Roland Dürre
Donnerstag, der 15. Oktober 2009

„Kinderfreundliches Bayern?“ oder „Genug Krippenplätze!“

BabyNoch ein Zitat unseres (bayerischen) Ministerpräsidenten habe ich im Ohr:

Er möchte das „kinderfreundliche Bayern“ vollenden. Und zeitnah ausreichend Krippenplätze schaffen.

Da stellen sich mir Fragen:

Ist Bayern überhaupt „kinderfreundlich“?

Wenn ich an mir bekannte Erwachsene denke, die aus Lärmgründen einen regelrechten Krieg gegen Kinderspiel-, Bolz- und Basketballplätze oder Schulen und Kindergarten entfachen, glaube ich nicht, dass Bayern „kinderfreundlich“ ist.

Und Beobachtungen im öffentlichen Bereich unseres schönen Landes verstärken meinen Eindruck. In vielen Mittelmeerländern, in Afrika, Indien und Asien habe ich mehr „Kinderfreundlichkeit“ erlebt als in Bayern.

Sind Krippenplätze wirklich „kinderfreundlich“?

Nach meiner Meinung sind Krippenplätze weder frauen- noch kinderfreundlich. Aus Erzählungen von Frauen aus der DDR und mittlerweile aus eigenem Erleben in der BRD kenne ich die Situation von Frauen, die ziemlich früh ihr noch nicht kindergartenreifes Kind bei der Krippe abgeben und am späten Abend wieder abholen. Dies fünf Tage in der Woche. Im frühen Nachkriegsdeutschland war trotz einer sehr harten Zeit voller vieler Belastungen und Entbehrungen so etwas kaum vorstellbar, auch zu der Zeit wie ich so kleine Kinder hatte nicht.

Ich glaube nicht, dass eine ganztägige Trennung von Mutter und Kind zu einem so frühen Zeitpunkt für Mutter und Kind gut sind. Meine Sorge ist, dass solche Kinder sehr leicht Verlustängste entwickeln können. Und für die Mutter kann es auch nicht gut sein, ihr Kind um 7:00 abgeben, dann zur Arbeit zu hetzen und abends wieder pünktlich zum Abholen da sein zu müssen.

Warum benötigt ein Elternpaar oder eine alleinstehende Frau für ihr kleines Kind einen Platz in der Kindergrippe?

Ich sehe drei Varianten:

  • Beide Partner bzw. die/der Alleinerziehende müssen ganztags arbeiten, um existieren zu können.
    Finde ich ganz schlecht, das sollte in einem vernünftigen sozialen System nicht notwendig sein.
  • Beide Partner bzw. die/der Alleinerziehende müssen ganztags arbeiten, um sich einen gehobenen Lebensstandard leisten zu können.
    Finde ich ziemlich schlecht, weil ich es als falsche Güterabwägung empfinde, die das personale Glück nicht mehren dürfte.
  • Für beide Partner ist die ganztägige Arbeit Voraussetzung für Selbstverwirklichung.
    Finde ich auch schlecht – braucht man bei einer solchen Orientierung noch Kinder?

Es ist einfach so: Kinder bedeuten für die meisten Menschen und Familien Konsumverzicht sowie eine Einschränkung an Unabhängigkeit und Freiheit. Falsch verstandene Freiheit und Konsummaximierung mehren das personale Glück weniger als das Erleben des Heranwachsen eines Kindes. Und Kinderkrippen sind da ein schlechter Kompromiss.

Im Gymnasium habe ich im Sozialkundeunterricht gelernt, dass die DDR aufgrund ihrer hohen Uneffizienz auch die Frauen als Ganztags-Arbeitskräfte benötigen würde. Und der Staat aus ideologischen Gründen die Kindererziehung so früh wie möglich den Eltern abnehmen und selbst durchführen wolle.

Und vor kurzem habe ich in der Süddeutschen gelesen, dass eine der wenigen frühen Errungenschaften der DDR jetzt endlich auch bei uns flächendeckend realisiert werden soll.

Jetzt ist die ehemalige Familienpartei CSU für Kinderkrippen, um Bayern kinderfreundlich zu machen.

Quo vadis, BRD?

RMD

P.S.
Meine These zur Diskussion:

Kindergrippen manifestieren ein entgleistes System und ermöglichen erst das Funktionieren desselben.

Und: Das Bild ist vom National Media Museum via flickr.com.

Kommentar verfassen

*