Roland Dürre
Mittwoch, der 30. Dezember 2009

„Mein CO2 Fußabdruck“ oder „Danke Werner“

Werner Lorbeer hat in seinem letzten Artikel zu desertec auf mein „Manifest zu Kopenhagen“ hingewiesen und mich für meinen CO2 Fußabdruck ein wenig gelobt.

Das Lob ist nicht berechtigt.

Hier mein CO2-Fußabdruck in fünf Kategorien berichtet und jeweils mit einer (mir selbst gegebenen) Verhaltensnote bewertet (1 – 6, sehr gut, gut, befriedigend, ausreichend, mangelhaft, ungenügend), so wie früher in der Schule (Werner ist ursprünglich Lehrer!).

  1. Mobilität
    Hier habe ich mal auf so richtig großem Fuß gelebt. Und habe mich deutlich verbessert.
    Individualverkehr:
    Der Abschied vom Autofahren ist dabei recht leicht gefallen, zu groß sind die objektiven Vorteile, wenn man Autos nur noch ganz selten nutzt.
    Flugverkehr:
    Ich habe mir vorgenommen, nicht mehr zu fliegen. Flüge in Deutschland und Zentraleuropa kann man gut mit der Bahn ersetzen. Auch hier überwiegen die Vorteile meist die Nachteile. Eine Ausnahme gab es leider in 2009. Von Konstantia nach München bin ich geflogen. Das war der Rückweg von unserer Donau-Radtour Budapest – Konstantia. Auch dieser Flug wäre vermeidbar gewesen. Das Problem war, dass der Nachtzug von Bukarest nach München keine Räder mehr mit nimmt.
    Die Safari im Herbst in Afrika habe ich ausfallen lassen, wie ich auch im nächsten Jahr nicht mehr zur Fußball-WM nach Südafrika fliege. Beides hätte mir echt Spaß gemacht. Tut ein wenig weh.
    Note 2 (gut)
  2. Wohnen
    Ich lebe in einem großen Haus mit einer katastrophalen Energiebilanz. Es gibt zwar eine Rechtfertigung. Wir sind immer noch im Normalfall zu siebt und ab und zu leben bis zu zehn Menschen im Hause. Die Temperatur im Hause habe ich auch schon ein wenig runter gesetzt, allerdings gegen die Kritik meiner Mitbewohner.
    Immerhin plane ich, in gut 2 Jahren in ein kleineres Haus um zu ziehen und dort dann wärmetechnisch einiges zu tun. Trotzdem ist mein Fußabdruck hier riesengroß. Also:
    Note 6 (ungenügend)
  3. Ernährung
    Ich esse immer noch zu viel Fleisch, Fisch, Käse, Eier usw. Mein Geist ist willig, aber mein Fleisch schwach. Zumindest beim Italiener esse ich meistens Pasta und Pizza ohne Fleisch und Fisch. Wenn es aber im Althaching Schweinebraten, Schnitzel, Leberkäse oder gar Blut&Leberwurst gibt, dann werde ich schwach.
    Note 5 (mangelhaft)
  4. Plastik-Klimbim und Verpackungsmüll
    Bei Klimbim und vor allem Überverpackung habe ich eine gute Resistenz entwickelt. So kaufe ich für mich persönlich kaum mehr etwas, das im Plastikbecher oder Tetrapack verpackt ist. Eine Zeit lang gelang es mir sogar, die Milch für die Familie täglich frisch mit dem Fahrrad vom Bauernhof in Glasflaschen zu holen. Leider wurde der Silogeschmack im Laufe der Jahre immer aufdringlicher und die Milchtrinker haben sich zur Wehr gesetzt.
    Bei Joghurt oder ähnlichem fällt mir der Verzicht auf Nahrungsmittel in Plastikbechern allerdings nicht schwer. Muss mir nur vorstellen, wie die Nahrung hergestellt und eingefüllt wird.
    Note 4 (ausreichend)
  5. Allgemeiner Konsum
    Da bin ich sehr zurückhaltend geworden. Neue Kleidung kaufe ich mir nur noch bei Bedarf. Mein Konsumverzicht ist einfach, denn „Mit vollen Reisschüsseln lässt sich gut scheißen (Sprichwort aus Vietnam ?)“. Der Kleiderschrank ist so voll, dass dies eine zweite gute Motivation ist, nichts Neues mehr zu kaufen.
    Ich habe mir immer gerne Hemden, T-Shirts, Jeans, Anzüge, Krawatten aus Lust gekauft. So fällt es mir leicht, mein Kauf-Moratorium auch durchzuhalten. Außer bei Anzügen, da habe ich einen großen Verschleiß (Radfahren ruiniert Anzughosen). Hier gilt deshalb die „2er-Regel“: Es gibt einen neuen Anzug, wenn ich zwei alte aufgearbeitet sind.
    Bei Hemden und allen anderen Dingen gilt die „min4er-Regel“, sprich es gibt nur noch ein neues Hemd, wenn mindestens vier alte ausgemustert werden müssen.
    Und meine beiden MacBooks werde ich so lange wie möglich nutzen.
    Note 4 (befriedigend)

So gesehen komme ich auf eine Gesamtnote von 4.0, aufgrund eines „Mangelhafts“ und eines „Ungenügend“ ist meine Versetzung aber stark gefährdet.

In meiner Umwelt (Familie und Unternehmen) tue ich mich allerdings schwer, in diese Richtung zu wirken.

🙁 Ja, und weil mein Verhalten den Zielen unseres Wachstumsbeschleunigungsgesetzes (was für ein Wort) total zuwider läuft, habe ich als gewissenhafter Untertan von Frau Merkel ein schlechtes Gewissen. Aber vielleicht kaufe ich mir im Frühling zur Entlastung des selbigen ein richtig teures Fahrrad, das kostet dann soviel wie eine Abwrackprämie!

RMD

Kommentar verfassen

*