Roland Dürre
Dienstag, der 10. August 2010

Nachlese zu meinem Vortrag – Fragen&Antworten #11 Kapital

In dieser Artikelserie beantworte ich die von Studenten gestellten Online-Fragen, die ich in meinem Vortrag

Lehren für Unternehmensführer – das Leben, das Wissen, die Informatik und die Ethik

im Rahmen der Vorlesungsreihe

„Innovative Unternehmer“ / Sommersemester 2010
Führung von wachstumsorientierten Unternehmen

nicht ausführlich behandeln konnte.

Thema: Kapital

Frage:
Ihre Unternehmensgründung liegt 26 Jahre zurück. Denken Sie, dass es heute, aufgrund vieler Venture Capitalists und Business Angels, leichter ist ein Unternehmen zu gründen als damals?

Antwort:
Heute wie vor 26 Jahren sehe ich mehr glückliche Unternehmer, die ohne Venture Capital und ohne Business Angels gegründet haben als mit.

Venture Capital:
Nein – von Venture Capital (VC) gleich zum Start halte ich nichts. Was ist die Folge? Man ist sehr schnell nur noch Angestellter im selbst gegründeten Unternehmen. Die vertraglich vereinbarte Unterstützung ähnelt eher einer Zwangsberatung und hat eigentlich nur einen Zweck, nämlich einen Teil des investierten Geldes gleich wieder zurück in die Hände der Kapitalgeber und derer Gehilfen zu holen.

VC kann in Ausnahmefällen sinnvoll sein, wenn z.B. ein junges Unternehmen einen großen Starterfolg mit einem Produkt (z.B. einem Browserspiel) hat und seinen Erfolg am Markt absichern muss, ihm aber die eigenen Mittel fehlen. Auch dann ist aber Vorsicht angebracht. Faires VC ist selten, ein Privatinvestor in der Regel vorzuziehen. Mit Venture Capital aber neue Entwicklungen auf der grünen Wiese finanzieren zu wollen, das geht aber in der Regel schief. Die Verlustquote dürfte da eher deutlich über als unter 90 % liegen. Anderseits, für den Kapitalisten lohnt es sich, wenn nur jedes hundertste Projekt abhebt und die Verluste beim Rest mehr als ausgleicht. Das bedeutet aber, dass 99 solche Unternehmen auf der Strecke bleiben oder nach längerem Darben übernommen werden.

Wenn die Business Angels erfahrene Manager und Unternehmer sind, die junge Menschen „spiegeln“ und coachen, finde ich das sehr hilfreich und nützlich. Diese Menschen werden sich aber in der Regel nicht als „Business Angel“ bezeichnen. Wenn der Titel „Business-Angel“ schon auf der Visitenkarte steht, ist in der Regel Vorsicht geboten. Meistens sind das keine Unternehmer oder Manager, die ihre gesammelte Erfahrungen weiter geben, sondern redegewandte Wichtigtuer, vorzugsweise aus dem Finanz-Milieu.

Ich bin froh, dass wir bei InterFace Geld weder von Banken noch von VC’s brauchten (für einen guten Dienstleister übrigens eine typische Situation) und ich immer erfahrene Coaches hatte.

Frage:
Waren sie bei der Gründung auf Venture Capital angewiesen, oder hatten Sie während Ihrer Zeit bei Siemens und Softlab die Möglichkeit, etwas Geld zur Seite zu legen?

Antwort:
Bei der Gründung von InterFace hatte ich einen aktiven Partner – meinen Freund Wolf Geldmacher und zwei stille Partner (Peter Schnupp, Erfinder des InterFace-Gedanken und Claus M. Müller, Geschäftsführer der InterFace Computer GmbH). Diese beiden damals sehr bekannten Namen in der IT-Szene waren wegen ihrer Verbindungen, Reputation und Erfahrung meine Wunschkandidaten, die Beteiligung eher der Preis für ihre Unterstützung.

Für die Gründung benötigte ich 30.000,- DM. Das war möglich, weil meine Frau und ich beide gearbeitet hatten und trotz Kauf eines kleinen Reihenhauses das Geld über die Jahre gespart hatten.

Weiter geht es im nächsten Post dann mit Fragen und Antworten zu Geschichte und Wandel.

RMD

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