BrotAm letzten Freitag (11. September) war in der Süddeutschen im Wirtschaftsteil auf Seite 20 ein Artikel mit der Überschrift:

Die Deutschen werfen viel Brot weg.

Der Untertitel war:
Die Bundesbürger konsumieren ein Drittel weniger, als die Statistiken ausweisen.

Darin stand, dass Nahrungsmittel in vielen Ländern Europas keinen Wert mehr hätten. Brot wird nur noch frisch gegessen, der Anschnitt oft gleich mal gewohnheitsmäßig vernichtet.

Ein Fünftel der gekauften Nahrungsmittel (nicht nur Brot, auch Käse, Fisch, Fleisch und der ganze Rest) landet, oftmals in der ungeöffneten Verpackung, im Müll. Auch im Handel ist der Verwurf groß. Es muss ausreichend frische Ware in den Regalen verfügbar sein, natürlich bleibt dann einiges über und muss vernichtet werden.

Die enorme Verschwendung von Nahrungsmitteln fällt auch außerhalb Deutschlands auf. Was habe ich gerade in Griechenland köstliches Essen zurück gehen gesehen! Die Tabletts werden randvoll an die Tische geschleppt und gehen immer noch ziemlich voll zurück. Es scheint mir ein pan-europäisches und a.-e. (american-european) Übel zu sein.

In Altersheimen und Gaststätten sind die Portionen konfektioniert und deshalb einheitlich groß (und meistens zu groß). Die Esser sind aber nicht genormt. Und so bleibt viel übrig und geht in den Müll.

Oft sehne ich mich nach der Zeit, in der Suppe, Gemüse, Fleisch und Beilagen auf großen Teller an die Tische kamen und jeder sich soviel nehmen durfte, wie er mochte. Aber das ist in er neuen Welt zu teuer, die konfektionierte, oft in Plastik eingeschweißte Packung aus der zentralen Großküche ist kostengünstiger. Und da die Kosten die Welt regieren, wird halt konfektioniert und dann das meiste weg geschmissen.

Ein anderes Problem sind die unbedachten Einkäufe. Ich habe unseren Kindern immer versucht beizubringen, dass die Augen oft größer als der Magen sind und man sich lieber ein bisschen weniger nehmen sollte. Aber was hilft’s, wenn die Erwachsenen diese Regel nicht beherzigen.

So wird in unserer Lust- und Verführungsgesellschaft immer auf Teufel komm raus eingekauft, so als ob eine Hungersnot drohen würde. Nur hat man in der selben Stress-Gesellschaft die Zeit zum Essen gar nicht, und dann wandert wie beschrieben die Packung beim Ablauf des Verfallsdatums ungeöffnet in den Müll.

Wenn man jetzt noch daran denkt, dass in den Ländern der Verschwendung auch noch die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung massives Übergewicht hat, dann komme ich doppelt ins Nachdenken.

Und ich denke mir, dass wir mit dem Umdenken als erstes beim Umgang mit unseren Nahrungsmitteln anfangen sollten. Das fängt bei der Essens- und Einkaufsgewohnheiten an. Aber auch über Herstellung und Logistik muss man reden, man bedenke nur die überdimensionierten Verpackungen. Und da muss jeder einzelne etwas tun, auch wenn es mühsam ist. Nur durch die Veränderung seines Kauf- und Essverhaltens und Erhöhung der individuellen Achtsamkeit wird man die Dinge ändern können.

Gerade in Zeiten, in denen in den Wahlkämpfen das Wort Wachstum so schrecklich oft fällt, vermisse ich dieses und weitere nach meiner Meinung wirklich wichtigen und wertigen Themen.

RMD

P.S.
Das Bild zeigt köstliches, noch richtig selbst gebackenes Brot in einer kleinen Dorf-Bäckerei in Rumänien. Ich habe es auf meiner Radtour die Donau entlang von Budapest ans Schwarze Meer in diesem Sommer aufgenommen.

1 Kommentar zu “„Muss das eigentlich wirklich sein?“ oder „Wir fressen uns zu Tode!“”

  1. uberVU - social comments (Dienstag, der 24. November 2009)

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    This post was mentioned on Twitter by RolandDuerre: Irgendwie verstehe ich nicht, warum wir soviel Nahrungsmittel vernichten und unsere Strukturen das fast erzwingen http://bit.ly/Lkog9 #Brot…

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