Roland Dürre
Dienstag, der 1. Februar 2011

Kairo, Tunis … – Demokratie im Maghreb?

Im Mittelpunkt der Berichterstattung stehen zurzeit die Unruhen in Tunesien und Ägypten. Und was lese ich da alles: Beseitigung von Diktaturen, Aufbruch zur Demokratie, die Macht des Internets …

Am letzteren mag ein bisschen was dran sein. Ansonsten halte ich das alles für gefährliches Wunschdenken und nettes Geschreibsel. Die Wahrheit dürfte eine ganz andere und viel banaler sein:

Wir erleben den Beginn einer Entwicklung, wie sie auch bald in manch anderen Ländern kommen wird. Es geht nicht um Demokratie oder ähnliches. Es geht schlichtweg ums Überleben.

Denn Nahrungsmittel haben sich weltweit wesentlich verteuert. Das trifft die Reichen nicht, denn Nahrungsmittel sind in Ländern des Wohlstands billig – und wenn sich dort der Preis verdoppelt, ist das nicht weiter schlimm. Für die armen Länder aber ist es eine Katastrophe.

Ein indisches Sprichwort sagt:

Wenn der Zwiebelpreis steigt, dann fällt die Regierung.
(Zwiebeln sind in Indien das wichtigste Grundnahrungsmittel)

Die meisten Aufstände und Revolutionen haben stattgefunden, weil das Volk gehungert hat. Das war so und wird wohl auch in Zukunft so bleiben. Und die meisten Aufstände werden nicht zur Demokratie führen.

Wir wissen dies und sind uns auch sehr wohl der stattfindenden Entwicklung bewusst. Und was machen wir:

Wir wollen beim Sprit für unsere Autos den Anteil von Biotreibstoff von 5 auf 10 % erhöhen und nutzen potentielle Nahrungsmittel für die Erzeugung von Wärme, Energie und Verpackungsmaterial!

RMD

P.S.
Jetzt könnte man noch anmerken, dass in den beiden Ländern die streng-islamischen Kräfte politisch am besten organisiert sind. Und das Regime in Ägypten seit vielen Jahren vom Westen nicht nur finanziell massiv unterstützt wird. Jetzt darf jeder drei mal raten, wohin das ganze gehen wird?

P.S.1
Das Bild ist von Keepscases – und aus dem zentralen Medienarchiv Wikimedia Commons eingebunden.

1 Kommentar zu “Kairo, Tunis … – Demokratie im Maghreb?”

  1. Chris Wood (Montag, der 31. Januar 2011)

    I give 5 stars, because Roland covers a vital aspect that has otherwise been sadly neglected. But things are also not as simple as he makes out. The rich nations do very little for the poor ones, but tourism is an important surce of income for Tunisia and Egypt. Of course their regimes have spent too much on maintaining their own power and comfort.
    Their population density is now too high.
    I am not so sure that radical Islamists will win control.
    I am sure that rice is more important than onions for Indian nutrition.

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