Roland Dürre
Sonntag, der 9. März 2014

Krim, Krise, krass.

Wenn mich noch vor kurzem einer gefragt hätte, zu welchem Land die Krim gehört, hätte ich gesagt „zu Russland“. Jetzt haben wir eine „KRIM-KRISE“ und ich habe gelernt, dass die Krim der Ukraine „gehört“. Und jeden Tag ist die Krim-Krise in den Nachrichten, so auch bei Spiegel-Online: Szenarien für die Krim: Sanktionen, Chaos, Krieg.

Die ganze Situation empfinde ich als abstrus. Da ist die Ukraine total pleite. Wie übrigens viele andere Staaten auch. Regiert wird sie von Banditen, die diesen Staat dann auch noch ein wenig ausgeplündert haben. Auch das kennt man von anderen Staaten. Dann wird dieser Staat auch noch vom reichen Nachbar und ehemaligen Verbündeten alimentiert. Wie andere auch. Und erliegt in seiner Armut natürlich auch den Versuchungen des reichen Westens.

Die Menschen sind verarmt und haben die Nase voll. Wie viele andere Menschen in anderen Staaten. Es kommt zu Aufständen und weiteren eigenartigen Ereignissen. Unter anderem mischt sich ein „deutscher Boxweltmeister“ ein. Alte BanditInnen melden sich zu Wort. Und natürlich hat die Ukraine – wie viele anderen Staaten auch – auch noch das Problem eines Vielvölkerstaats mit unterschiedlichen Mehrheiten in  verschiedenen Regionen wie auch noch ein paar Minderheiten dazu.

Es passiert, was halt dann so passiert: der alte, zwar gewählte aber vielleicht nicht so ganz legitime Boss wird abgesetzt. Es gibt einen neuen (nicht direkt gewählten) Chef. Und der betont in seiner ersten Rede die „Unverletzlichkeit der territorialen Integrität“. Und hat auch ziemlich fragwürdige Unterstützer.

Und dann gibt es Sanktionen und große Krisenhektik. Einen Aufruhr in der ganzen Welt. Politiker manteln sich auf und sprechen von Sanktionen. Und am Ende wird doch – so oder so – eine neue Ordnung auch in dieser Region stehen.

Parallel feiert man die „Olympischen Spiele der Behinderten“ als Nachgeburt einer eh sinnlosen Olympiade, die nur dem Diktator und den westlichen Unterhaltungskonzernen dient.

Ist das nicht alles Blödsinn?

Ist nicht auch Jugoslawien zerfallen? Die Tschechoslowakei hat sich in zwei Staaten aufgelöst. Vor kurzem haben „Die deutschen Unternehmer in Katalonien vor den verheerenden Folgen einer Unabhängigkeit der spanischen Region gewarnt“? Und in Italien gibt es auch eine „Liga Nord“! Spielt es wirklich in der Welt so eine Rolle, ob die Krim russisch oder ukrainisch ist? Werden in der nächsten Zeit nicht in vielen Erdteilen Neu-Ordnungen von Staaten und territorialen Grenzen folgen. Zwangsläufig, weil die alten Mäntel nicht mehr passen?

Dass Afrika brennt, interessiert doch auch niemanden. Dafür schützt die EU ihre Grenzen gegen die bösen Wirtschaftsflüchtlinge aus Afrika durch die “Grenzschutzagentur” Frontex (siehe dazu auch meinen Artikel vom 2 4. Januar 2010). Das mit einer Armee, die demnächst kräftig aufgerüstet wird – und das alles ohne parlamentarische Kontrolle.

Aber witzigerweise will die EU der Ukraine jetzt mit 11 Milliarden helfen. Damit sie ihre viel höheren Schulden an die Russen besser zahlen kann? Und dann wahrscheinlich neue Schulden an die EU hat.

Das mit dem „Schulden bezahlen“ wird aber nicht gehen. Weil die Ukraine im Gegensatz zu uns das Gas mit 30 % Freundschafts-Rabatt bekam. Die Russen haben mit dieser Subvention jetzt aber Schluss gemacht. Und die Ukraine braucht viel Gas …

Wie übrigens auch die BRD.

RMD

2 Kommentare zu “Krim, Krise, krass.”

  1. Wood (Dienstag, der 18. März 2014)

    Dear Roland, this flippant tone reminds me of your piece on the finance crisis. I find it unhelpful. There is a serious problem in the world concerning a good balance between the advantages of democracy and stability.
    I do not understand why you refer to Dr. Klitschko as a German boxer. He seems to talk more sense than most of the other politicians.

  2. rd (Dienstag, der 18. März 2014)

    Mir scheint, dass alle handelnden Instanzen ganz konkrete Ziele zum vermeintlich eigenen Vorteil verfolgen, aber kein „Player“ sich um „Stabilität durch Bilanz“ oder gar „demokratische Ideale“ kümmert. Und soweit ich das übersehen kann, haben Klitschko und Komplizen keine ruhmreiche oder gar verantwortliche Rolle ausgeübt. Sie erschienen mir eher ferngesteuerte Heißmacher zu sein. Aber wer weiß, was da wirklich gespielt wird? Ich nicht …

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