Roland Dürre
Mittwoch, der 1. Januar 2020

Jetzt ernsthaft …

2020 in der Heimat!

Mitternacht am 31. 12. 2019. Draußen böllerts. Ich bin zu Haus. Diesmal keine Party und kein Angestoße.

Ein paar persönliche Wünsche für ein gutes neues Jahr hätte ich schon! Aber welche?

Da kommen mir zuerst so die üblichen Gedanken.

Dass alles noch ein wenig weiter so schön bleibe, wie es ist. Dass es den Freunden weiter gut gehen und dass es in 2020 keine schlimmen Unglücke und Abschiede geben möge. Das wäre schön.

Aufgrund unserer Endlichkeit muss ich immer damit rechnen, dass etwas passiert. Tod und Krankheit kann man nicht verbannen. Also muss ich damit umgehen und hoffen, dass es nicht zu schlimm wird.

Ich wünsche mir auch noch viele schöne Erlebnisse in meinem Leben. Aber die muss ich selber machen. Da müssen nur die Voraussetzungen erhalten bleiben. Dass uns ausreichende Kohle bleibt für ein sorgenfreies Leben und vor allem Gesundheit. Ohne die nichts geht. Und das kann man halt nicht immer selber steuern.

Aber andere Sachen könnte man ändern. Vielleicht ein paar Kleinigkeiten. Also Augen zu gemacht und ein wenig geträumt. Was könnte oder sollte konkret im Jahre MMXX im Süden Münchens im täglichen Alltag ein wenig besser werden?

Ich lasse mein Alltagsleben an meinem geistigen Auge vorbeigleiten. Eigentlich passt alles. Alles ist bestens. Ich finde nichts zum Mäkeln. Aber dann entdecke ich doch den einen oder anderen kleinen Makel.

  • Ich gehe regelmäßig zu Fuß von mir zu Hause (in der Kufsteiner Straße in Neubiberg) ins Ortszentrum Ottobrunns. Dazu muss ich  die Putzbrunner Straße überqueren. Da fahren aber so viele Autos, dass ich nicht so leicht drüber komme. Unfassbare viele Autos für so ein kleines Dorf. Und so stehe ich ganz schön lange da und warte auf die Lücke. Und bräuchte einen Atemschutz.
  • Wenn ich nach Putzbrunn zum Bäcker radele, ist es für die Lunge noch schlimmer. Sogar am Sonntag in der Früh wundere ich mich über die Autokarawane, die sich über die Putzbrunner Strasse (und zum Teil auf die Parkpätze beim Bäcker) schiebt. Und die Fahrer finde ich komisch, weil sie sich auch bei minus 5 Grad im kurzen T-Shirt beim Bäcker in der Warteverschlange versammeln und hoffen, dass ihr SUV dann bei der Rückkunft von der Standheizung weiter aufgeheizt wurde.
  • Fasziniert bin ich auch von den MVV-Bussen, die sich im täglichen Autocorso mitbewegen. Da sieht es drin zwar warm aus, aber gerade am Wochenende sitzt selten mehr als ein Mensch drin. Ich wünschte mir, dass die Busse voll Menschen wären und nicht die Straßen voll von so vielen SUVs. Allerdings weiß ich, dass SUV-Fahrer gegen Busse allergisch sind und deshalb nicht im Bus fahren können.
  • Aber nicht nur die Autos vermüllen die Luft. Gerade wenn ich im Winter auf den Gehwegen unterwegs bin schätze ich es nicht, wenn mir der ewige Raucher entgegenkommt. Und dieser, kurz bevor sich unsere Weg kreuzen, eine große Wolke Tabakrauch ausstößt. Und ich plötzlich in meine Rauchervergangenheit zurückversetzt werde und ich vergeblich nach frischer Luft schnappe.
  • Aber die Vermüllung findet nicht nur im Bereich der Luft statt. Auch der Boden ist verdreckt. Nicht nur mit Zigarettenkippen, -schachteln oder Kaugummi. Sondern mit Müll aller Art. Auch Sondermüll. Gerade nach Auslandsreisen, wie vor kurzem durch ein paar südamerikanische Städte in Chile und Peru, fällt es mir auf, wie dreckig es in Neubiberg und Ottobrunn. Überraschenderweise im Gegensatz zu Orten in der weiten Welt, die wir mit unseren Vorurteilen als schmutziger einschätzen. Und die sich als fast peinlich sauber anfühlen. Gut, Neubiberg und Ottobrunn sind ja auch nicht die besten Wohnorte im Südosten von München. Trotzdem, bei den Mieten, die man hier zahlt, hätte man vielleicht eine saubere Gemeinde verdient.
  • Dabei haben wir sogar Kinos in Ottobrunn! Das ist toll. Und in den Kinos laufen sogar oft ganz gute Filme. Die letzten beiden, die ich in Ottobrunn gesehen habe, waren der neueste Woody Allen und ein herausragender deutscher Dokumentationsfilm mit dem einprägsamen Titel „Systemspringer“. Nur, das Kino ist immer leer. So leer, dass man sich nicht freut, dass man soviel Platz hat, sondern eher einsam ist. Vielleicht sollten die Ottobrunner das Angebot mehr nutzen. Ein bisschen kommunikatives Kino-Leben auch in der Provinz wäre doch schön.
  • Aber zurück zum Verkehr. Was da noch ein wenig besser werden könnte, wäre auch die Münchner S-Bahn. Auch bei meiner letzten Heimreise kurz vor Weihnachten von Argentinien war es wieder da, das Phänomen. Alles war pünktlich. Sogar die S-Bahn vom Flughafen ist pünktlich losgefahren. Auf dem Weg zum Ostbahnhof – und wir hatten die reelle Chance, den direkten Anschluss dort nach Ottobrunn zu schaffen. Das macht nach einem langen Flug durchaus Freude. Dann machte die Flughafen S-Bahn aber wieder ihre außerplanmäßige Pause  am Leuchtenberg-Ring von gut 10 Minuten. Und es war mir klar, dass es mit dem schnellen Umstieg am Ostbahnhof mal wieder nichts mehr werden würde.
  • Heute ist ja Silvester. Mir persönlich immer ein Graus. Ich friere an Mitternacht ungern im Stehen bei Minus-Temperaturen; Champagner im Freien macht das dilettantische Geböllere auch nicht besser. Das alles in einer Luft zum Schneiden. Und morgen früh (eigentlich schon heute) entdecken wir dann wieder, wie es der Homo Sapiens geschafft hat, die Welt so richtig richtig zu verdrecken. Mit seinem „Sch…-Feuerwerk schafft er Müll-Spuren, die wieder bis in den Frühling sichtbar bleiben werden.

Da hilft es auch nicht, dass ich die Feuerwerks-Industrie seit Jahrzehnten an Silvester boykottiere. Ist aber alles nicht so schlimm. Oder vielleicht doch? Ich wundere mich nur, wie die Gesellschaft so tickt.

Die einen fühlen sich als Autofahrer. Für sie gilt: „Ist der Weg länger als der Karren, dann wird gefahren!“ Die Autofahrer verstehen mich nicht, weil ich es unvorstellbar finde, zum Bäcker mit dem Auto zu fahren. Sie stört der Gestank auch nicht.

Das mit dem Müll ist komplex. Der hat viele Quellen – der geplatzte gelbe Sack kommt häufig vor aber auch die schnelle Entsorgung der Hosentasche oder der Autoablage. Über den Müll kann man sich zwar gemeinsam erregen, ansonsten stört er keinen so richtig.

Bus fahren mag hier keiner, weder die Autofahrer noch die Radfahrer. Eine pünktliche S-Bahn hätte dagegen jeder gerne. Und das mit dem Silvester-Feuerwerk verstehe ich eh nicht. Und fürs Kino haben die Menschen hier vielleicht keine Zeit mehr.

So ist es ganz schön im bürgerlichen Südosten Münchens. Ich ärgere mich auch nicht. Sondern beobachte und wundere mich nur. Aber wenn heute am Neujahrstag die Sonne scheint, dann mache ich einen schönen Spaziergang. Es soll ein herrlicher Tag werden und vielleicht fotografiere die Vermüllung, von der die Straßen Ottobrunns und Neubibergs in der Silvester-Nacht heimgesucht wurdem. Und wenn die Bilder gut sind, dann veröffentliche ein paar davon hier.

Also, noch a guads Neues und gut Nacht – der Neujahrslärm lässt jetzt so langsam nach, es geht auf 1:00 zu.

RMD

Hier die Bilder – vom 1. Januar tagsüber.

 

 

 

🙂 Und ich muss sagen – mein Rundgang hat gezeigt, dass es doch deutlich weniger Vandalismus gab als im Vorjahr.

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