Roland Dürre
Sonntag, der 20. Oktober 2013

Moral als Lehre oder die Leere der Moral

Zur Vorbereitung meiner nächsten Vorträge beschäftige ich mich zurzeit immer wieder mit Moral, theoretisch wie praktisch.

Interessante Arten der Gattung Moral sind für mich die Verkehrs-Moral oder auch die Sexual-Moral. Oder andere, zurzeit sehr hoch im Kurs stehende moderne Varianten von Moral wie die Steuer-Moral oder die Moral des Compliance-getreuen Verhaltens.

Heute betrachte ich die Verkehrs-Moral. Für den Straßenverkehr wurden viele Gesetze erlassen. Die einzuhalten würde sogar  Sinn machen. Hat doch erst vor kurzem eine Untersuchung gezeigt, dass Menschen locker mal 40 % weniger Unfälle haben, wenn sie die Verkehrsregeln einhalten. Der Versuchskreis hat das aber nur gemacht, weil er von seiner Versicherung einen kleinen Tracker bekommen hat, der alle Fahrtdaten komplett aufzeichnet. Und dafür einen wesentlichen Rabatt bei der Versicherung anbietet.

40 % weniger Unfälle! Das würde einfach mal in Deutschland 2.000 Verkehrstote weniger im Jahre bedeuten! Und entsprechend noch mehr weniger Verletzte. Hier würde eine starke Moral soviel Tod und Leid verhindern. Endlich mal hätten wir ein sehr sinnvolles „Man macht das nicht!“. Bei den meisten anderen Gesetzen kann man doch oft so einen richtig wertvollen Nutzen nicht entdecken.

Nur interessiert das niemanden. Auf unseren Straßen findet der „permanente Rechtsbruch“ statt. Unaufhörlich und andauernd, im Sekundentakt. Das kann daran liegen, dass sich eine Art Overlay-Moral über die „normale“ Verkehrsmoral gelegt hat. Die suggeriert uns, dass die Verkehrsregeln nur für „die anderen“ aber nicht für uns selber gelten, denn wir wähnen uns ja auf einzig artige und ganz besonderer Art und Weise unverletzlich.

Dieser „Overlay-Moral“ lässt die heimliche Geschwindigkeit als unmoralisch erscheinen. Denn die ist „heimtückisch“ oder unfair. Nicht mehr das zu schnell fahren gefährlich.

So hat man vor kurzem einen bundesweiter „Radar-Marathon“ durchgeführt, mit dem das Einhalten der Regeln intensiver als normal überprüft werden sollte. Aber: Paradoxer Weise wurden Ort und Zeit der konkreten Radarkontrollen gleichzeitig auf allen möglichen Kommunikations-Kanälen angekündigt. Sogar der von Zwangsabgaben finanzierte öffentliche Rundfunk hat da gerne mitgemacht.

Das ist doch so, wie wenn die Polizei ihre Kontrollen für was und wen auch immer vorher öffentlich bekannt machen würde. Und das darf doch eigentlich nicht wahr sein.

So muss man richtig Pech haben, um als Temposünder erwischt zu werden. Oder zu den dümmsten gehören. Aber die Verhältnisse im Strassenverkehr ändern sich nicht.

Soweit meine Gedanken zur Absurdität unserer Verkehrsmoral.

RMD

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