Roland Dürre
Montag, der 2. August 2010

Nachlese zu meinem Vortrag – Fragen&Antworten #6 InterFace AG

In dieser Artikelserie beantworte ich die von Studenten gestellten Online-Fragen, die ich in meinem Vortrag

Lehren für Unternehmensführer – das Leben, das Wissen, die Informatik und die Ethik

im Rahmen der Vorlesungsreihe

„Innovative Unternehmer“ / Sommersemester 2010
Führung von wachstumsorientierten Unternehmen

nicht ausführlich behandeln konnte.

Thema: InterFace AG

Frage:
Wie viele Mitarbeiter besitzt die Interface AG inzwischen?

Antwort:
Unseren Umsatz erwirtschaften wir mit knapp 100 Menschen. Das Verhältnis von Mitarbeitern zu Freiberuflern ist in etwa zwei zu eins. Auch aus Gründen der kaufmännischen Achtsamkeit haben wir in den letzten Jahren ein wenig stärker bei den Freiberuflern als bei den Festangestellten zugelegt. Wir wollen unser Geschäft aber weiter in erster Priorität mit unbefristet fest angestellten Mitarbeitern realisieren.

Frage:
Wie hat sich das langsam, aber stetig gewachsene Unternehmen seit seiner Gründung in Bezug auf die Arbeitsatmosphäre verändert?

Antwort:
Ich glaube nicht, dass wir uns in Werten und Kultur verändert haben. Vielleicht haben wir früher mehr intuitiv gehandelt. Heute ist uns die Wichtigkeit einer Sinngebung für unsere Arbeit auch intellektuell stärker bewusst.
Allerdings hat sich unser Geschäftsmodell stark geändert. So sind wir schwerpunktmäßig als ein „Software-Labor“ gestartet. Heute sind wir IT-Berater. Zwischen der Arbeit in einem Labor (im stillen Kämmerchen) und als Berater (überwiegend im Kundenumfeld) gibt es große Unterschiede (Arbeitszeiten, Kleidung, geforderte soziale und auch vertriebliche Kompetenz …).
Die „Arbeitsatmosphäre“ hängt natürlich sehr stark vom konkreten Einsatz ab. Gehe aber davon aus, dass unsere Berater alles tun, um auch beim Kundeneinsatz eine positive Arbeitsatmosphäre zu fördern 🙂 .

Frage:
Wo liegt der Fokus Ihrer Firma bei der Entwicklung von IT Lösungen und in welchem Maße können kleine, mittlere und große Unternehmen von Ihrem Optimierungs-Service profitieren?

Antwort:
Im Geschäftsfeld IT-Applikationen entwickeln wir anspruchsvolle Web-Anwendungen inklusive Design, Multimedia, Localization, passende Apps … Wenn gewünscht übernehmen wir auch den Betrieb. Wir versuchen so, unserem Kunden alle Probleme abzunehmen und ihm die Lösung komplett aus einer Hand zu liefern.
Der Schwerpunkt liegt bei uns allgemein auf der IT-Kompetenz, im Geschäftsfeld Applikationsentwicklung stehen aktuell JAVA und J2EE im Zentrum. Wir scheuen dort aber auch vor „älteren“ Technologien (c++) oder Script-Sprachen nicht zurück.
Bei großen Projekten sind wir beratend und dienstleistend unterwegs. Das kann eine einzelne Person von InterFace oder ein kleines Team sein. Oft schaffen wir es, erstaunliche und gewinnbringende Impulse bei Themen wie Requirement Engineering, Architektur und Qualität zu setzen. Wir erbringen aber auch einen Mehrwert in Form von Projektsteuerung (z.B. mit SCRUM) und verbessern so in Umsetzung und Implementierung die Termin-, Kosten- und Qualitätsparameter des Projektes deutlich.
Unsere Kunden profitieren auch davon, dass wir das Augenmaß nicht verlieren und uns das Interesse des Kunden zu eigen machen. Wir versuchen, auch in von (scheinbaren) Sachzwängen gesteuerten Situation den „gesunden Menschenverstand“ nicht aufzugeben sondern ehrlich zum Wohle des Kunden zu arbeiten. Das ist oft nicht einfach, lohnt sich aber letzten Endes immer. So sind wir nicht nur der Lieferant sondern der Verbündete unseres Kunden.

Frage:
Zum Kundennutzen: Betreiben Sie hierbei eher Finetuning oder können auch drastische Verbesserungen erzielt werden?

Antwort:
Das ist unterschiedlich. Im Geschäftsfeld IT-Organisation werden gelegentlich auch mit einfachen Maßnahmen verblüffend „drastische Verbesserungen“ erzielt. Oft ist es aber wie im Leben: Man muss hart arbeiten, um bessere Lösungen zu schaffen.

Frage:
Die Interface AG weist die Geschäftsfelder IT-Organisation, IT-Infrastruktur und IT-Applikationen auf. Welches dieser Geschäftsfelder lässt sich als das Kerngeschäft bezeichnen? In welchen dieser Bereichen sehen sie zukünftig insbesondere die Notwendigkeit der von Interface AG angebotenen Services? (ist da ein Trend zu erkennen?)

Antwort:
Aktuell (und schon länger) wollen wir alle drei Geschäftsfelder stärken und ihre integrative Kraft zu nutzen. Vor 10 Jahren sind wir davon ausgegangen, dass die lokale Software-Entwicklung zurück gehen wird (Stichwort Indien). Und in der Tat lief damals die Software-Entwicklung mal schlechter, dafür das Infrastruktur-Geschäft sehr gut. Vor fünf Jahren gab es dann bei der Infrastruktur einen Rückgang („IT wird commodity“) und die Entwicklung von Software hat angezogen. Ich würde also darauf verzichten, einen Trend erkennen zu wollen.
Im nach hinein hat der Trend übrigens meistens das Gegenteil von dem gebracht, was die Analysten vorhergesagt haben.
🙂 Dummerweise kann man sich halt auch darauf nicht verlassen.

Frage:
In letzter Zeit spielt das Thema Energieeffizienz auch in der IT eine immer größere Rolle. Welchen Stellenwert besitzt Green IT für Sie bzw. Ihre Kunden?

Antwort:
Für unsere Projekte noch wenig, obwohl wir das Thema für sehr wichtig erachten. Behörden legen z.B. bei der Ausschreibung von PC und Servern viel Wert auf einen niedrigen Stromverbrauch.
Für die Zukunft: Würde empfehlen Serverfarmen dort aufzubauen, wo der Strom leicht hergestellt werden kann (Patagonien mit Windkraft oder in den Kellern von desertec mit Solarenergie). 🙂

Ist aber auf jeden Fall ein Thema, dass wir sehr ernst nehmen werden.

Frage:
Ihr Unternehmen hat eine Entwicklung von einem Produktunternehmen zu einer IT-Beratungsorganisation genommen. Zudem hat sich die Rechtsform von einer GmbH in eine AG gewandelt. Wie veränderten sich dabei Ihre persönlichen Aufgaben, Herausforderungen und Herangehensweisen?
Anmerkung:
🙂 In der Originalfrage stand IT-Befreiungsorganisation an Stelle von Beratungsorganisation. Ob das ein freud’scher Verschreiber war? Der Gedanke ist aber alles anders als dumm! IT-Berater als Befreier von IT!

Antwort:
Der Wandel des Unternehmens weg von der Entwicklung eines Produktes hin zu Dienstleistung und Beratung hat alle Beteiligten gefordert. Für mich fing es bei der kaufmännischen Welt an. Unser Produkt generiert lange Zeit ein verlässliches und hohes Einkommen in Form von Lizenzen. Das gab ein gutes Gefühl von Sicherheit und ermöglichte eine ruhige Planung. Das ist in der Beratungssituation nicht möglich.
Meine persönliche Rolle änderte sich auch. War ich doch in den ersten Jahren der Product-Owner, wie man meine Rolle in der heutigen SCRUM-Terminologie bezeichnen würde. Das hat sich dann doch mehr zum Netzwerker für InterFace gewandelt.
Die Herausforderungen im Bereichs „Führung“ haben sich aber nicht so gewandelt, es sei denn man bezeichnet es als Änderung, wenn man Mitarbeitern das Binden von Krawatten beibringen muss 🙂 .
Spaßhaft beantworte ich die Frage so:
In den Gründungszeiten hatte ich lange Haare, im Büro öfters kurze Hosen und fast nie Krawatten an. Mittlerweile habe ich kurze (bzw. keine Haare) mehr, die kurzen Hosen trage ich seltener und die Krawatte öfters. Wobei sich letzteres schon wieder zu ändern beginnt.

Frage:
Die Arbeit mit Behörden stelle ich mir zum Beispiel sehr träge und zeitaufwendig vor. Wie unterscheiden sich Projekte mit Behörden von Projekten mit anderen Unternehmen?

Antwort:
Wir haben viele Kunden aus der „freien Wirtschaft“ und aus dem Behördenlager. Gerade bei Behörden wie z.B. der Bundesagentur für Arbeit oder Justiz und Polizei der Länder finden sehr anspruchsvolle und innovative Projekte statt. Oft sind Behörden sogar mutiger als Industriebetriebe. Sonst sind die Projekte von Behörden und großen Unternehmen gar nicht so verschieden.
Im Behördengeschäft erfolgt aber die Auftragsvergabe in der Regel über eine Ausschreibung. Und die Beteiligung an Ausschreibungen ist gerade für kleinere Anbieter oft ein großes Problem. Da fließt viel Aufwand und Geld rein, und wenn man Pech hat, ist alles für die Katz. Wenn man gewinnt, hat man allerdings auch einen verlässlichen Partner, oft für viele Jahre.

Weiter geht es im nächsten Post dann mit Fragen und Antworten zu Markt und Wettbewerb.

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