Roland Dürre
Sonntag, der 9. November 2014

Kein richtiges Leben im Falschen.

Mein Freund Dr. Marcus Raitner (eigentlich müsste ich schreiben unser Freund, denn wir sind schon viele) ist unter anderem der Autor eines besonderen Blogs zu Themen der Führung und Gesellschaft: Führung erfahren mit dem Nebentitel Zusammenarbeit gestalten auf Augenhöhe. Diesen Blog kann ich nur empfehlen.

Der aktuelle Beitrag in Marcus Blog (K)ein richtiges Leben im falschen? ist mir wichtig, deshalb habe ich ihn kommentiert.

Lieber Marcus, das Zitat von Adorno „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ hat mich vor ein paar Jahren auch sehr berührt. Und wie Du ja auch schon geschrieben hast verbietet sich fast jeder Vergleich der heutigen Situation in unserer Gesellschaft mit dem damaligen Nachhall von Schrecken, der Adorno zu diesem Satz bewegt hat.

Durch Zufall habe ich mir vor ein paar Tagen den Film von Carmen Losmann “WORK HARD PLAY HARD” angesehen und auch ausführlich mit ihr sprechen dürfen. Der Film ist wirklich sehenswert, in IF-Blog.de habe ich über meinen Besuch dort berichtet.

Wenn man die Eindrücke des Filmes mit den aktuellen Nachrichten aus aller Welt wie aus Deutschland verbindet (seltsame gesellschaftliche Entwicklungen in den USA, anderen Ländern und auch Deutschland, globale Überwachung durch NSA und weitere, Kriege zwischen Wahnsinnigen – mit von uns gelieferten Waffen, Steuermanipulationen im großen Stil, Gebaren der Finanzindustrie, massiven Einfluss der Lobbies auf die Gesetzgebung, die Steuerung der Regierungen durch die Wirtschaft, zahlreiche Grundgesetzverstöße im großen Stil, die Macht der Geheimdienste ausser jeder parlamentarischer Kontrolle auch in entwickelten „demokratischen“ Staaten, die allgemeine Dominanz der Mächtigen, der Umgang der „Weltgemeinschaft“ mit globalen Gefährdungen wie der Klimaentwicklung aber auch durch singuläre wie Ebola), dann könnte man auf den Gedanken kommen “Wehret den Anfängen”. Und wenn man dies auch noch mit der eigenen Lebenserfahrung kombiniert, wird einem ab und zu doch ganz schön bange.

Insofern sehe ich Dich als Rufer in der Wüste, der aber dankenswerter Weise nicht einsam ist, weil Du nicht der einzige bist. Und da wir immer mehr werden, könnte ich mir schon vorstellen, dass die heute Mächtigen den zurzeit wegen unseres heutigen Jubiläums ja sehr aktuellen Ruf “Wir sind das Volk” demnächst mal wieder zu hören bekommen.

RMD

P.S.
Adornos Satz hat mich zu einer neuen Definition von Freiheit inspiriert:

Ein Mensch ist frei, wenn es ihm gelingt, auch im falschen Leben ein richtiges zu führen..

Ich sammele nämlich Definitionen von Freiheit! Hier der Beginn meiner Sammlung.

1 Kommentar zu “Kein richtiges Leben im Falschen.”

  1. Marcus Raitner (Sonntag, der 9. November 2014)

    Lieber Roland, vielen Dank für Deine anerkennenden Worte! Das freut mich sehr. Auch ich würde mir mehr Initiative im Sinne eines „Wir sind das Volk!“ wünschen. Langsam habe ich aber den Verdacht, dass es sich zu viele im falschen Leben bequem gemacht haben und das richtige gar nicht mehr suchen. Dazu passt auch die Definition von Freiheit, die Du aus dem Satz von Adorno ableitest: auch ein goldener Käfig des Wohlstands, bleibt ein Käfig und die Ketten spürt man erst wenn man sich bewegt.

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