Roland Dürre
Donnerstag, der 1. November 2012

Menschenwürde

Ein ganz schweres Thema, so auch ein schwieriger Artikel.

Je älter ich werde, desto wichtiger wird mir die Menschenwürde. Die nach meiner Meinung unbedingt zu schützen ist. Und da reicht mir die mir bekannte Definition nicht aus:

Ein Mensch darf nie ausschließlich auf das Mittel zum Zweck reduziert werden!

Eine bessere weiß ich leider nicht.

Ich glaube, dass Menschenwürde zwar eine einzigartige Gemeinsamkeit hat, diese aber sehr wohl kulturell und vom Lebensalter her differenziert werden könnte. Jetzt habe ich von den großen Kulturen dieser Welt wenig Ahnung. So möchte ich also ungern anderen Kulturkreisen ihr Verständnis von Menschenwürde vorschreiben.

🙂 Mit diversen Lebensaltern dagegen habe ich schon Erfahrung gesammelt. Glücklicherweise nicht mit allen – das Greisenalter fehlt mir noch.

Aber ich glaube wohl, dass Säuglinge, Kleinkinder, Kinder, Heranwachsende, Erwachsene in der ersten und zweiten Hälfte ihres Lebens, Senioren und Greise unterschiedliche Bedürfnisse haben. Und dass die Würde eines Menschen auch ein wenig mit Bedürfnisgerechtigkeit zusammenhängt.

Also meine ich, dass die Wahrung der Würde abhängig von Lebenszeit und -situation ist. Und versuche laienhaft zu beschreiben, wie ich mir das vorstellen könnte. Nur als Anregung zum Nachdenken, wohl wissend, dass dies alles keine Wahrheit sein kann:

Säuglinge brauchen Urvertrauen.
Sie brauchen die feste und verlässliche Beziehung zu (mindestens) einer Beziehungsperson – der Mutter. Dazu dürfte viel Körperkontakt und menschliche Liebe gehören. Die Würde des Säuglings dürfte wesentlich von der Mutter garantiert werden.

Kinder brauchen Geborgenheit und Liebe.
Sie müssen vor psychischer und physischer Gewalt geschützt werden. Sie brauchen die richtigen Impulse in großer Vielfalt. Die gibt es zahlreich in Natur- genauso wie in Kulturwelt (Zivilisation). Umweltelemente, die reduzieren, schädigen die Würde des Kindes. Das Kind muss eine Chance haben, Werte zu sozialisieren und zu leben. Kinderwürde wird viel zu oft in Familien genauso wie in Institutionen verletzt.

Der jugendliche Mensch hat andere Bedürfnisse.
Die Weisheit des Kindes schwindet. Sie wird ersetzt durch Aufbegehren wie auch unreflektiertes Tuen. Trotzdem hat der Mensch gerade in dieser Lebensphase ein Recht, ernst genommen zu werden. Er braucht die Chance, sich reiben zu können. Er muss möglichst verzerrungsfrei gespiegelt werden. Zur Menschenwürde eines Heranwachsenden gehört es auch, dessen Autonomie zu fördern.

Erwachsene brauchen Respekt.
Sie dürfen tatsächlich nicht als Mittel zum Zweck betrachtet werden. Menschen wie Institutionen sollten sich nicht über sie stellen. Ihre persönliche Würde lebt auch in ihrer Arbeit und ihrer Partnerschaft – wohl die sozialen Welten (Systeme), die das Leben der meisten von uns bestimmen.

Senioren brauchen Nachsicht.
Das Alter mag Gutes und Schlechtes bringen. Die Weisheit sollte genutzt, des Alters Starrsinn ignoriert oder soweit möglich toleriert werden. Auch die Nachsicht erbringt hier Würde.

Greise dürfen nicht entmündigt werden.
Der Kreis schließt sich, die Hilflosigkeit des Säuglings kommt wieder zurück. Vielleicht brauchen sie ein Begleitung in Würde bis zum Tod. Ihre Menschenwürde ist es, ihr Leben immer noch ein wenig selbst bestimmen zu dürfen.

Alle brauchen Liebe. Vielleicht auch die Toten?

RMD

P.S.
Das war mein Beitrag zu Allerheiligen – sozusagen an Stelle eines Grabbesuchs. Weil ich diesen Allerheiligen-Kult nicht mag. Und jetzt habe ich meine Pflicht getan und radele zum Backshop (der echte Bäcker hat heute geschlossen), für ein leckeres Weißwurstfrühstück mit unserem Gast aus Riga. Und werde dann den freien Herbsttag so richtig genießen.

P.S.1
Wenn ich auf Reisen bin, fotografiere ich gerne Gräber. Habe diesen Artikel aber ganz bewusst „bildffrei“ gehalten.

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