Roland Dürre
Dienstag, der 22. Februar 2011

Karl Jaspers 1966 Wohin treibt die BRD?

Dieses Buch habe ich erstmals Anfang der 70iger gelesen. Ich war schon ein wenig besorgt. Mein Vertrauen in das Grundgesetz der BRD war aber groß.

In der Ära Kohl habe ich das Buch noch einmal gelesen. Ich war schon ein wenig mehr beunruhigt. Denn die Dinge in Deutschland hatten sich nicht zum besseren entwickelt.

Vor ein paar Jahren habe ich es das dritte Mal gelesen. Die Kanzlerin hieß damals Merkel und meine Sorgen wurden größer.

Auszüge aus dem Buch findet man hier. Das Buch behandelt ein Thema, das im Internet in vielen Blogs und Abhandlungen heute wieder heiß diskutiert wird. Einfach mal „rumgoogeln“.

Ich überlege mir gerade, ob ich es nochmal lesen soll. Ich glaube, es ist besser, wenn ich es nicht tue. Die Lage scheint mir verfahren zu sein, die Grundrechte immer mehr gefährdet.

Es ist fast so, als ob ich Angst habe vor den präzisen Erkenntnissen in Karl Jaspers Werk.

Was steht denn so Schlimmes in diesem Buch?

Es wird ganz einfach beschrieben, wie in Deutschland eine Oligarchie der Parteien entsteht, die sich schleichend des Staates bemächtigt. Irgendwie wird es immer wahrscheinlicher, dass wir in Richtung eines Obrigkeitsstaates driften. Und die Ideale und den Schutz, den unser Grundgesetzes uns gibt, in kleinen Schritten immer mehr entwerten. Und das darf nicht sein.

Die Lage ist ernst. Nicht nur in Deutschland. Die führenden Parteien und die Regierungen vieler Länder in Europa haben sich mit der Wirtschaft verbündet. Diese Allianz beherrscht uns. Die Parteien haben den Staat im Griff. Die Konzerne – ob Automobil, Energie, Finanzen, Medien, Nahrungsmittel, Pharmazie oder Rohstoffe – dürfen ohne Rücksicht auf das Gemeinwohl und das Wohl des einzelnen Menschen Profit machen. Mit gnadenloser Konsequenz wird die Umwelt und die Zukunft der Menschheit der Maximierung von Shareholder Value geopfert.

Die EU unterstützt diesen Prozess, in dem sie konsequent unter dem Deckmantel des freien Wettbewerbs Regeln einführt, die kleine und dezentrale Strukturen und Betriebe benachteiligt und untergehen lässt. Und mit ihrer Politik Infrastrukturbetriebe entstaatlicht und privatisiert.

Ich empfehle die Lektüre des Buches. Und des Ergänzungsbandes dazu. Denn Karl Jaspers Werk hat damals viel Kritik geerntet. Diese hat er in seiner Rechtfertigungsschrift beantwortet:

ANTWORT – Zur Kritik meiner Schrift Wohin treibt die Bundesrepublik.

RMD

P.S.
Diese beiden Bücher haben mich schon mal zu einem Artikel veranlasst. Und beide Bücher sind bei Amazon übrigens für wenig Geld erwerbbar und wie gesagt absolut lesenswert.

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1 Kommentar zu “Karl Jaspers 1966 Wohin treibt die BRD?”

  1. Klaus Rabba (Donnerstag, der 26. Dezember 2013)

    Nach Snowdown sieht die Welt anders aus. Ich glaube aber, dass die etablierten Parteien nicht mehr viel Zeit haben, um sich der neuen Zeit anzupassen. Eine neue Gruppe von Wählern hat sich gebildet, die sich in den alten Parteien nicht mehr wiederfinden. Es geht um Menschen, die nicht im klassischenArbeitsmodell stehen und auch nicht organisiert sind. Diese Gruppe bleibt Wahlen häufig fern und finden sich eher bei den Grünen oder Piraten repräsentiert. Diese Leute haben ein ausgesprochenes Gerechtigkeitsempfinden, sind ökologisch bewusst, solidarisch und lehnen Gewalt ab. Keine der grossen Parteien konnte dieser Gruppe bisher etwas bieten. Das erklärt den großen Nichtwählerblock, der Mehrheitsfähig wäre. Hier liegt ein Potenzial den Obrigkeitsstaat zu verhindern und zwar europaweit.

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