Roland Dürre
Dienstag, der 4. Mai 2010

Matt

Im Schach gibt man verlorene Partien auf. Das ist nicht nur eine Frage der Fairness, sondern auch sinnvoll. Man kann eine neue Partie spielen und schauen, ob man aus den Fehlern etwas gelernt hat.

Wenn ich das aktuelle Zeitgeschehen betrachte, muss ich ans Schach denken. Die Schlacht um den EURO für so viele unterschiedliche Volkswirtschaften ist verloren. Da kann man noch so viele Bedingungen stellen und Abkommen treffen, es wird nicht funktionieren.

€pa war nicht reif für den EURO. Anstelle jetzt die maroden Volkswirtschaften (Griechenland, Portugal …) mit einer Gewaltkur zu retten und die nicht so ganz maroden Volkswirtschaften (Deutschland, Österreich, Niederlande) zu sanieren, ruinieren wir alle.

Trotz der Beschwörungen aus den Mündern von Politik (und auch Kirche und sonstiger Gesellschaft), dass wir unseren Kindern keine große Belastungen aufbürden wollen, tun wir dies in der finanziellen Dimension genauso fahrlässig wie in allen anderen Bereichen (siehe den Artikel von Chris Wood zur Zerstörung der Welt)!

Und anstelle die Partie fair auf zu geben und uns darauf zu konzentrieren, durch grundlegende Veränderung das Schlimmste zu vermeiden, lügen und heucheln wir weiter.

Und betrügen dabei vor allem uns selbst. Die Weltfinanzkrise ist schuld, die bösen Banken, die Spekulanten, die uneinsichtigen Griechen … . Alles Ausreden. Wir sind zu feige, die Situation zu akzeptieren und endlich mal unsere Probleme und Herausforderungen anzupacken (Umwelt, Überalterung, Bildungssystem, bankrotte Kommunen, marode Haushalte …).

Ich bitte um Verzeihung für die klare Ansage – aber langsam wird es Zeit, die Realität nicht mehr zu verdrängen und mit der Träumerei aufzuhören. Sorry!

RMD

P.S.
Das  Foto von Alan Light wurde aus dem zentralen Medienarchiv Wikimedia Commons eingebunden.

7 Kommentare zu “Matt”

  1. Robert M. (Dienstag, der 4. Mai 2010)

    Ist es nicht eher das Problem, dass der EUR nicht aufgegeben werden kann? Eine Abschaffung des EUR würde für größere Turbulenzen sorgen, als ein paar Milliarden Eur in die Volkswirtschaften zu pumpen. Darüberhinaus ist die EU auch noch eine Gemeinschaft bzw. war es einmal…

  2. rd (Dienstag, der 4. Mai 2010)

    Das der EURO nicht aufgegeben werden kann, ist doch nur ein Dogma. Man konnte auch die DM aufgeben.

    Wieso würde eine Rekonvertierung von Währungen zu Turbulenzen sorgen? Könnte mir vorstellen, dass manche Wiedereinführung von neuen Währungen auch ziemlich reibungslos laufen würde. Und da wo nicht, bedarf es halt dann besonderer Anstrengungen und Maßnahmen.

    Auch das Wort „alternativlos“ halte ich für ein Unwort. Es gibt immer Alternativen.

  3. Robert M. (Mittwoch, der 5. Mai 2010)

    Okay, ich versuche es anders.

    Was würde passieren, wenn an die gute alte DM wieder einführt, und die verzerrten Erwartungen (Preise wie vor 10 Jahren) werden nicht erfüllt. Führen wir dann wieder die Reichsmark ein?

    Die momentan sehr populistisch geführte Diskussion basiert doch größtenteils auf der absurden Annahme, dass der EUR alles teurer gemacht hat. Die Realität ist doch eher, dass durch den EUR die Inflation transparent gemacht wurde.

    Eine Alternative hätte ich da: Warum verbieten wir nicht die Inflation?

  4. Enno (Mittwoch, der 5. Mai 2010)

    Die DM kann relativ einfach wiedereingeführt werden, die entsprechenden Gesetze bestehen noch, werden nur momentan durch EU-Recht überlagert, wenn ich mich richtig entsinne.

    Aber den EURO abzuschaffen ist keine gute Lösung. Durch die einfachere Nutzung von Handelsvorteilen beschert er uns einen enormen Wohlstand.

  5. rd (Mittwoch, der 5. Mai 2010)

    Ja Enno, bei uns bringt er einem kleinen Teil der Gesellschaft enormen Wohlstand – anderen Ländern einem großen Teil der Bevölkerung enorme Armut (Soll und Haben, Aktiva und Passive, Plus und Minus)

  6. Enno (Samstag, der 8. Mai 2010)

    In welchem Land soll denn der Euro einem großen Teil der Bevölkerung enorme Armut beschert haben?
    Jedenfalls innerhalb der EU sehe ich keinen Staat außer Griechenland, der durch den Euro Nachteile gehabt hätte.

  7. rd (Sonntag, der 9. Mai 2010)

    Danke Enno! Werde zur Armut in der EU einen eigenen Artikel schreiben.

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