Roland Dürre
Montag, der 16. Februar 2015

Kykladen in München

Schön war der Winter – aber jetzt wird es für ihn Zeit langsam zu gehen. Zumindest in meinem Herzen ist die Sehnsucht nach der Sonne erwacht – deshalb bin ich auch Ende Februar bis Mitte März in Kuba. Dort will ich durch den Sommer radeln – und dann zurück in den Frühling kommen. Das will ich auch zwei Wochen sehr wenig im Internet sein, sondern vor allem die Augen für die Realität weit aufmachen um möglichst viel Schönes und auch Ernstes zu sehen.

Ermoupoli auf Syros

Ermoupoli auf Syros

Aber man muss gar nicht so weit reisen. Denn die Kykladen sind nach München gekommen. In der Archäologischen Staatssammlung öffnete vor kurzem eine wunderbare Ausstellung, die in den antiken Süden Europas führt.

Es geht nach Griechenland, einem Land, das sich im freien Fall befindet (siehe SZ vom 21. Februar 2012). Und nach meiner Meinung sind da nicht nur die historischen Verfehlungen der Griechen schuld, sondern mindestens genauso eine sehr arrogante und vereinfachte Politik der EU in den letzten Jahren. Denn Griechenland hatte in Europa  nach der Einführung des Euro keine Chance mehr – wie übrigens noch ein paar Länder mehr.

So könnte auch die Solidarität ein Grund für den Besuch dieser Ausstellung in der Archäologischen Staatssammlung sein. Da erlebt man in atemberaubender Art und Weise, was da in den letzten 5.000 Jahren alles passiert ist.

Die Venus von Milo, Zeugnis der Prosperität der Inseln in hellenistischer Zeit

Die Venus von Milo, Zeugnis der Prosperität der Inseln in hellenistischer Zeit

„KYKLADEN – FRÜHE KUNST IN DER ÄGÄIS“ 13.02.2015 – 07.07.2015

Ich zitiere ein paar Sätze aus der Vorschau.

Wie an einer Perlenkette aufgereiht liegen die Kykladeninseln in der blauen See der Ägäis. Ein mildes Klima mit konstanten Winden und fruchtbare Böden auf vulkanischem Gestein waren die Grundlagen für die Entstehung einer hochentwickelten Kultur am Übergang von der Steinzeit zur Bronzezeit um 3000 v. Chr.

Bodenschätze bildeten die Grundlage für die technische Entwicklung in der Steinbearbeitung, Metallgewinnung und Töpferei. Mit seetauglichen Langbooten trieben die Insulaner Handel von der kleinasiatischen Küste bis nach Kreta und machten ihre Inselgruppe zur Drehscheibe für Kulturkontakte im östlichen Mittelmeer.

Die Figuren und die mit ihnen zusammen gefundenen Objekte aus Stein, Metall und Ton werden in die von der Forschung gewonnenen kulturellen Zusammenhänge eingeordnet. Es entsteht das Bild einer faszinierenden Inselwelt, die mit uns über einen Zeitraum von 5000 Jahre hinweg in einen Dialog tritt.

Also hingehen. Und anschauen, was ein Land alles vorher gebracht hat, dass im heutigen Europa nur noch schulmeisterlich behandelt wird. Und so gerne an den Pranger gestellt wird, obwohl es gar nicht so viel anderes gemacht hat, als manche anderen Länder im südlichen Europa. In einer EU, in der bei weiten nicht alles Gold ist was das so glänzt – wie auch nicht in der ach so überlegenen und Europa dominierenden Bundesrepublik Deutschland.

RMD

P.S.
Die beiden Fotos sind aus Wikipedia.

Das erste ist ein Bild von Syros:
Syros ermoupolis 140707“ von Hans Peter Schaefer, http://www.reserv-a-rt.de – Eigene Fotografie/own photography. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Das zweite zeigt die „Venus de Milo Louvre“, ein Photo von mzopw. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons.

Kommentar verfassen

*