Roland Dürre
Sonntag, der 13. August 2017

Mein erstes „Coming Out“

Heute als „Wort zum Sonntag“!

Es wird wirklich Zeit, Muster und Tabus zu brechen. So beginne ich jetzt damit. Auch im IF-Blog. Zuerst Mal im Kleinen und ganz sanft … Aber es kann ja noch werden.

Zu meiner Vorstellung: Ich bin ein männliches Säugetier. Von der Art „Mensch“. Menschen sind Nachkommen der Menschenartigen, die sich mal aus irgendwelchen Affen entwickelt haben. Die man – für mich unverständlicher Weise – im Gegensatz zu den so klugen und schönen Elefanten, Rindern oder Schweinen auch als „Primaten“ bezeichnet.

Männliche Säugetiere haben ein Geschlechtsteil. So auch ich. Ein männliches Geschlechtsteil hat viele Nachteile. Einer der vielleicht sogar harmloseren ist das Ewige „Wohin damit?“.

Selfie unter schwierigen Bedingungen – aber garantiert ohne Unterhose!

So hat „homo sapiens“ die Unterhose erfunden. Und die Unterwäsche-Industrie gegründet, die jetzt mit Unterhosen richtig gut Kohle verdient. Bekleidung wurde zu einer moralischen Sache („das gehört sich so“ oder „so geht das nicht“). So entstand unter anderem die Moral, die besagt, dass man (besonders Mann) ohne Unterhose nicht herum laufen darf.

Nur – Unterhosen engen ein. Allerdings engen Hosen noch mehr ein. Und dann kann es ohne Unterhose auch mal weh tun. Man denke nur an die Lederhose. Mit Unterhose kann es übrigens auch ab und zu weh tun.

Für die männlichen Menschen entstand eine besondere Unterhosen-Tragepflicht. Frauen trugen Röcke. Bei den Damen war „ohne Unterhose“ schon eher möglich. Bei ihnen ging das als erotische Frechheit durch, was bei den Herren undenkbar war.

So habe ich mindestens 50 Jahre brav meine Unterhose getragen und wenn möglich täglich gewechselt.

Vor vielleicht zehn Jahren habe ich in Indien das Ganzkörperkleid für Männer entdeckt. Könnte sein, dass man es Kaftan nennt. Davon habe ich mir zwei erworben (einen grünen und einen blauen) und diese gerne besonders im Sommer an Stelle des Bademantels genutzt. Und schnell verstanden, dass man unter so einem Kaftan keine Unterhose tragen muss. Und habe plötzlich ein völlig neues Wohlgefühl erlebt. Jetzt ist alles so frei – und zentriert.

Hans Söllner beim Sinnflut-Festival in Erding, 2004, hier noch mit Hose.
(dkeppner@freenet.de)
GNU Free Documentation License, aus Wikipedia

Da ich feige bin, gehe ich mit meinem Kaftan nur ganz selten ohne Unterhose in die Öffentlichkeit. Auch weil ich naiver Weise dachte, dass ich der einzige Mann bin, der gerne ohne Unterhose rumläuft.

So wie wir Männer halt sind. Weil wir immer denken, wir wären der Mittelpunkt dieser Welt und kämen nur als einzigster auf die guten Ideen. Aber dem ist nicht so.

Denn dann kam das Bayern-Sound-Festival, bei dem ich dabei sein durfte. Und da spielte der Söllner Hans. Er trat im Rock auf. Und betonte, dass er „garantiert unterhosenfrei“ sei.

Der Hans hatte noch weitere gute Argumente für den Rock ohne Unterhose. Er meinte, dass er es denen einfacher machen möchte, die ihn nur noch „am Arsch lecken“ könnten. Und dass diese rapide immer mehr werden würden.

Mir geht es ähnlich: Auch bei mir werden die, die „mich am Arsch lecken können“ immer mehr. Besonders dann, wenn sie vergessen, dass sie auch nur Säugetiere und nicht als Systemagenten geboren worden sind. Und sich dann auch noch so richtig „aufmanteln“ und selber als ganz tolle Helden empfinden. Dann können sie mich wirklich …

RMD

8 Kommentare zu “Mein erstes „Coming Out“”

  1. Thomas Michl (Sonntag, der 13. August 2017)

    Was habe ich gelacht .. aber ich behalten meine Unterhose lieber an 😉

  2. rd (Sonntag, der 13. August 2017)

    Probier’s doch einfach mal aus 🙂 !

  3. KH (Sonntag, der 13. August 2017)

    Also dazu hat der „Carl“ auch noch was zu sagen – zu den Unterhosen! Schließlich ist er ja in seiner Firma TRIGA für den Bereich Unterwäsche verantwortlich und zwar für Herren- und Damen! Und da kommst jetzt Du, lieber Roland, daher und willst ohne Unterhosen herumlaufen – welch eine Katastrophe für die gesamte Trikotagenbranche, wenn sich das durchsetzt! Wie sollen wir denn da in Deutschland zu der von Frau Merkel im Wahlkampf prognostizierten Vollbeschäftigung bis 2025 gelangen – das schaffen wir niemals!!!! Das geht nur mit Unterhosen! Und zwar für alle und jeden Tag!!!

  4. rd (Sonntag, der 13. August 2017)

    Lieber Klaus, danke für diesen wichtigen Hinweis.
    Ich kann dazu aber nur sagen, solange der Carl & Triga nur auf Lobbyismus setzen (Unterhosenpflicht und so), sich jedoch nicht besser um die Probleme ihrer Kunden kümmern (ich sage nur „Links- und Rechtsträger“!), werden sie es im Markt eh schwer haben.

  5. KH (Sonntag, der 13. August 2017)

    Hm – Carl wird das morgen gleich in der Wochenbesprechung mit seinem Vorgesetzten Dr. Osterkorn, der vermutlich Rechtsträger ist, besprechen und vielleicht noch vor der Bundestagswahl mit einer neuen Marktstrategie kommen, die derartige ‚Unterhosenkundenaspekte‘ berücksichtigt…

  6. Chris Wood (Dienstag, der 22. August 2017)

    I have heard that real Scotsmen wear nothing under the kilt.

  7. rd (Mittwoch, der 23. August 2017)

    Dear Chris! Thank you. For me this is a very important information. It shows, that in the good old days free men were fine without „underpant“!

  8. Chris Wood (Donnerstag, der 31. August 2017)

    Dear Roland, it is hard to know when you are serious. If you were serious about pants, surely you would have mentioned the declining fertility. (I cannot remember whether this statistic is for Germany or Europe). Have you avoided pants for decades?
    Apes are rightly called primates, not just due to their genetic similarity to humans. They are also particularly clever. Various non-mammals are as clever as the mammals you mention, for instance crows and parrots, although they have rather different brain structures. Octopuses also seem as clever, but are so different from us that it is difficult to judge. Large wales have the largest brains.

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