Roland Dürre
Mittwoch, der 22. Juli 2009

Kreditklemme – oder die neue Unredlichkeit

Die letzten Tage haben die Politiker auf die Banken geschimpft, die angeblich kein Geld mehr verleihen würden. Ein neues Unwort machte die Runde: die „Kreditklemme“

Banken hätten viel Geld und würden keine Kredite mehr vergeben. Das würge die Wirtschaft ab. Ein Gesetz müsse her, dass die undankbaren Banken zum Geldverleihen zwinge.

Ein gutes Beispiel für die neue Unredlichkeit. Man beklagt vermeintliche Missstände, der Berg kreißt und gebiert eine Maus. Dabei ist das nur die halbe Wahrheit.

Im Mittelstand gab es noch nie Kredite ohne Sicherheit und Bürgschaft. Sicherheiten waren die anzuschaffende Maschine, das sprichwörtliche Häuschen der Oma oder Forderungen an 1a Kunden. Das war immer so und ist auch heute so.

Bei diesen Krediten ging es meistens nicht um die großen Beträge, sonder „nur“ um Tausende, Zehntausende oder auch mal ein paar Millionen von EURO oder früher DM.

Banken sind allerdings vorsichtiger geworden, wenn ein „Private Equity Unternehmen“ einen Bankpartner sucht, um ein Unternehmen zu kaufen und diesen Kauf aus den zukünftigen Erträgen des gekauften Unternehmens zu finanzieren. Das Modell gab es öfters, in vielen Branchen (Pharmazie, Automotive …) haben Übernahmen nach diesem Muster funktioniert (oder auch nicht).

Sehr clever. Man bekommt etwas, dass sich selbst bezahlt und kann es anschließend verwerten. Das klingt nach einem ausgezeichneten Geschäft. Und weil es dabei um Hunderte von Millionen ging, konnte man da auch mehr verdienen. Auch die Banken.

Jetzt funktionieren aber solche „perpetuum mobile“ nicht mehr (wen wunderts?). Also sind die Banken bei solchen Geschäften zurückhaltend geworden, sicher zu recht.

Aber ist das eine politisch zu beklagenden „Kreditklemme“? Oder muss man eigentlich nur froh sein, dass es halt doch nicht so einfach ist, ganz schnell ohne Aufwand reich zu werden.

RMD

2 Kommentare zu “Kreditklemme – oder die neue Unredlichkeit”

  1. Chris Wood (Mittwoch, der 22. Juli 2009)

    A year or two ago, when interest rates were higher, and share prices were even higher, the banks were eager to lend (e.g. so that Porsche could buy Volkswagen).
    Now that the German banks can get money almost without interest, and shares are much lower, they have become much more careful. Meanwhile, banks such as Barclays and Goldman-Sachs have jumped back on the bandwagon, and are making big profits. Why the difference? Choose between:-
    1. The talk about limiting bankers‘ bonuses has driven the clever bankers out of Germany.
    2. German bankers have tended for decades to follow the crowd (and not lead).
    3. There are hardly any good investment opportunities in Germany.

  2. Enno (Samstag, der 1. August 2009)

    Es ist nicht so, dass die Banken abgeneigt wären, Private Equity für Buyouts und größere Investitionen bereit zu stellen. Einzelne sind ausgestiegen, aber es gibt immer noch genügend. Sie sind nur nicht mehr bereit, das Risiko selber zu tragen und stellen das Eigenkapital nur unter der Bedingung zur Verfügung, dass sie das Risiko am Wertpapiermarkt weiterveräußern können. Dann kann die Bank nämlich risikolos am Buyout reich werden.
    Der Markt mag aber von den Banken auch keine Risiken mehr kaufen.
    Das Angebot besteht immer noch, es gab auch in letzter Zeit noch Versuche, solche Buyouts zu organisieren, die Banken haben auch mitgepielt. Es scheitert nur daran, dass sie das Risiko nicht abwälzen können.

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