Roland Dürre
Freitag, der 28. Dezember 2012

Mir aus dem Herzen gesprochen!

Immer wieder lese ich schlaue Bücher. Davon gibt es so viele und immer wieder Neue. Und oft lege ich sie nach ein paar Seiten oder Kapiteln weg. Obwohl sie eigentlich sehr interessant klingen. Weil mir da alles wieder irgendwie so bekannt vorkommt.

Wenn ich auf Tagungen gehe, Kongresse besuche oder auf konservativen Lehrveranstaltungen frontal Wissen vermittelt bekomme, dann stellt sich bei mir oft so ein flaues Gefühl ein. Ich leide unter der „Einbahn-Straße“.

Werden mir dann gar noch Begriffe wie Erfolg, Ethik, Führung, Moral, Planung, Strategie, Unternehmenskultur, Werte, Ziele und Zielvereinbarungen, Zukunft … mit großer Selbstsicherheit nur so um die Ohren gehauen, dann wundere ich mich oft, was da so alles gewusst oder auch nur behauptet wird. Und es grummelt in meinem Bauch. Obwohl ich ja auch gerne über solche Themen rede. Aber mit innerster Überzeugung weiß, dass ich es auch nicht weiß und mit meinen Thesen eigentlich nur zum Nachdenken anregen will. Sozusagen die Absicht verfolge, fremde und auch meine eigenen Gewissheiten in Frage zu stellen.

Ab und zu treffe ich Menschen, die wollen jeden „profilen“ und alles, ob lebendig oder tot, in „Balanced Scorecards“ rein stecken. Auch das „Human Capital“ eines Unternehmens oder einer Gemeinschaft können sie so ermitteln. Dann graut es mir.

Und wenn ich in einer Runde sitze, die Großes bewirken will, eine Herausforderung unheimlich modern und strategisch angeht, große Ziele formuliert, von Luftschloss zu Luftschloss tanzt und am Schluss dann mal wieder der „Berg zwar kreisst und doch wieder nur ein Mäuschen gebiert“, dann fühle ich mich ganz schlecht. Und denke mir, dass ich die Zeit wirklich besser anderswo hätte verbringen können.

Und eines Abends diskutiere ich ein Thema aus der Welt der „Economics“ per E-Mail mit einer sehr lieben Freundin. Uns sie antwortet mir:

… letztlich würde mir für uns auch der Link zu Craftsmanship, Handwerk, Making, Experimenting, Piloting (wo ich meine Interessen sehe) fehlen, denn letztlich ist Economics halt immer ein Gedankenspiel auf Basis von Hypothesen und nicht ein kreativer Ansatz zur Gestaltung der Welt …

Da geht es mir plötzlich sehr gut. Das ist genau, was ich auch will! Es gibt also doch noch Menschen, die nicht nur ich sehr schätze, die das, was ich denke trefflich und ganz spontan auf den Punkt bringen können. Und bedanke mich bei meiner Freundin, die ich jetzt bewusst anonym lasse.

Und freue ich mich wieder auf das nächste Barcamp – wie zum Beispiel unser PM Camp – weil man dort wirklich ehrlich seine Probleme und Ideen bespricht, Erfahrungen ohne Hintergedanken austauscht, Wissen ganz einfach auf einem Marktplatz teilt und Erkenntnisgewinn aus der Praxis für die Praxis sammelt.

RMD

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