Roland Dürre
Montag, der 10. August 2015

Komplexität & Katzenfutter.

Vom 10. bis zum 12. September bin ich in Berlin. Warum? Weil dort wieder mal PM-Camp ist! Schon das dritte Mal. Beim PM Camp Berlin geht es um Komplexität. Genauer gesagt geht es dieses Jahr um die Frage: „Komplexität – reduzieren oder erhöhen?“

Hier ist mein Beitrag für die Blogparade des PM Camp Berlin 2015 und ganz persönlich für Heiko!

20150810_150437_resizedKatzen geht es gut.

Sie müssen nicht arbeiten und können den ganzen Tag machen, was sie wollen. So streunen sie durch die Gegend oder beobachten die Gegend von ihrem Lieblingsplatz beim sich Sonnen. Ab und zu spielen sie mit einer Maus oder einem Vogel „Böse Katze“. Wenn sie aber schnurren findet sich sofort jemand, der sie streichelt. Morgens und abends bekommen sie ihr Futter. Einfach so. Ohne etwas dafür tun zu müssen.

Die „Katzenmutter“ hat es auch besser als früher. Denn das Katzenfutter kommt heute aus Säcken oder Dosen. Man kauft einmal im Monat einen Sack oder eine Kiste mit Dosen. Das war’s dann. Oder ganz modern kauft man Tütchen, wie links im Bild zu sehen. Das ist das typische Katzen-Futter der Neuzeit. Auch wenn keiner weiß, was drin ist. Dafür sind sie ein wenig teurer. Aber das ist uns unsere Katze wert.

Wir analysieren mal, was „Mensch“ da alles für die Katze getan hat, damit die Katzenmutti morgens zum Tütchen greifen und so ihren Liebling glücklich machen kann.

Wir beginnen mit der Verpackung.

Sie besteht aus einer extrem dünnen Folie, wie sie zum Beispiel mit der Technologie von Brückner in Siegsdorf produziert wird. Es ist sehr beeindruckend, wie solche Folien in Riesenmaschinen hauchdünn gestreckt werden und auf dem Produktions-Weg die Maschine und das Produkt immer breiter werden. Und wie viel Aufwand und vor allem Grips allein die Qualitätskontrolle und Steuerung erfordert.

Damit diese Folie das Futter aufnehmen kann, muss sie in mehreren Prozessen metallisch bedampft und weiter beschichtet und behandelt werden. Enormes und sehr spezielles Ingenieurswissen ermöglicht das. Dann wird sie vielfarbig bedruckt. Auch das ist eine Technologie für sich. Dass die Gestaltung der Bilder mit Graphiksoftware erfolgt, erwähne ich hier nur am Rande. Aber das Verkleben bzw. Verschweißen der Folie zum wasser- und luftdichten Tütchen ist die nächste Sensation, die wie vieles in Abfüllprozessen oft unglaublich anmutet.

Betrachten wir nun den Inhalt.

Die Welt der Chemie macht es möglich und gaukelt Mensch und Tier vor, da wäre etwas Wertvolles drin. Das Geschlabbere hat eine erstaunliche Konsistenz, einen charakteristischen Geruch und behält sogar eine Zeitlang seine Form. Alles Wissenschaft. Es hat auch eine erstaunliche Haltbarkeit und ein Setup vieler Zusatzstoffe sorgen dafür, dass die Katze trotz all dem nicht sofort krank wird und nach außen zumindest gesund erscheint. Es ist ein Wunderwerk – auch nur möglich dank geballter Wissenschaft.

So wird in automatisierten Tierfutter-Fabriken gepanscht, gebraut und abgefüllt. Dies aber gesteuert von Computern, immer mit gleich bleibender Qualität und ohne Varianzen. Als Input kommen die Kontainer mit den Rohstoffen hinein in die Fabrik, heraus kommen die konfektionierten Kartons. Und immer noch ist meistens der deutsche Mittelstand dabei, denn unsere „hidden champions“ haben genau das Know-How. Sie bauen die weltbesten Maschinen genau für solche Prozesse.

Marketing und Logistik

Das ganze verkauft sich nur, weil eine Marketingmaschine rund um die Welt läuft. Vom Internet übers Fernsehen bis in die bunten Illustrierten sieht man die glücklichen Kätzchen, die dieses Futter so gerne essen. Eine geile Manipulation als Mischung von emotionalen Bildern und digitalem Marketing. Wir kapieren die Botschaft – die richtige Marke macht die Katze und damit den Menschen glücklich.

Auch die Logistik ist nicht ohne. Denn die moderne Katzenmutter kauft die schweren Säcke mit dem Trockenfutter und die Pakete mit den vielen bunten Tütchen natürlich im Internet. Mit einem Click. Denn nur noch altmodische und meinstens alte Menschen, die noch Autofahren, schleppen die schweren Säcke vom Fressnapf mit ihrem SUV nach Hause, bei dem dann aber der Kofferraumdeckel mit einer Fuss-Geste gesteuert wie von selbst auf und zu geht.

Also macht Amazon seinen Job. Und verteilt mit schweren LKWs, die brav ihre Maut in einem der besten Mautsysteme der Welt bezahlen, die Waren in ihre Auslieferungscenter. Und bestellt der Kunde am Abend, bringt DHL oder Konsorten die ware und die Katze hat am nächsten Vormittag etwas zu fressen. Ach, wie ist die Welt doch einfach geworden …

Und eigentlich ist alles für die Katz.

Denn die Katze würde viel lieber ein wenig gekochtes Herz oder Lunge vom Metzger speisen. Aber so ein Katzenleben ist halt auch nicht perfekt. Und wir alle müssen uns halt alle der modernen Welt unterwerfen – Mensch wie Tier.

RMD

P.S.
Jetzt sage mir einer, dass das Tütchen mit feuchtem Katzenfutter kein komplexes Produkt wäre …

5 Kommentare zu “Komplexität & Katzenfutter.”

  1. Blogparade: "Komplexität - in Projekten und darüber hinaus ... (Montag, der 10. August 2015)

    […] Komplexität & Katzenfutter – Roland Dürre […]

  2. Joachim Schnurrer (Donnerstag, der 13. August 2015)

    Das Beispiel mit der Katze, resp. Haustieren, ist natürlich die Metapher für den Menschen. Er kauft sich Tütchen mit Mikrowellengerichten, da zu faul, oder schon nicht mehr in der Lage selbst zu kochen. Beim Menschen nennt man das Convenience Food, manchmal auch Fast Food. Vorgefertigte Lebensmittel, die schnell verfügbar zum Verzehr sind. Das ist das Ergebnis der Konsumdemokratie. Lebensmittel werden degradiert zur Commodity, die beliebig verfügbar und verschwendbar ist. Als Mensch wäre man allerdings in der Lage zwischen verfügbar und verschwendbar zu unterscheiden. Aber genausowenig die Isar in München vom Abfall der Grillnomaden frei bleibt wird Lebensmittelverschwendung vom „angeblich mündigen Bürger“ betrieben.
    Man kann das alles auch so betrachten, als sei jegliche Aktivität oder Inaktivität gleich wieder Grundlage einer Geschäftsidee, die dafür sorgt, dass bestimmte Ziele wieder erreicht werden. So wird bei der Mülltrennung das Katzenfuttertütchen anders behandelt als der übrig gebliebene Inhalt, der nicht gefressen wurde. Der Müll, den man an der Isar hinterläßt ist Arbeitsgrundlage für prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Wir zahlen doch einen Haufen Steuern dafür, oder nicht? Und schon ist das „grüne Gewissen“ wieder rein. Wir danken stellvertretend Meister Propper und Mc Donalds für die Unterstützung.

  3. rd (Freitag, der 14. August 2015)

    Danke Joachim! Ja, das ist eine Parabel für den Menschen. Nur beschränkt sich dann die Metapher nicht auf die Ernährung, sondern auf unser gesamtes Leben. Auch zum Beispiel auf die Mobilität 😉

  4. Celine (Montag, der 17. August 2015)

    Ich finde nicht, dass gutes Futter etwas mit Verschwendung zu tun hat. Meine kleine Süße hat ein Problem mit der Bauchspeicheldrüse und kann nur spezielles Futter fressen und vertragen. Wenn ich mir Convenient Futter anschaue, schockieren mich die Zusatzstoffe. Eine Zumutung auch für gesunde Katzen, finde ich.

  5. Update zur Blogparade: "Komplexität - in Projekten und darüber hinaus ..." (Dienstag, der 8. September 2015)

    […] Komplexität & Katzenfutter / Complexity & Cat Food (english version) – Roland Dürre […]

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