Roland Dürre
Donnerstag, der 8. Januar 2015

#JeSuisCharlie

Ich nehme eigentlich nur ungern zu so schlimmen Ereignissen Stellung. Aber ein paar Gedanken möchte ich diesmal los werden. Einfach weil mir die öffentliche Diskussion doch sehr vereinfacht und vorverurteilend zu sein scheint.

Ich vermisse die Forderung an die ermittelnden Behörden (und noch besser die Absichtserklärung derselbigen) die Aufklärung des Attentats in großer Transparenz und Öffentlichkeit zu führen. Zumindest unter strenger parlamentarischer Kontrolle. Die Ausrede, dass man das nicht machen könne, weil man dann die Ermittlungen gefährden würde, halte ich nicht für stichhaltig.

Diese Forderung würde ich stellen, weil die Vergangenheit immer wieder gelehrt hat, wie vorsichtig man mit Vorverurteilung sein muss. Zu oft haben wir erlebt, dass die Behörden bei solchen Ereignissen von Interessen getrieben einseitig oder „auf einem Auge“ blind ermitteln. Auch in der aufgeklärten Bundesrepublik Deutschland gibt es da unrühmliche Beispiele vom Oktoberfestattentat 1980 bis zur NSU. So darf man gerade in so einem Fall nicht und erst recht nicht pauschal vorverurteilen.

Was mir auch erwähnenswert erscheint ist, dass in den USA, in dem Land wo Waffenbegeisterung und Waffenlobby dominieren, wo die Todesstrafe normal ist und in dem Individuen wie der Staat regelmäßig mit Gegengewalt und Vergeltung reagieren, dass in diesen USA jetzt der Bleistift als neue Super-Waffe beschworen wird. Das empfinde ich als zynisch und auch einer Karikatur wert. Gerade die USA hat öfters die Chance vergeben, eine solche Größe zu zeigen und so mit ihrer unbedachten Politik weltweiten Schaden generiert.

Noch wird nach „mutmaßlichen Tätern“ gefahndet und von „Hauptverdächtigen“ gesprochen. Auch wenn es sich bestätigt, dass die Täter Muslime gewesen sind, müssen die Motive noch lange nicht religiösen Ursprunges sein. So wie es „verrückte Amerikaner“ als Amokläufer gibt so gibt es doch auch verrückte Muslime geben. Statistisch eigentlich mehr, gibt es doch mehr Muslime als Amerikaner.

Assoziativ muss ich an Amok-Läufe in anderen Ländern denken. So befremdet es mich, wie gering die Entrüstung ist, wenn in den USA ein Waffennarr in einer Schule ein Blutbad anrichtet. Und wie schnell das in den Medien vergessen wird und die NRA (The National Rifle Association) die öffentliche Diskussion wie die Regierung wieder unter Kontrolle hat.

Last not least muss ich bei diesem Ereignis – warum auch immer – an den Terror denken, den die israelische Armee auf Befehl ihrer Regierung vor gar nicht langer Zeit in Palästina ausgeübt hat und eine ganze Stadt in eine Ruine verwandelt hat.

Deshalb würde ich sogar bei diesem entsetzlichen Ereignis in Paris für ein wenig Gelassenheit in der Diskussion plädieren und erst mal abwarten, wer denn wirklich dahinter steckt.

Stellen wir uns mal vor, was los wäre, wenn die Mörder „abendländische Kämpfer“ einer französischen „Pegida“ wären und den Anschlag so fingiert hätten, dass der Verdacht auf „islamische Kämpfer“ fällt. Das wäre der abendländische GAU. Und vielleicht darf der gar nicht sein? Auch weil das Madame Le Pen und Konsorten gar nicht gefallen würde.

RMD

1 Kommentar zu “#JeSuisCharlie”

  1. six (Freitag, der 9. Januar 2015)

    „In einem Tugendstaat seien das Volk durch Vernunft zu leiten und die Feinde des Volkes durch „Terreur“ zu beherrschen“. Das sagte Robespierre am 5.Februar 1794 vor dem Konvent und bezeichnete die von ihm befohlenen Hinrichtungen offen als Terrorapparat. Weil: „Terror ist nichts anderes als rasche, strenge und unbeugsame Gerechtigkeit. Er ist eine Offenbarung der Tugend“ (Quelle Wikipedia). Immerhin wurden in dieser Zeit von denselben Handelnden Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit verkündet.

    Etwa 200 Jahre danach könnte so die Verlautbarung des IS lauten. Der Zeitunterschied dürfte in etwa dem unterschiedlichen politischen Reifegrad zwischen dem nahen Osten und dem Westen entsprechen.

    Ich habe diese Zitate nur aus der Mottenkiste geholt, weil Du den Angriff der israelischen Armee auf „PALÄSTINA als TERROR“ bezeichnet hast. Wir sollten möglichst Begriffe vermeiden, die in einem Konflikt eine Vorverurteilung bedeuten.

    Insofern stimme ich der Tendenz Deines posts voll und ganz zu.

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