Roland Dürre
Mittwoch, der 13. Oktober 2010

Leitkultur – Zielkultur – deutsch – europäisch

Zurzeit geht es mal wieder darum, ob und wie man den Islam in Deutschland integrieren kann. Die Kanzlerin hat gesagt, dass das nur geht, wenn der Islam mit der deutschen Leitkultur vereinbar ist.

Jetzt weiß ich immer noch nicht, was der gemeine deutsche Politiker mit deutscher Leitkultur meint. Dazu gibt es einen schönen Artikel in Wikipedia. Den können die Politiker aber nicht gelesen haben. Sonst würden sie nicht so viel Unsinn sagen. Aber nicht nur deshalb bin ich der ewigen und mal wieder aktuellen Diskussion total überdrüssig.

Sollen wir uns wirklich auf die abendländischen Werte und christlich-jüdische Wurzeln unserer Leitkultur besinnen? Und dann noch die islamische Wurzel in die Leitkultur integrieren? Das wäre eigentlich logisch, immerhin sind Islam, Christentum und Judentum eine monotheistische Religionsfamilie.

Ich wünsche mir aber etwas anderes als eine Deutsche Leitkultur. Nämlich eine Europäische Zielkultur, die auf den Idealen von Humanismus und Aufklärung beruht. Und Werte wie Menschenwürde, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit ernst nimmt.

In Wikipedia ist übrigens auch eine Europäische Leitkultur beschrieben. Sie beinhaltet:

Das wäre doch eine Zielkultur!

Unsere Politiker aber sollten endlich damit aufhören, sich (vermeintlich) populistisch zu äußern und unüberlegt vor sich hin zu plappern. Und sich wieder mehr um die Belange des Staates und die Bedürfnisse der Menschen in diesem Staat kümmern.

Die Religionen betreffend sollten sie ganz still dafür sorgen, dass der Staat das respektiert, was das Grundgesetz garantiert. Dazu gehört auch das Recht auf freie Religionsausübung. Und die gilt für alle: Für Christen, Juden und Moslems wie für die Anhänger Buddhas oder des Hinduismus. Und natürlich auch für sonstige Religionen! Deshalb auch für Atheisten und Agnostiker. Wobei die beiden letzteren nebenbei gesagt die größte Gruppe in Deutschland ausmachen dürfte.

RMD

5 Kommentare zu “Leitkultur – Zielkultur – deutsch – europäisch”

  1. E2E (Mittwoch, der 13. Oktober 2010)

    Dein Wunsch, Politiker sollten sich wieder mehr um die Belange des Staates und die Bedürfnisse der Menschen in diesem Staat kümmern, ist ein bißchen wie der Wunsch nach Frieden und Freiheit für alle: Nobel und schön, aber ziemlich unerfüllbar.
    Ich glaube, die meisten unserer Berufspolitiker interessieren sich in erster Linie für sich selbst und für ihre Wiederwahl.
    Leider ist unsere Verfassung so gestrickt und sind die Anreizsystems so gesetzt, dass ein Politiker persönliche Nachteile hat, wenn er sich so verhält, wie es gut für seine Wähler wäre.
    Wie wirkungsvoll wäre es denn, wenn die Zahl der Abgeordneten sich an der Wahlbeteiligung ausrichten würde. Schön würden manche Abgeordnete Gefahr laufen, ihren so schönen Job zu verlieren, wenn die Politik weiter Politikverdrossenheit schürt!

  2. Chris Wood (Mittwoch, der 13. Oktober 2010)

    I just heard on Bavarian radio that right-wing views, such as chauvinism and wishing for a strong leader (dictator?), are becoming more popular again in Germany. It was also said that this trend is more popular among Catholics and Evangelicals than among others. When will they ever learn?

  3. E2E (Donnerstag, der 14. Oktober 2010)

    Habe ich auch gehört! Und fand ich auch schockierend!

    Ich bin aber wirklich der Meinung, dass unsere Politik das schürt. Demokratie lebt davon dass das Volk gehört wird. Wenn nur noch 34% der Bevölkerung (Wahlbeteiligung 70,2% mal (27,3 CDU + 6,5 CSU + 14,6 FDP) – siehe http://www.bundestag.de/btg_wahl/wahlinfos/startseite/index.jsp ) die Regierung gewählt haben und dann noch das Gefühl vermittelt bekommen, dass sie nicht gehört werden (siehe Hotelsteuer, Stuttgart 21, …) dann ist vielleicht nachvollziehbar, dass man diese Demokratie nicht mehr voll unterstützen kann!

  4. E2E (Donnerstag, der 14. Oktober 2010)

    Noch ein Gedanke: Im Politbaromter steht, dass heute die Regierungsparteien nur noch 36% der Stimmen bekämen. Bei derselben Wahlbeteiligung sind das nur noch 25,7% der Bevölkerung!
    Ist das nicht schon fast näher an einer Diktatur als an einer Demokratie?

  5. Chris Wood (Freitag, der 15. Oktober 2010)

    To some extent, we now have a doubly representative democracy! One third of the population leaves it to the rest to choose the government. Probably this is good. (I cannot vote, although I regard myself as part of the „Bevölkerung“). The current government is remarkably unpopular, although it is comprehensively outperforming the competition financially. Is this because the Bevölkerung is very stupid, or have people come to realise that money is not very important?

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