In dieser Artikelserie beantworte ich die von Studenten gestellten Online-Fragen, die ich in meinem Vortrag

Lehren für Unternehmensführer – das Leben, das Wissen, die Informatik und die Ethik

im Rahmen der Vorlesungsreihe

„Innovative Unternehmer“ / Sommersemester 2010
Führung von wachstumsorientierten Unternehmen

nicht ausführlich behandeln konnte.

Thema: Studium und Weiterbildung

Frage:
In wieweit hat das Studium an der TU-München dazu beigetragen, dass Sie sich jetzt in solch einer Position eines Unternehmens befinden?

Antwort:
Ohne ein TU-Diplom hätte ich kaum den Job gefunden, in dem ich gleich bei renommierten Projekten mitmischen konnte. Ohne diesen Job kein Netzwerk, ohne Netzwerk keine Gründung und so auch kein „eigenes“ Unternehmen. Insofern hat mein Studium an der TU München mir eher indirekt genutzt. Die nach meiner Meinung sehr notwendigen Kenntnisse von Buchführung und einfacher Betriebswirtschaft habe ich schon auf dem Gymnasium (Wirtschaftwissenschaftliches Gymi Jacob Fugger, Augsburg) gelernt. Das war ausreichend fürs Zahlenverständnis und für die kaufmännische Kontrolle.

Frage:
Mich würde interessieren, ob Sie das Studium der Mathematik und Informatik an der TUM als vorteilhaft bezeichnen gegenüber anderen Universitäten. Hat ein Student der TU München mehr Chancen bei der Gründung eines Unternehmens gegenüber anderen?

Antwort:
Studium an der TUM:
Ich habe den Eindruck, dass Bewerber von der TUM in der Regel besser qualifiziert sind als die von anderen Unis. Da gibt es natürlich auch Ausnahmen.
Chancen:
Ich schätze die Möglichkeiten, die unternehmerTUM den Studenten an der TUM bietet, sehr. Besonders gut finde ich die Team-Projekte, diverse Ausbildungen wie zu Projekt Management und das Mentorenprogramm. So verbessert die TUM die Voraussetzungen nicht nur für eine erfolgreiche Unternehmensgründung.

Frage:
Die Informatik hat sich seit ihrem Studium sehr schnell in alle möglichen Richtungen weiterentwickelt. Was haben Sie bzw. was tun Sie heute, um immer aktuell Schritt halten zu können. Haben Sie spezielle Weiterbildungsprogramme im Unternehmen?

Antwort:
Weiterbildung ist sehr wichtig. Das gilt aus zwei Gründen. Zum einen verändert sich die eingesetzte Technologie immer schneller. Und der Wert von Zertifikaten ist gestiegen. So ist es gerade in Behördenprojekten zwingend, die vorhandene Qualifikation eines Unternehmens nachzuweisen, in dem die Zertifizierung der Mitarbeiter dokumentiert wird. Interessant ist auch, dass gerade „hochwertige Skills“ besonders stark durch Zertifizierungen „untermauert“ werden müssen.

Frage:
Inwiefern haben Sie sich bereits während des Studiums Fähigkeiten und Kompetenzen angeeignet, um heute an dem Punkt angelangt zu sein, an dem Sie jetzt sind? War es schon immer ein Traum von Ihnen ein eigenes Unternehmen zu gründen, oder sind Sie eher durch „Zufall“ dazu gekommen?

Antwort:
Fähigkeiten und Kompetenzen:
Ich glaube, dass es für mich ein großer Vorteil war, dass ich immer neben Schule oder Universität gearbeitet habe. Das fing an mit der bezahlten Reinigung unseres Gymnasiums in den Sommerferien. Dann ging es weiter mit sehr viel Nachhilfeunterricht in der Oberstufe und intensiven Ferienjobs unter anderem bei einer Spedition aber auch eine Zeit im Nachtdienst an einer Tankstelle. Bei all diesen Jobs habe ich wahnsinnig viel gelernt. Bei der Bundeswehr (trotz heftigem Widerstreben und vieler Versuche dem Dienst zu entgehen) wurde ich als Wehrpflichtiger (W18) gegen meine Absicht (es gab 1970 nicht so viele Abiturienten) zum Ausbilder. Dort war ich für fünf sehr unterschiedliche Gruppen immer drei Monate verantwortlich und habe unglaubliches erlebt.
Und an der Uni war es für mich klar: Sobald es irgendwie möglich war, wollte ich einen Tutor-Job haben. Das ist mir schnell in der Mathematik (Basisfächer) und Informatik (Programmierspachen-Praktikumg) gelungen und hatte den Vorteil, dass ich gut verdiente und den Stoff dann noch mal eine Klasse besser gelernt habe. Und auch wieder durchaus Führungsqualitäten entwickeln musste.
In der Schule war ich nicht nur ein guter Rechner, sondern habe oft den „Klassenkaspar“ gemacht und gerne Referate gehalten (ist bis heute geblieben). Glaube, dass das auch eine gute Voraussetzung war. Studien von RISE (St. Gallen) zeigen, dass Unternehmer und Top Manager die meiste Zeit am Tag mit Reden verbringen und sie dabei vor allem ihre „Story“ erzählen und untermauern :-).

Traum vom eigenen Unternehmen:
Diesen Traum hatte ich nie. Mein Traum war eher, eben nicht in einem System leben zu müssen, in dem ich in einer Hierarchie eingebunden war, die vielleicht unsinnige Sachen entscheidet, die ich dann befolgen muss oder denen ich zum Opfer falle. Und die Karriere eines Freiberuflers erschien mir langfristig zu unsicher. Deswegen wollte ich mein eigenes System bauen. Vielleicht hatte ich auch nur die Idee, dass es im Leben eigentlich immer besser ist, wenn man „am Steuer“ und nicht „auf der Rückbank“ sitzt.

Frage:
Würden Sie rückblickend diesen Schritt wieder wagen, oder würden Sie aufgrund des hohen Risikos und des Arbeitsaufwands eine gewöhnliche Stelle als Mitarbeiter in einem IT-Unternehmen bevorzugen?

Antwort:
Ich habe den Arbeitsaufwand fürs Unternehmen nie so hoch empfunden. Bei meinen Festanstellung bei Siemens und Softlab habe ich sehr intensiv gearbeitet. Als Selbstständiger konnte ich mir die Zeit besser einteilen. Heute ist es für mich schwer, zwischen Arbeit und Freizeit zu unterscheiden. Beides muss Spaß machen. Nur das soziale Leben darf nicht zu kurz kommen. Das ist aber immer Teil der Arbeit wie der Freizeit. Oder: Eine Arbeit ohne soziales Leben stelle ich mir grauenhaft vor. Vor allem bin ich froh, dass ich immer genug Zeit für Familie und meine Kinder hatte.
Ich sehr glücklich mit meiner Entscheidung. Gerade die Entwicklung, die ich bei vielen Siemens-Kollegen beobachten musste (einige davon sind schon mit 53 Jahren in den Vorruhestand gegangen!), bestätigt meine in einer Art und Weise, wie ich selbst es nie für möglich gehalten hätte.

Frage:
Wie sah die Informatik an der TUM Ende der 60er im Vergleich zu heute aus? Können Sie das oberflächlich/tiefergehend vergleichen?

Anwort:
An der TUM und den Universitäten war die Informatik einfacher. Ich bin nicht sicher, wo es wirklich so viele „Informatiken“ gibt wie Lehrstühle: Angewandt, theoretisch, technisch … und auch Medieninformatik braucht. Aber vielleicht bin ich da der Falsche um das zu beurteilen.
Was natürlich auffällt, sind die Möglichkeiten, praktisch zu arbeiten, an der Uni und außerhalb der Uni. Die Rechenzeit in 1969 war schon ein extrem rares Gut.
Es ist heute auch viel einfacher, sich schon vor dem Studien mit Informatik beschäftigen. Ich kenne eine ganze Reihe von jungen Menschen, die schon zu Schulzeiten exzellent programmiert oder auch ziemlich große Software-Projekte alleine oder mit Freunden mustergültig realisiert haben. Oder die in ganz jungen Jahren schon an OpenSource-Projekten mitarbeiten.
Und das wichtigste: Der Zugriff auf Literatur und Wissen. Zu meiner Zeit gab es praktisch keine IT-Literatur. Wir waren froh, wenn wir die Hefte von ACM oder IEEE bekommen konnten. Das erste Buch zu Unix war eine Sensation, noch überraschender die erste deutsche Ausgabe (die übrigens eine Freund von mir, Dr. Hans-Peter Huber übersetzt hat). Plötzlich gab es gedruckte Bücher zum Programmieren!
Und nicht zu vergessen: Der Zugang zu Programmen im Rahmen von OpenSource! Ich weiß noch, wie wichtig es in den 80iger Jahren für mich war, die Sourcen von Unix einsehen zu können. Das war eine Sensation und eine große Besonderheit, und sehr wichtig für die Arbeit und eine Weiterentwicklung als Informatiker. Und das und viel mehr ist heute jedem Studenten wie auch jedem Menschen zugänglich …

Weiter geht es im nächsten Post dann mit Fragen und Antworten zu Kapital.

RMD

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