Roland Dürre
Mittwoch, der 30. September 2015

#Musterbrechen II – Kommunikation

Anlässlich des PM-Camp in Dornbirn am 20./21 November gibt es eine Blog-Parade zum #Musterbrechen. Hier dazu mein zweiter Beitrag:

Fernschreiber (Siemens T100) - eingeführt im Jahre 1958 - moderner Nachfolger des T50

Fernschreiber (Siemens T100) – eingeführt im Jahre 1958. Der moderne Nachfolger des T50.

Bisher habe ich mich als #Entkruster gefühlt. Vielleicht bin ich auch ein #Musterbrecher. Immerhin fahre ich nicht mehr Auto sondern nur noch Fahrrad. Und gerade im Winter ist das für viele meiner Gesprächspartner unvorstellbar. Und wenn die Kleiderbügel ausgehen, dann kaufe ich keine neuen sondern sortiere Kleider aus. Und vieles mehr in dieser Art.

Aber vielleicht breche ich da gar keine Muster sondern liege ganz schnöde im Trend. Wie beim Telefonieren. Denn das „Leute anrufen“ habe ich mittlerweile komplett eingeschränkt. Weil ich es unhöflich finde, andere Menschen durch einen Anruf zu belästigen. Und natürlich auch, weil ich nicht dauernd durch Anrufe gestört werden will.

Zu meiner „Telefongeschichte“:
Ich war früher ein echter „Viel-Telefonierer“. Am Anfang meiner Zeit bei der InterFace Connection war ich viel bei Kunden. So war Mittags immer eine Stunde telefonieren mit der Firma angesagt. Und da ich das Kunden-Telefon nie für eigene Zwecke nutzte ging es dann immer runter zu den Münz-Telefonen.

Damals habe ich auch das C-Netz entdeckt. Das war aber teuer, erforderte eine aufwändige Installation und das Netz war so eingeschränkt verfügbar wie die Qualität schlecht war. Außerdem wollte ich mich beim Telefonieren immer auf den Menschen auf der anderen Seite der Leitung konzentrieren. Deshalb habe ich auf ein Auto-Telefon verzichtet; telefonieren im Auto war für mich so auch später nur die absolute „Ultima ratio“.

Zu den Zeiten der Münztelefone war ich so immer mit einem Säckchen von Münzen unterwegs. Später hatte ich immer eine Anzahl Telefonkarten im Geldbeutel. Und wie das D-Netz kam natürlich auch sofort ein „Handy“. Und meine Gebühren waren hoch.

Es fällt mir wirklich immer schwerer, Situationen zu konstruieren, wo ich telefonieren muss. Wenn ich zum Beispiel im Zug am Hauptbahnhof verabredet bin und schon einen schönen Sitzplatz für mich und meinen Reisegefährten im Zug gefunden habe. Dann rufe ich diesen an. Aber auch nur dann, wenn dieser kein Whats up, BBM oder sonstige Messenger nutzt. Wahrscheinlich bleibt am Ende nur der Notruf, den man braucht. Wenn der Mörder kommt …

Deshalb wird bei mir nicht mehr telefoniert. Denn wenn ich mit einem Menschen etwas wichtiges austauschen will, dann will ich das in Ruhe machen. Mich auch noch mal fünf Minuten vorher auf das Gespräch vorbereiten können. Ich möchte dabei sein Gesicht sehen. Wenn es sogar über Kontinente so einfach möglich ist, warum soll ich dann darauf verzichten?

Also mache ich einen Termin mit meinem Gesprächspartner aus. Möglichst zeitnah und am Besten mit social media. Notfalls mit einem E-Mail-Dialog. Dann trage ich in meinem Kalender „Videokonferenz“ ein und alles geht – zumindest bei einem Hangout – automatisch. Falls der Gesprächspartner Google nicht mag, dann nehme ich halt Skype (Microsoft) oder FaceTime (Apple). Wenn mein Partner Microsoft und Apple auch nicht mag (kann ich ja alles nachvollziehen), dann gibt es noch genug Alternativen.

Das Gespräch ist dann auch viel angenehmer. Ich sitze gemütlich auf dem Sofa, mein Chromebook liegt auf dem Schoss und mein Gesprächspartner strahlt mich freundlich auf dem Bildschirm an. Ich brauche keinen Kopfhörer (und muss auch kein Telefon an mein Ohr pressen), kann neben her in „shared documents“ gemeinsam formulieren (vielleicht für Ergebnisnotizen – auch Protokoll genannt), gemeinsam Tabellen anschauen und bearbeiten, ein Bild raus suchen und zeigen und vieles mehr.

🙂 Nein – Fernschreiber, Faxgeräte, Telefone – so etwas benutzt man doch nicht mehr.

Hat doch auch etwas mit „Musterbrechen“ zu tun?

RMD

P.S.
Das Bild zeigt einen Fernschreiber des Herstellers Siemens. Es ist ein Modell T100 als Tischmodell. Meines Wissens gab es dann noch den T1000 – dann war Schluss.

Dieser mechanische Fernschreiber war modular aufgebaut, er war also erweiterbar. Links angebaut ein Streifenlocher zur Erzeugung eines Lochstreifens, darunter der transparente Auffangbehälter für die ausgestanzten „Löcher“. Rechts der optionale Lochstreifenleser, mit dem vorgefertigte Nachrichten mit maximaler Geschwindigkeit gesendet werden. Am Grundgerät selbst ist über dem Betriebsstundenzähler ein roter Hinweis über eine Umrüstung auf 75 Baud zu erkennen.

Nach einer bestimmten Laufzeit wurden die von der Deutschen Bundespost gemieteten Fernschreiber im FZZA Elmshorn komplett zerlegt und neu aufgebaut. Die Leertaste hat links und rechts die Umschaltung zwischen Buchstaben und Ziffern, notwendig durch den Baudot-Code mit nur fünf Bit (CCITT5). Papier ist eine Endlosrolle, durch die verrutschte graue Zwischenlage vermutlich ein Durchschlagpapier mit einer Kopie.

Quelle Wikipedia – das Bild steht unter GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Version 1.2 oder einer späteren Version, veröffentlicht von der Free Software Foundation,

2 Kommentare zu “#Musterbrechen II – Kommunikation”

  1. Hans Bonfigt (Donnerstag, der 1. Oktober 2015)

    Guten Morgen Roland!

    Da möchte ich aber etwas zur Ehrenrettung des Fernschreibers sagen:
    1: Er ist der direkte Vorläufer der E-Mail,
    2: und damit moderner als der Informationsverstümmler „Telefax“.
    3: Bestechend ist seine erstklassige Effizienz:
    Sehen Sie sich asoziale Netzbeschmutzer wie den gemeinen Outlook-User an:
    – vielleicht 200 Byte Informationsinhalt
    – dafür aber 5 MB Vollzitat unbrauchbar hintendrangehängt
    – mit Signaturen, HTML – Inhalt und Bildchen,
    – garniert mit externen Links, anhand derer das Rezipientenverhalten ausspioniert werden soll
    Das schlimmste dabei ist, daß ich durch ein maßlos übertriebenes Gesetz gezwungen bin, diesen Dreck auch noch zu archivieren.
    Was glauben Sie, was DAS kostet?

    Das Beste, was Deutschland passieren könnte, wäre der „Breitband-Rückbau“!

    Videotelephonie mag ich wegen der Perspektive und der mangelhaften Standardisierung nicht.
    „Skype“ und die ganzen anderen amerikanischen Dienste als Demokrat zu nutzen – das ist sportlich!

    Mails brauchen viel, viel Zeit. Rede, Gegenrede und Konsens sind am Telephon schneller herbeigeführt.

    Was die Kurzmitteilungen angeht, so haben wir Mitarbeiter, die von morgens früh bis abends spät auf ihrem Eifon herumpickern, welches regelmäßig irgendwelche Geräusche von sich gibt. Es wird verwittert, getwattert, geflixt und gefloxt. Dazu noch Scheissbook.
    Zwei Dinge kommen dabei unter die Räder:
    – die Konzentration auf das Wesentliche und
    – die persönliche, in sich ruhende Gelassenheit.

    Laßt mir mein Telephon und vor allem das persönliche Gespräch!

  2. rd (Donnerstag, der 1. Oktober 2015)

    Lieber Hans, mich direkt und persönlich stören die Menschen, die mich wegen jeden Mist anrufen. Besonders die, die mir dann auch noch einen Mist verkaufen wollen. Und da weiß ich, dass Sie zu diesen Nervensägen nicht gehören!

Kommentar verfassen

*