Roland Dürre
Sonntag, der 11. Juli 2010

Kontext

1969 habe ich in der Informatik-Vorlesung des großen Professors F.-L. Bauer kurz nach dem Abitur das erste Mal den Begriff „kontextsensitiv“ gehört. Vieles im ersten Semester habe ich nicht verstanden, wie auch manche Themen und Bilder in dem die Vorlesung begleitendem Buch „Informatik 1“, dem berühmten gelben „Bauer/Goos“.

Erst viele Jahre später, mittlerweile mit F.-L. Bauer befreundet, in vielen persönlichen Gesprächen mit ihm und gemeinsamen Begehungen der Abteilung Informatik im Deutschen Museum, habe ich begriffen, was Informatik eigentlich ist.

Mit dem Begriff „kontext-sensitiv“ war das ähnlich. Der Begriff war für mich relevant, wenn es um Programmieren und Programmiersprachen ging. In meinem Programmierer-Leben ist mir schnell klar geworden, dass geschaffene Software inklusive aller Korrekturen und Änderungen frei von „Kontext-Sensivität“ sein muss.

Im Vergleich zur menschlichen Kommunikation erscheint die Beschreibung eines Problems in einer formalen Sprache oder die Lösung des selbigen mit einer Programmiersprache geradezu trivial. Aber gerade im echten Leben spielt der „Kontext“ die entscheidende Rolle.

Täglich fällt mir auf, wie jämmerlich Kommunikation scheitert. In der privaten Zweiersituation genauso wie in in einer Gruppe und im Team und natürlich im großen Kollektiv. Kommunikation ist grauenhaft schwierig. Wenn sie misslingt, sind oft Konflikte und personales unglücklich Sein die Folge.

Denn Kommunikation besteht eben nicht nur aus formalen und rationalen Elementen. Neben der Sprache findet sie auf vielen weiteren Kanälen statt. Mimik, Gestik und Körpersprache sind zentrale Elemente. Sie wird durch emotionale und erotische Momente gelenkt. Das erotische Moment bestimmt Kommunikation stark. Wer das leugnet, der heuchelt, ob bewusst oder unbewusst.

Und das WEIB (die ganz individuellen und oft sehr unterschiedlichen Werte, Erwartungen, Interessen und Bedürfnisse kommen auch noch dazu und machen es nicht einfacher.

Huuiii – Kommunikation ist schwierig.

Und dann kommt auch noch der leidige Kontext dazu. Der macht dann Kommunikation fast unmöglich. Irgendwie verbindet jeder Menschen jeden Begriff mit einem ganz persönlichen Kontext. Oft prallen dann völlig unterschiedliche Kontext-Welten aufeinander .

Und als Folge reden wir fast immer komplett aneinander vorbei. Und dann passieren die Kommunikations-Katastrophen, die uns in Verzweiflung stürzen, obwohl wir doch alles so gut gemeint haben.

RMD

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4 Kommentare zu “Kontext”

  1. Chris Wood (Sonntag, der 11. Juli 2010)

    „In meinem Programmierer-Leben ist mir schnell klar geworden, dass geschaffene Software inklusive aller Korrekturen und Änderungen frei von “Kontext-Sensivität” sein muss“. That is impossible. It can only be context sensitive to a greater or lesser extent.
    Apart from this, I don’t understand what this posting is trying to say. Is it just that you worry about not understanding my comments?

  2. rd (Sonntag, der 11. Juli 2010)

    Lieber Chris,

    🙂 das ist wieder so ein Kommentar, den ich nicht verstehe.

    Was meinst Du denn unter „Kontext-Sensitivität“?

    Vermutlich hast Du da einen ganz anderen Kontext als ich :-).

    Aber zur Erläuterung: Mir geht es um den vom Individuum Mensch geglaubten Kontext in dessen individuellen Lebenssituation. Das Software-Thema habe ich nur als Beispiel gebracht. Und das als ein Alles-oder-Nichts-Beispiel. Entweder schlägt er zu – oder nicht.

    Im Leben aber ist meine Kontextwelt, dass ich nichts weiß und gar nichts wissen kann, weil ich nur ein durch Zufall auf eine ganz komische Art und Weise sehr einseitig intelligent gewordener Affe bin.

    Deine Kontextwelt, wie sie sich aus Deinen Kommentaren mir erschließt, nehme ich so wahr, dass Du ein Gott ähnliches Wesen im Besitz der absoluten Wahrheit bist. Und wenn Du mal nicht in ihrem Besitz bist, dann gehst Du davon aus, dass man sie mit naturwissenschaftlichen Methoden ermitteln könnte.

    Daran glaube ich nicht, und deshalb werden wir immer aneinander vorbeireden.

    Glaube aber nicht, dass dies irgendjemand außer uns beiden interessiert, deshalb ist dies mein letzter Kommentar zu diesem Thema.

  3. Marcus Raitner (Dienstag, der 13. Juli 2010)

    „Kommunikation ist schwierig“. Dem kann ich nur voll zustimmen, möchte aber in Anlehnung an Karl Valentin lieber schreiben: „Kommunikation ist schön, macht aber viel Arbeit.“ Das Grundproblem ist meiner Meinung nach, dass Kommunikation für uns einerseits selbstverständlich ist und unbewusst stattfindet, aber andererseits gelungene Kommunikation einer bewussten Anstrengung bedarf. In dem Zusammenhang verweise ich gerne auf die Bücher von Friedemann Schulz von Thun, insbesondere der erste Band von „Miteinander Reden“ bringt sehr viele Probleme zwischenmenschlicher Kommunikation in plastischer Weise auf den Punkt. Lese ich immer wieder gerne.

  4. Chris Wood (Dienstag, der 13. Juli 2010)

    Dear Roland, I am happy that you will not comment again. It means that I can have the last word. (You can reply by email). Your last comment was too subtle for me. I get an impression that something in my comments disturbs you, but am not sure what I should change.
    Should I just stop commenting?
    Should I prefix each sentence by „I may be wrong, but ….“?
    Should I stop making silly jokes, (especially recursive ones)?

    Of course we cannot be 100% sure of anything. But it makes no sense to say we know nothing. This throws away the useful verb „know“.
    But I suppose you are playing with Socrates‘ paradox that the only thing he knew was that he knew nothing.
    I think it is wonderful that (all) intelligence and knowledge seems to have been generated by random mechanisms. If the mechanisms are only pseudo-random, this is a terrible paradox that blows my mind!
    I shall become God-like when I die and cease to exist.

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