Roland Dürre
Freitag, der 25. Februar 2011

IT-Fortschritt

Vor kurzem hat mir ein junger Mensch geschrieben, dass der Fortschritt in der IT gar nicht so aufregend wäre, wie ich das behaupten würde. Das wäre doch alles ganz normal. Da hat es mich so richtig gerissen.

Vor 5 Jahren waren Lösungen utopisch, die heute wie selbstverständlich genutzt werden. Vieles, was so einfach ausschaut und funktioniert, hat einen unglaublichen funktionalen Tiefgang. Ein paar Beispiele:

Sprachübersetzung

Ich bin irgendwo auf der Welt in einem Land, dessen lokale Sprache ich nicht spreche. Ich habe einen Wunsch und treffe einen Menschen, mit dem ich mich in keiner gemeinsamen Sprache unterhalten kann. Eine neue App macht es möglich, dass ich eine Frage in meiner Sprache dem i-Phone stellen kann. Kurze Zeit später stellt dann das i-Phone meinem Gesprächspartner diese Frage in der gewünschten Landessprache. Mein Gesprächspartner beantwortet dem i-Phone die Frage in seiner Sprache und ich kann die Übersetzung der Antwort kurz später wieder in meiner Sprache lesen oder hören.

Das kann eine neue App, die ganz gut funktionieren soll. Vor kurzem war so etwas nur in einer schlechten Science Fiction (SF) Soap vorstellbar …

Wegweisung

Mein i-Phone hat eine App, mit dem kann ich von einem beliebigen Ort in Deutschland die nächste Haltestelle des öffentlichen Verkehrs finden. Im Bild meiner Umgebung auf dem Display wird der Weg eingezeichnet, den ich nehmen muss. Das ist eine Mischung von „virtual reality“ mit „real reality“, man nennt so etwas „merged reality“.

Und quasi nebenher kann mir mein i-Phone auch noch sagen, wie viel Minuten ich zur Haltestelle habe und wie viel Zeit ich mir lassen darf, weil die S-Bahn eine Verspätung hat. Alles Online, alles bald noch viel filigraner inklusive Bezahlvorgang. Keine Tickets mehr, kein komplexes Studium von Tarifregeln und Fahrplänen.

Ist doch auch ein wenig SF …

Verbindung Papier-Internet

Mit digital gedruckten Zeitungen fing es an. Da klebte an dem einen oder anderen Artikel ein 2D-Barcode. Den konnte man „scannen“ und dann sofort die ergänzenden Artikel im Internet lesen. Wobei „Scannen“ nicht „Scannen“ ist, sondern als Mustererkennung auf der digitalen Fotografie des Barcodes realisiert wird.

Heute findet man immer mehr Barcodes auf „Papier“: Die Immobilienanzeige verlängert ihren Informationsgehalt über einen 2D-Barcode genauso ins Internet wie die Reklame für den Traumurlaub.

Oder Sie drucken auf Ihre Visitenkarte auf der Rückseite einen 2-D-Barcode, und der Benutzer kann sich sofort auf seinem Smartphone Ihre Website oder Ihren Facebook-Eintrag ansehen. Oder Ihren Blog lesen oder Ihr e-Book herunterladen.

Warum geht das alles?

Ganz einfach. Ein modernes Handy – ein iPhone, Android oder ein Smartphone mit Windows Phone 7 – vereinigt in sich alle Möglichkeiten: Es kann Töne generieren (Lautsprecher) und aufnehmen (Mikrophon). Es kann bewegte Bilder filmen oder empfangen und auf seinem Bildschirm wiedergeben. Es kann Bilder analysieren und Muster erkennen. So kann es unter anderem auch als ganz einfach als „Barcode-Leser“ genutzt werde.

Es kann seinen Standort (GPS) und die Himmelrichtung bestimmen. Und es hat eine oft blitzschnelle Verbindung zu den mächtigsten Serverfarmen und Datenbasen in der Welt. Das sich automatisch in WLANs oder globale Netze einloggt.

Und selbst ist es ein unvorstellbar mächtiges Rechenzentrum, mit enormen Speicher. Schon vor 10 Jahren hatte jedes kleine Handy eine höhere Rechenkapazität als alle NASA-Rechner zusammen, die den Flug zum Mond ermöglichten. Und seitdem hat sich das alles exponentiell weiter entwickelt.

So kann der Riesencomputer Smartphone mit mächtiger eigener Software und unterstützt von den Servern der ganzen Welt die tollsten Sachen machen.

🙂 Übrigens

Ich persönlich habe kein i-Phone, sondern ein Android. Da gibt es natürlich auch all diese wunderschönen Programme. Derzeit nutze ich sie noch nicht. Habe keine Lust, mich da einzuarbeiten – und noch mehr zu verwalten, upzugraden … Meine (jungen) Freunde verstehen das nicht. Sie sagen, das wäre alles ganz einfach.

Ist wohl nur eine Frage der Zeit, dass auch ich auf den Geschmack komme und es auch bei mir so richtig los geht. Spätestens wenn die Smartphones das Format meiner ersten wunderschönen Brieftasche aus braunen Leder haben, auf die ich als 18jähriger so stolz war. Und man dann Laptops nicht mehr braucht.

Mit so einem Teil kann man dann auch sein Facebook in der U-Bahn noch viel komfortabler nutzen als heute. Aber die intelligente Vernetzung und Kommunikation von so vielen Menschen aus der ganzen Welt ist ja auch ganz selbstverständlich geworden und gibt es ja schon ewig, nämlich seit 5 Jahren.

RMD

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1 Kommentar zu “IT-Fortschritt”

  1. Hans Bonfigt (Freitag, der 25. Februar 2011)

    Hallo Herr Dürre !

    Erstmal vielen Dank für die richtige Verwendung des Irrealis im ersten Satz, die meisten, Journalisten eingeschlossen, hätten indirekte Rede verwendet und damit die Aussage gravierend verändert.

    Zweitens, Ihren dezenten Hinweis, ’suaditer in modo‘, habe ich mit den besten Vorsätzen zur Kenntnis genommen, aber wenn ich solche Äußerungen „junger Leute“ höre, dann übermannt mich der HEILIGE HASS.

    Denn Aussagen wie „das ist doch alles ganz normal“ oder „das ist doch alles ganz einfach“ sind der Triumph der Dummheit, sozusagen ein Fanal der Ignoranz postmoderner Hitech-Kommunikationsproleten.

    Es ist ja alles so *einfach*, wie die blöden GPS-Satelliten in eine geostationäre Umlaufbahn gebracht werden, so eine Cäsium-Atomuhr wird doch in jedem Golf verbaut und die Kompensation der Zeitdilatation aufgrund relativistischer Effekte ist doch völlig banal. Überhaupt, Einstein, totaaaaal easy, weil der Name schon sagt, ist halt alles relativ, was gibt es denn da zu verstehen? !!1!

    Ach, es geht nur um die Aufwertung der Signale? Dann fragen Sie doch einmal einen Repräsentanten der „Checker“-Degeneration, wie man so eine Laufzeittriangulation vornimmt, ist doch schließlich ganz normal und so einfach.

    Etwas Realität gefällig ?

    Auf einer Fachtagung, das Plenum gerammelt voll ausschließlich mit „IT-Fachkräften“, jung, dynamisch und erfolglos, referiert jemand über LKW-Verfolgung mittels GPS und es fragt jemand allen Ernstes, ob aufgrund der steigenden Nutzerzahl die GPS-Satelliten nicht an ihre Kapazitätsgrenze stoßen würden. Es gelang dem Referenten nicht, der Meute zu erklären, was für ein hanebüchener Blödsinn gefragt wurde.

    Im Internet habe ich ‚mal eine Heckler & Koch MP5 im praktischen Aktenköfferchen gesehen, bei solchen kollektiven Glanzleistungen wünschte ich mir, ich hätte sowas und könnte „gepflegt grillen“.

    Denn leider geht es ja weiter. Junge Leute kennen nicht den Unterschied zwischen SMS und E-Mail. Junge Leute lassen sich beliebig vorführen und sind auch noch stolz darauf, nehmen wir das iPhone, das Insignium des technischen Analphabeten:

    Der turbogegelte Jungschwätzer nimmt es nicht nur in Kauf, nein, er billigt es geradezu, den Kakao auszutrinken, durch den ihn Apple vorher gezogen hat: Apple schreibt vor, welche „Apps“ erlaubt sind, welcher Diensteanbieter welche Provision an den Gerätehersteller zu entrichten hat, welcher Netzprovider genehm ist und welche Dienste man über das Netz nutzt.

    Daß bereits die Ausfilterung bestimmter Pakete eine umfassende Analyse, sprich also Abhören und Auswerten der Kommunikation, erforderlich macht und damit einen tiefgreifenden Eingriff in das vom Grundgesetz garantierte Fernmeldegeheimnis darstellt, geht in die Puddingbirnen der IPhone-Benutzer nicht hinein. Aber dafür jammern wir kollektiv über „Google Street View“. Die soll doch der Blitz beim Scheißen erschlagen.

    Ein junger Maschinenbauer, der an der Uni Clausthal gottseidank durchs Vordiplom gefallen ist, regt sich über seinen „Prof“ auf, weil dieser ihn vor versammelter Mannschaft desavouiert habe: Der Professor hatte sich nämlich erdreistet zu fragen, was er an einer Universität suche, wenn er nicht einmal wisse, wie hoch die Drehzahl einen netzbetriebenen Drehstrom-Asynchronmotors typischer Bauart sei.

    Auf meine Rückfrage, warum er sich das nicht hergeleitet habe, die Netzfrequenz sei ja bekannt und die Polzahl eines typischen Magneten eigentlich auch, und 25 Umdrehungen pro Sekunde ergeben 1.500/min. Anstatt jetzt die Fresse zu halten, spuckt er mir doch tatsächlich ein „Ich bin Maschinenbauer und kein E-Techniker“ vor die Füße. Mir fällt dazu nix anderes mehr ein als der oben erwähnte Koffer mit der HK MP5.

    Je primitiver und einfältiger ein Ignorant ist, desto banaler, „normaler“ und „einfacher“ ist sein Blick auf die Welt.

    Und das ist das Schlimme an modernen Benutzeroberflächlichkeiten: Sie erschließen die technischen Möglichkeiten nicht, sondern sie verdecken sie unter einer schmierigen, kitschig-süßen Schicht ‚eye-candy‘ und entstellen sie so.

    Gestern in der „Süddeutschen“: Die Schulen Münchens werden jetzt auf „Windows XP“ umgestellt, hurra. Larry Allison hatte schon damals recht „Ich würde meinen Kindern lieber Drogen geben als Windows“.

    Wäre es also nicht naheliegender, ein paar Crackdealer an den Schulen vorbeizuschicken? Schmiergeld an die „Entscheider“ zahlen die sicherlich auch und für die Kids wird dann die Welt sicherlich noch viel einfacher und schöner.

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