Roland Dürre
Freitag, der 24. Juni 2016

Meine nicht gehaltene Geburtstagsrede.

Vielleicht hilft ja die Lektüre dieses Buches?

Vielleicht hilft ja die Lektüre dieses Buches?

Vor ein paar Tagen hatte ich Geburtstag. Ich bin 66 Jahre alt geworden. Über die vielen, vielen Glückwünsche habe ich mich sehr gefreut und möchte mich auch an dieser Stelle dafür bedanken. Es hat mir gut getan, dass so viele Menschen an mich gedacht haben.

Dieses Jahr haben wir nicht zum großen Fest eingeladen wie schon öfters in meinem Leben. Obwohl 66 Jahre eine sehr schöne Zahl zum Feiern gewesen wäre, hatte ich irgendwie keine Lust dazu.

Vielleicht gibt es im nächsten Jahr wieder ein Fest. Eigentlich heißt es ja „Kein Fest – keine Rede“. Eine kurze Ansprache – wie an meinen Geburtstagsfesten üblich – habe ich mir aber auch für dieses Jahr überlegt. Weil ich Spaß daran hatte.

🙂 Hier ist meine „virtuelle Geburtstagsrede“ für alle virtuellen Geburtstagsgäste:

Fast 66 Jahre hat es gebraucht, dass ich mich so richtig freuen kann. Ich habe gelernt, mein Leben zu genießen. Und fühle ich mich schon seit gut einem Jahr so richtig glücklich. Glücklicher als früher, dabei habe ich ein wunderbares Leben führen dürfen und eigentlich war da doch alles immer sehr schön.

Zwar ärgere ich mich immer noch über Kleinigkeiten, über die sich zu ärgern wirklich völlig sinnlos ist. Zum Beispiel wenn das WLAN im Hotel nicht funktioniert. Weiter fühle ich immer noch Aggressivität in mir aufsteigen, wo es absolut fehl angebracht ist. Und ich bin oft verzagt, wegen Dingen, wegen denen man wirklich nicht verzagt sein sollte.

Ansonsten bin ich glücklich. Dies mit zwei Einschränkungen.

Die erste ist, dass ich gar nicht mag, dass mein Leben jetzt doch langsam zu Ende geht. Und ich das Sterben immer noch fürchte und ab und zu grauenvolle Angst davor habe. Tod und Sterben trifft aber jeden und alles, das kann man nicht ändern, darum versuche ich das einfach zu akzeptieren und mir keinen großen Kopf mehr darüber zu machen. Ist zwar schwierig, aber immer öfter gelingt es.

Das zweite ist eher schlimmer. Immer weniger verstehe ich, was um mich herum so passiert. Im Kleinen wie im Großen.

Ein Freund, den ich für mein Projekt Frieden gewinnen wollte, hat mir vor kurzem geschrieben. Wir hatten über „Toleranz“ und „Neutralität“ Gesprochen. Sicher sind das Grundvoraussetzungen für Frieden,. Er hat aber die Frage gestellt, ob die größte Bedrohung für Frieden nicht der Kampf um die Ressourcen ist? Und dazu hat er ein paar  Stichworte geliefert:

  • Den Wassermangel im Nahen Osten.
  • Den USA wurde vorgeworfen, die Irak-Kriege wegen des Öls geführt zu haben (dabei soll kein US-Unternehmen im Irak nach Öl bohren, so der BR. Dies würden Franzosen, Kanadier und Chinesen tun).
  • Die Neue Zürcher Zeitung hat vertriebene Jesiden in ihrem Flüchtlingslager besucht und befragt. Diese sagten, sie könnten so oder so nicht in ihre Heimat zurück, da sie nicht nur von den Terroristen, sondern auch von ihren sunnitischen Nachbarn verjagt worden seien. Diese brauchten als Folge des Kinderreichtums zusätzlichen Platz.
  • Das Thema Gentrifizierung zeigt, dass der Kampf um Ressourcen (Wohnraum) auch in Städten wie München den gemeinschaftlichen Frieden tangiert.

Diese Liste könnte man endlos fortsetzen. Im kleinen wie im großen.

Mir tut es immer weh, wenn gutes Essen einfach so vernichtet wird und woanders gehungert wird. Wenn ich die toten Igel und Kröten auf den ruhigen Strassen meiner Gemeinde sehe. Und wenn Menschen auf der Autobahn sterben, weil jemand meinte, mit 200 km/h unterwegs sein zu müssen. Und was mit unserem Planeten so allgemein gemacht wird.

Habe gerade gelesen, dass ein Funktionär des Dachverband der IHK der Meinung war, dass Umweltschutz im Widerspruch zur Lebensqualität stände. Und die Frage stelle, ob wir denn wirklich wieder mit 34 PS über den Brenner fahren wollten. Oder dass ein polnischer Minister, dass es er seine Politik so artikulieren würde, wie er es tut, weil es nicht sein dürfe, dass die Polen ein Volk von Vegetariern und Radfahrern werden würden.

Das alles macht mich traurig. Wir leben in einer Gesellschaft, die Verschwendung zur Handlungs-Maxime gemacht hat. Und Kriege und Gewalt die Folge des Kampfes um Ressourcen sind. Darf das wirklich wahr sein? Und ich bin wirklich erschüttert. Würde gerne etwas tun, dass sich dies ändert. Weil es mir dann auch innerlich (noch) besser gehen würde. Aber ich weiß nicht das Wie und das Was.

So oder so ähnlich hätte ich meine Ansprache gehalten, wenn es ein Fest gegeben hätte.

RMD

Kommentar verfassen

*