Roland Dürre
Samstag, der 12. Dezember 2015

Klimakonferenz

Die Klima-Konferenz (fast hätte ich Klima-Katastrophe geschrieben) geht heute zu Ende. Angeblich erfolgreich. Wenn ich die Nachrichten höre, verstehe ich allerdings nicht, wo der Erfolg sein soll und was sich ändern wird.

actmobcmp_100-300x86Deshalb nehme ich hier Stellung und schreibe, was ich für dringend erforderlich halte. Nur mal uns in Deutschland betreffend, denn zuerst sollte man immer vor der eigenen Haustür kehren. Ich meine, eigentlich wäre das ganz einfach mit dem Klima. Man müsste nur ein wenig Mut haben und handeln.

Ich beginne mit der Öllampe. Sie ist das beste Beispiel für ein fossile Energien benötigendes Produkt. Sie wird aus Eisen hergestellt. Das braucht Rohstoffe und Energie. Wird sie genutzt, braucht sie laufend Öl.

Deshalb haben die frühen Anbieter schnell begriffen, dass man die Lampe am besten her schenkt und am Verbrauch (Supply) bestens verdient. Ein wunderbares Geschäftsmodell, dass sich bis heute in vielen Branchen bewährt hat.

Die Öllampe ist deshalb so schlimm, weil sie wohl eine der teuersten Techniken ist, um die Nächte ein wenig heller zu machen. Und weil die Ärmsten der Armen ihr Licht wesentlich genau mit dieser kostspieligen Methode erzeugen.

Hier scheint mir auch ein Problem zu liegen. Denn gerade Licht ist wichtig, ermöglicht es doch erst in dunkler Nacht,wenn das Tagwerk vollbracht ist, zu lesen und sich so weiterzubilden.

Man braucht also Energie zur Herstellung und zum Betreiben eines Systems. Bei vielen Produkten muss man also erreichen, dass bei der Herstellung und dann im Betrieb möglichst keine fossilen Energien verwendet werden.

Daraus folgt ganz logisch, dass wir auf den Verbrauch der Systeme genauso schauen müssen wie auf den Erst-Invest von Energie bei der Herstellung. Gehen wir erst zum Verbrauch:

  • Die erste Regel:
    Ab sofort muss der Verbrauch aller fossilen Energien spürbar und in gleichem Maß besteuert werden. Das alle ist wichtig, die Besteuerung muss also auf den Verbrauch auf Kerosin genauso hoch erfolgen wir auf Benzin und Diesel. Hierzu ist dann auch eine Angleichung notwendig, dies bedeutet eine Erhöhung der Besteuerung von Diesel. Und wenn die EU sich beklagt, dass schädliche Deflation entsteht, weil die Ölpreis in den Keller fallen, dann gibt es doch auch nur eins – nämlich das zu billige Öl besteuern.
    Merke:
    Energie muss teurer werden, damit sich die Einsparung durch Technologie und der Verzicht lohnen!
    Und ich bin sicher, dass die Länder, die als erste damit beginnen einen technologischen Vorsprung gewinnen werden.
  • Die zweite Regel:
    Alle Subventionen, die die Anschaffung und den Betrieb von Systemen unterstützen, zu deren Erstellung und Betrieb fossile Energien genutzt werden, müssen sofort ersatzlos gestrichen werden. Das beste Beispiel ist hier die immense Mehrwert-Steuerentlastung für die sogenannten „Geschäftsautos“. Aber auch die auch enorme Subvention des gesamten automobilen Verkehrs, indem unter anderem alle Folgekosten sozialisiert werden.
  • Erste ergänzende Maßnahme:
    Um Bewusstsein für die Veränderung zu schaffen, muss sofort ein drastisches Tempolimit eingeführt werden. Ich bin hier für Modell 200 (Autobahn 100 km/h, Landstraße 70 km/h und innerstädtisch 30 km/h. Diese Maßnahme würde sofort die durch den motorisierten Individualverkehr verursachten Todesfälle drastisch senken wie auch die Feinstaubbelastung wesentlich reduzieren.
  • Zweite ergänzende Maßnahme;
    Flankierend muss den Menschen ins Bewusstsein gebracht werden, dass Bier in Dosen wie Joghurt in Plastik (und ähnliches) alles andere als die Lebensqualität verbessert. Dass „Aktive Mobilität“ eher glücklich macht als das Wochenende in London oder der Kurztrip nach New York oder in die DomRep. Dass es sicher schön ist, mal Australien zu  besuchen, es da aber auch wunderbare regionale Alternativen gibt.
  • Vielleicht müssen als Medizin gegen das Gift der Katzengoldverkäufer und Glückseinflüsterer (genannt die „Marketing-Industrie“) Kampagnen gestartet werden, die aufzeigen, dass es eben kein einfaches „Kauf Dich glücklich!“ gibt. Auch wenn das uns mit filigranen Methoden und Techniken zur Manipulation von Menschen und dem Einsatz von Milliarden-Beträgen beständig suggeriert wird.
  • Wir müssen uns aber uns auch wieder bewusst machen, dass langfristige Nutzung von Dingen auch fossile Energien spart. Gerade bei Infrastruktur-Objekten wird so oft vergessen, dass da eine langfristige Nutzung effizienter ist als der Neubau. So jubelt München über seine neue Konzerthalle, die es gegenüber dem Ostbahnhof bekommen soll. Und vergisst dabei völlig, dass da wieder ein kosten- und energieintensives Großprojekt gestartet wird, das wahrscheinlich auch wieder jeden Rahmen sprengen wird. Wie auch völlig vergessen wurde, dass die Diskussion über den Konzertsaal eigentlich mit der Frage gestartet wurde, wie man mit dem Gasteig weitermachen solle. Wenn der jetzt flach gemacht werden sollte (weil München eben keine zwei Säle für Großkonzerte braucht, dann wäre das endgültig der ökonomische und kaufmännische Unsinn per Exzellenz. Und auch alles andere als fossile Energien schonend. Aber um die weitere Verwendung des Olympia-Stadions – das ja auch saniert werden muss – macht sich ja auch keiner Gedanken außer dem Stadtkämmerer. Vielleicht genügt es ja, wenn dies als Sportruinen-Denkmal in ein paar Jahren an die Zeit erinnert, wo man in Deutschland noch an die einigende Kraft von olympischen Spielen geglaubt hat und alle dafür waren.
  • Investitionen, die den Verbrauch fossiler Energien fördern, müssen natürlich auch sofort gestoppt werden. Es darf eben keine dritte Startbahn in München geben, genauso wie der Ausbau des Flughafens Memmingen nicht nur ökologischer Blödsinn ist.
  • Erste Anmerkung:
    Ich höre oft den Einwand, dass die Probleme durch elektrische Mobilität gelöst werden können. Das ist natürlich auch Unsinn. Elektroautos sind in der Herstellung alles andere als nachhaltig. Im Betrieb brauchen sie uneffizient viel Strom, der weltweit überwiegend und auf Jahre absehbar durch Verbrennung von Kohle produziert werden wird. Der Elektroantrieb hat sicher eine gute Chance als Unterstützer bei aktiver Mobilität und bei Infrastruktur, z.B. bei Lieferfahrzeugen, die die letzte Meile organisieren.  Aber die individuelle Mobilität mit Verbrennungsmotoren durch Batterie-Fahrzeuge 1 : 1 ersetzten zu wollen, das ist schon sehr dümmlicher „Bullshit“. Und Feinstaub durch Reifenabrieb oder der Lärm durch das Ablaufgeräusch verschwinden ja auch nicht, wenn das Auto elektrisch wird.
  • Zweite Anmerkung:
    Auch weitere Einwände sind mir alle bekannt: Die Situation des Bürgers auf dem Land, die Schädigung der Automobil-Industrie, der Wegfall von Arbeitsplätzen und so weiter. Auch da sage ich: Das ist alles Unsinn. Veränderung muss und wird sowieso stattfinden, und meistens gewinnt der, der sich früher anpasst. Zwar erscheint mir eine Senkung unseres Wohlstandes unausweichlich, aber wir haben eine große Wohlstandsreserve. Und wir sollten uns mehr Sorgen über die Zerstörung der Restwelt machen, mit den auch für uns üblen Folgen. Oder über die starke Polarisierung unserer Gesellschaft in Arm und Reich, die mit einer gleichzeitigen Reduzierung des Mittelstandes und einer Verschiebung vieler in den Armutsbereich daher geht. Und uns überlegen, wie wir uns gegen Konzerne aller Branchen wehren, die sich verselbstständigt haben und mit Lobbyismus und anderen Maßnahmen eine feige Staatengemeinschaft manipulieren und ignorieren.
  • Dritte Anmerkung:
    Jetzt sehe ich noch das Argument kommen: Was hilft es, wenn wir es machen und die anderen nicht. Wie die bösen Amerikaner, Chinesen und Inder? Die weiter Kohlendioxid in die Luft blasen. Dazu meine ich, einer muss ja anfangen. Und der Rest sieht ja wo er hin kommt. Und ich vermute, dass die uns ganz schnell folgen werden und wir dabei kräftig verdienen werden können.

Es ist halt wie immer. Das Abkommen von Paris zu unterschreiben, mag ja ganz nett sein. Nur – wir dürfen darüber das Handeln nicht vergessen und müssen STARTEN. Und zwar jeder ganz individuell!

RMD

P.S.
Im Abstand von ganz wenigen Tagen meine Einwände zu dem angeblichen guten Ergebnis von Paris:

  • Können / dürfen wir wirklich noch 5 Jahre warten?
  • Es gibt keinerlei Verbindlichkeit.
  • Die ersten Staaten machen schon Absetzbewegungen (USA)
  • Notwendige  aber mutige Entscheidungen nationaler Regierungen (siehe meine Liste oben) werden in keiner Art und Weise von den Vereinbarungen befördert.
  • Irgendwie hat sich nichts geändert, außer ein paar schönen Worten als gemeinsame Absichtserklärung.

 

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