Roland Dürre
Samstag, der 10. März 2018

Könnte sein, dass er Recht hat, der Trump.

Es gibt da wohl zwei einfache und belegbare Fakten:

1) Die EU erhebt im Schnitt höhere Einfuhr-Zölle als die USA

und

2) Die USA importieren mehr Waren aus der EU als sie dorthin exportieren

(Quelle Zeit)

Roland in Süd-Georgien, da wo ein Jahrhundert lang Wale und Robben um des lieben Profits willen abgeschlachtet wurden, auch so eine Art von Globalisierung.

Das scheint doch die Vermutung zu bestätigen, dass der „Partner“ mit den niedrigeren Einfuhrzöllen „der Dumme“, also derjenige ist, der mehr importiert bekommt als er exportieren kann. Klingt doch zumindest in kaufmännischer Denkdimension ganz logisch. Weil letzten Endes der Preis zählt.

Betrachten wir zuerst mal das Auto (als  „Fallbeispiel“):
Der Einfuhrzoll, den die USA für PKWs erheben, beträgt 2.5 %. Die EU erhebt bei Auto-Importen einen Einfuhrzoll von 10 % auf Passagierfahrzeuge (Autos und  PickUps, wenn die Ladefläche kürzer als der halbe Achsenabstand ist). Das heißt, dass die EU beim Auto das 4-fache an Zoll erhebt wie die USA.

Dazu kommt, dass das deutschen Autobauer und ihre Kunden massiv subventioniert werden (Dienstwagen-Privileg, Diesel, Forschungsgelder & Prämien, Verzicht auf Tempolimit und Straßenmaut …).

Ähnlich ist es bei Motorrädern:
Die USA verlangt bei der Einfuhr 2.4%, die EU 8 % auf Motorräder mit einem Hubraum bis 250 ccm und 6 % auf Motorräder mit einem Hubraum über  250 ccm. Also auch hier verlangt die EU mehr als das 3- und 2,5-fache im Verhältnis zur USA.

Allgemein gilt, dass die geltenden Zölle zwischen den beiden Handelspartnern USA und EU bereits vergleichsweise niedrig aber oft unterschiedlich sind. Je nach Quelle lese ich:

„Auf der  EU-Seite liegen sie im Schnitt bei etwa 3 Prozent des Warenwerts, auf US-Seite bei knapp 2,5 Prozent.“
(Zitat und Quelle Handelsblatt)

„Im Durchschnitt aller Produkte betrugen die Einfuhrzölle der USA 2016 Zahlen der Welthandelsorganisation (WTO) zufolge 3,5 Prozent. In der Europäischen Union waren es hingegen 5,2 Prozent, in China sogar 9,9 Prozent.“
(Zitat und Quelle Spiegel)

Beiden Quellen folgend sind die EU-Zölle im Schnitt deutlich höher als die der USA (laut Handelsblatt um 25 %, nach Spiegel fast 50 %. Mehr über die Höhe der Zölle kann man hier lesen).

Die Zahlen aus den beiden Quellen differieren. Vielleicht weil „im Schnitt“ nicht ganz einfach zu berechnen ist, da ja die absoluten Beträge auch von den Volumen abhängig sind. So dürfte der Zoll zum Beispiel auf Autos in der Summe deutlich höher sein als auf Erdnussbutter. Ich würde aber eher der Ich würde da eher der WTO glauben, dann wären wir bei 50 %. Und das wäre dann schon eine wesentliche Ungerechtigkeit.

Betrachtet man die führenden zwanzig Import- und Export-Länder von Stahl im Jahre 2010 (Quelle Wikipedia), dann stellt man fest, dass viele Länder von der Größenordnung her ähnlich viel Stahl exportiert wie sie importiert haben.

Für Deutschland waren das in 2010 ein Export von 25.352 und ein Import 22.733 (in Tausend Tonnen). Ähnlich ausgeglichen ist die Export-/Import-Bilanz bei vielen Ländern wie Großbritannien, Frankreich, Italien, Kanada Österreich, Mexiko Südkorea, Taiwan …

Eher die Ausnahmen sind Länder wie China, Japan, Russland die z.B. doppelt soviel oder deutlich mehr exportiert haben wie importiert. Die USA dagegen hat damals schon doppelt so viel importiert wie exportiert – und der Saldo ist größer geworden.

Aber stellen wir uns jetzt mal vor, die Länder würden jetzt zuerst mal den eigenen Stahl verbrauchen und nur das exportieren, was sie selber nicht benötigen oder eben das importieren, was sie selber nicht produzieren können.

Was für eine gigantische Ersparnis wäre das und welches Vermeiden von Verschwendung und Umweltschaden? Denn das Überwinden der Zeitraumschwelle kostet generell viel mehr als den scheinbar so günstigen Transport.

Diese Gedanken sind in der Welt der spätkapitalistischen Ordnung unpopulär und unbequem. Auch die konservative Betriebswirtschaft des 19. und 20. Jahrhunderts wird solche Annahmen ganz einfach als Unsinn ab qualifizieren.

Denn den alten Theorien folgend ist der freie Welthandel für alle Beteiligten segensreich und überhaupt die Voraussetzung für globalen Wohlstand. Aber was habe ich vom „globalen Wohlstand“ wenn der Planet dabei „futsch geht“? Ist „globaler Wohlstand“ real überhaupt möglich?

Die Globalisierung im Spätkapitalismus folgt doch immer ausschließlich dem Ziel, das weltweite Wohlstandsgefälle zu nutzen um die Gewinne zu mehren. Es geht also immer um die „Nutzung“ von billigen Arbeitskräften. Externalitäts-Kosten wie die Zerstörung der Natur werden – dies seit langem ein geübt – konsequent ignoriert. Dass das Überwinden der Zeitraum-Schwelle deutlich mehr kostet als nur den Transport wird beflissentlich vergessen.

Die viel gelobte Globalisierung wird mir immer suspekter. Ich weiß nicht, wie es da Mr. Trump geht. Wahrscheinlich dürfte er der letzte sein, der die Umwelt schützen will. Aber vielleicht sind Schutzzölle genau das, was die (Um-)Welt zurzeit wirklich braucht.

RMD

P.S.
Angeblich droht jetzt ein „Wirtschaftskrieg“. Wie schlimm, dass der Begriff „Krieg“ in diesem Zusammenhang so leichtfertig benutzt wird. Ich glaube, mit den Folgen einer Welt mit Zoll-Mechanismen können wir ganz gut leben. Wie auch mit Grenzkontrollen. Die Folgen und das Grauen von jeder Art von echtem Krieg sind eine ganz andere Dimension von Unglück.

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