Roland Dürre
Dienstag, der 8. Februar 2011

Evolution und Innovation

Vor ein paar Jahren habe ich einen Vortrag von Professor Dr. Helmut Krcmar vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der TUM gehört. Das Thema war 50 Jahre Informatik. An den Vortrag denke ich gerne zurück.

Ich war beeindruckt, in welchem Tempo die Dinge sich in der IT entwickelt hatten. Ob wohl ich es selbst erlebt habe. Aber als aktiver Teilnehmer an dieser Entwicklung erschien mir das selbstverständlich. Die ungeheure Beschleunigung in der IT ist mir erst in diesem Vortrag von Prof. Krcmar bewusst geworden.

Die Beschleunigung geht weiter. Seit diesem Vortrag hat sich in kurzer Zeit wieder vieles verändert. Facebook und Twitter gab es damals noch nicht. An ein i-Pad und an Apps der neuen Generation war damals noch nicht zu denken. Speicher ist zur Billigstware geworden, ganz neue Prozessorgenerationen ermöglichen mobile IT auf völlig neue Weise. Junge Konzerne dominieren die IT-Welt. Die Zukunft scheint in der IT wieder mal erst zu beginnen.

Fast 40 Jahre IT-Innovation habe ich persönlich erlebt, zum Teil mit voran getrieben.

Aber war es nicht eher eine rasante IT-Evolution? Hat die Entwicklung nicht ohne uns stattgefunden – und wir haben nur ein wenig mitgesteuert? Was bedeuten eigentlich die Begriffe Evolution und Innovation? Können wir die Innovation nutzen, um die Evolution zu steuern? Oder folgen wir in unserer Innovation nur den Strömungen, die die Evolution sowie schon festgelegt hat?

Chuck House, damals Mr. President of ACM, hat bei einer Veranstaltung des GChACM im FIZ bei BMW von einer Festveranstaltung zum 50-jährigen Bestehens des ACM berichtet. Die Tagung hatte das Motto „Beyond Calculation“. Es gibt da einen spannenden Kongressband mit dem selben Titel. 24 führende IT-Experten (davon auch ein paar Science-Fiction-Autoren) beschreiben da die nächsten 50 Jahr. Das war zur Jahrtausendwende, die Aussage war damals

Jetzt geht es erst richtig los!

Oft scheint mir, dass die Evolution stattfindet, ganz gleich was mir machen. Sie schreitet voran, ohne Rücksichtnahme ob wir sie für möglich oder unmöglich halten und ohne Rücksicht auf unsere Bestrebungen.

Vielleicht ist die Innovation unsere Chance, an der Evolution teilnehmen, vielleicht sie sogar ein klein wenig beeinflussen zu können. Aber wir können das nicht auf Rationalität aufbauend schaffen. Vielleicht gelingt dies besser, wenn wir unseren Werten und unserem Gefühl folgen?

RMD

P.S.
🙂  Diesen Artikel habe ich vor längerer Zeit geschrieben, aber nie veröffentlicht, weil ich ein Gefühl formulieren wollte, mit dem Ergebnis aber nicht zufrieden war. Nach einem schönen Schitag in den Salzburger Alpen habe ich ihn wieder gefunden. Denn auch in den (Schi-)Alpen hat die Innovation (oder die Evolution) auf sehr (!) eigenartige Weise zugeschlagen … Was da die letzten 50 Jahre passiert ist !!!

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3 Kommentare zu “Evolution und Innovation”

  1. Chris Wood (Dienstag, der 8. Februar 2011)

    As I regard myself as something of an expert on this topic, I shall have to cut short a skiing holiday to attend!

  2. Chris Wood (Dienstag, der 8. Februar 2011)

    As I wrote my first comment, only the posting title was there. So I didn’t know that this was about IT. It could have been concerned with religion.
    Please Roland, explain who you mean by „we“ (who are unable to control what happens). Do you mean IF-workers, or Bavarians, or IT-workers, or Germans, or Europeans, or all humans? I suspect you mean „I“, but want to avoid signs of egoism.
    Evolution comes from random happenings fed into natural selection. „Control“ of this is an illusion (a „useful“ one), since our control of it, in any sense of „our“, is the result of random happenings. I explained this in this blog years ago,

  3. rd (Dienstag, der 8. Februar 2011)

    Wir (we) = alle Menschen vor und nach 2010

    🙂 Das mit dem Zufall leuchtet mir auch bei der IT ein.

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