit drei Großleinwänden parallel, Unmengen von Besuchern, selbst organisierte „Birds of the feather“-Veranstaltungen und Parties im 2-Stunden-Rhythmus.

Ein wichtiges Thema auf dieser Messe war C++. Einer der Helden der Messe war Bjarne Stroustrup (hier seine Homepage). Die zweite Auflage „The C++ Programming Language“ (Addison-Wesley, first edition 1985) war gerade erschienen und wurde von der Palette weg verkauft. Wir haben ein paar der ganz frischen Bände mit nach Deutschland gebracht.

Und wir haben die Firma „Glockenschlag“ entdeckt.

Der Gründer von Glockenschlag war ein echter C++ Pionier. Den Namen habe ich vergessen, aber an seinen irisch-roten Vollbart kann ich mich noch gut erinnern. Heute finde ich keinen Eintrag zu Glockenschlag in Wikipedia (weder in Englisch noch in Deutsch). Eigentlich schade.

Mit lauter Stimme hielt er leidenschaftliche Vorträge. Sein Produkt „Glockenschlag“ sollte die Waffe gegen die Software-Pest werden. Mit C++ sollte sie ausgetrieben werden, so wie die Flösser die Pest mit ihrem Glockenschlag aus den Städten vertrieben haben.

Wir bei InterFace waren von c++ und Glockenschlag so begeistert, dass wir für ein „Schweinegeld“ die „professionelle Software“ von Glockenschlag als Basis für unser Produkt magicHIT gekauft haben.

Aber es kam bald ganz anders. Glockenschlags C++ hatte selber die Software-Pest. Wartung und Support waren mehr als mangelhaft, und so – wen wundert es – gab es die Firma nicht lange. Als Pioniere hätte sie aber trotzdem einen Eintrag in Wikipedia verdient.

Wir sind dann auf c++ von GNU ausgewichen. Das hatte 2 Vorteile: Es war kostenfrei – und wir konnten die uns so behindernden Fehler gleich selber korrigieren!

Von dann an ging es bergauf! Das c++ von GNU lief innerhalb einer Woche und die Entwicklung von magicHIT lief so richtig rund!

RMD

2 Kommentare zu “InterFace Geschichte #11 – C++ erreicht Deutschland und GNU die InterFace (1988)”

  1. Chris Wood (Donnerstag, der 13. August 2009)

    Roland, somebody already pointed out that it is „Birds of a feather“.
    Also, is „mehr als mangelhaft“ better or worse than „mangelhaft“?
    I never much liked c++. It made me think about program structure before I could start testing! Is this in the spirit of SCRUM?

  2. rd (Donnerstag, der 13. August 2009)

    Sorry for the bird!
    Fehler ist auch schon korrigiert. Aber man sieht: Dinge, die sich über Jahre (falsch) eingeprägt haben, tauchen halt immer wieder trotz besseren Wissens aus dem Unterbewußtsein auf.
    „Mehr als mangelhaft“ halt ich für eine zulässige Floskel, vielleicht umgangssprachlich an Stelle von „katastrophal“ zu sehen.
    Zu c++: Ich habe gerne in „c“programmiert. Aber es gibt eine Evolution. Die hat von c über c++ in Richtung Java geführt (oder vielleicht auch c#, letzteres kann ich nicht beurteilen).
    Zu Scrum und c++. Scrum hat mit der eingesetzten Programmiersprache nichts zu tun.

Kommentar verfassen

*