Roland Dürre
Samstag, der 20. Juli 2019

Nachtgedanken

 

„Denk ich an Europa in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht“

 

Unser neues Logo ist zumindest ansprechender als das Schwarz-Rot-Gold!?

Hier noch eine kleine Textarbeit, die vielleicht auch rätselhaft und enttäuscht klingt.

Aber die Dinge sind halt so wie sie sind, deshalb versuche ich meine Nachtgedanken ganz fröhlich zu formulieren.

Und hoffe, dass alles nicht so heiß gegessen wie gekocht wird.

Vorher verbeuge ich mich bei Heinrich Heine und zitiere Wikipedia:


Nachtgedanken ist das vierundzwanzigste und abschließende Gedicht aus Heinrich Heines 1844 erschienenem Zyklus Zeitgedichte. Der berühmte Eingangsvers

„Denk ich an Deutschland in der Nacht, / Dann bin ich um den Schlaf gebracht“

ist zu einem geflügelten Wort geworden.


Vor kurzem hatte ich  einen blöden Nachtgedanken. Es ging ums „alt werden“. So ganz jung bin ich ja nicht mir. So kam mir ein Gedanke ins Hirn, der mich nachdenklich machte:

Mein Alter hat auch einen Vorteil: Es wird immer unwahrscheinlicher, dass ich in meinem Leben in einem Krieg dienen muss.

Dieser Gedanke war mir sehr unangenehm. Denn er läßt einen Krieg wieder als reale Option zu. Das schien für uns ja irgendwie vorbei zu sein. Aber ist dem nicht wirklich so?
Mir erscheint Krieg so als das allerschlimmste, was ich mir vorstellen kann. Und da jetzt auch die Frauen zu Soldatinnen werden, hoffe ich, dass zumindest die Greise sich nicht an den kriegerischen Handlungen beteiligen müssen, also heißt nur als Kollateralschäden vernichtet werden

Schauen wir uns die aktuelle politische Situation an:

Vor kurzem wurde die Deutsche Verteidigungsmininsterin Ursula von der Leyen zur EU-Kommissionspräsidentin gewählt. Obwohl die Bürger der EU kurz vorher zwischen ganz anderen Kandidaten abgestimmt hatten. Die den Herrschenden in den nationalen Staaten Europas aber offensichtlich nicht gepasst haben.

Die neue EU-Kommissionspräsidentin wird auch als die wichtigste Frau Europas und als „Kanzlerin Europas“ bezeichnet. Sie hat sich als „glühende Europäerin“ geoutet, was ich nüchtern als „europäische Nationalistin“ bezeichnen würde. Und Nationalisten mag ich nicht, auch keine Europäischen oder anderer Kontinente.

„Vive l’Europe!“ finde ich genauso schlimm wie „Vive l’Afrique!“ – und ich mag keinen interkontinentalen Nationalismus wie Europa gegen Asien oder Afrika. Wir brauchen Frieden und müssen unseren Planeten retten – oder gemeinsam neue Planeten suchen. Dabei stehe ich persönlich der zweiten Variante sehr skeptisch gegenüber – aber mir gefällt es immer noch besser, unsere knappen Ressourcen in die Raumfahrt zu stecken als in Kriege oder durch Aufrüstung zum Zwecke der Kriegsvermeidung zu verpulvern.

Wahrscheinlich wurde von der Leyen auch von den Nationalisten Europas gewählt, die ja als Feinde Europas gelten. Zumindest behaupten die das. Es ist schon eigenartig: Die Rechten soll man nicht wählen, weil sie so nationalistisch sind. Aber man kann sich sehr wohl von ihnen wählen lassen.

Nur das weiß man gar nicht. Vielleicht lügen die Rechten – das wird ihnen eh gerne unterstellt und sie haben von der Leyen gar nicht gewählt. Denn die Wahl erfolgte im Geheimen. Was ich auch nicht verstehe. Als Bürger und Demokrat will ich doch wissen, wen der von mir gewählte Abgeordnete gewählt hat. Das würde ich gerne irgendwo abgesichert nach schauen können. Spätestens zur nächsten Europa-Wahl.

Auch als Europa-Abgeordneter würde ich gerne offiziell einsehen können, wer meine Stimme bekommen hat. Ob sie nicht bei jemanden gelandet ist, für den ich gar nicht gestimmt hatte?

Geheime Wahlen haben den Nachteil, dass sie leichter zu manipulieren sind als transparente. Im Vorfeld der Wahl wurde massiv betont, welcher Schaden Europa (der EU) entstehen würde, wenn die Kandidatin nicht gewählt werden würde! So ist doch nur zu leicht denkbar, dass ein ein ethisch denkender Mensch nach verantwortungsvoller Güterabwägung sich für Europa geopfert hat und für die gute Sache ein paar Stimmen verschoben hat. Ähnlich wie die Versuch, den Tyrannen zu morden, der sich ja gerade jährt und feierlich zelebriert wird. Eine „Wahlkorrektur“ als ein Akt besonderer Zivilcourage, um einen Kontinent zu retten – das würde doch auch als Heldentat durchgehen.

Frau von der Leyen hat sich dann auch gleich in ihrer Antrittsrede bei den Menschen bedankt, die für sie gestimmt haben. Mit „Nobody is perfect“ hat sie die Verstöße gegen Menschenrechte und vertragliche Vereinbarungen von EU-Mitgliedsstaaten verniedlicht. Ist doch alles nicht so schlimm. Und hat sich auch dafür eingesetzt, Fehlverhalten auf keinen Fall zu ahnden, zumindest nicht mit den vereinbarten finanziellen Strafen. So eine Art Generalamnestie zum Amtsantritt. Spricht doch für ein gesundes Selbstverständnis.

Ich finde ja auch, dass kein Land in der EU perfekt ist. Deutschland erst recht nicht. Allein, wenn ich mir anschaue, wie wir mit EU-Regelungen umspringen. Und mit anderen EU-Staaten umspringen. Oder für mich ganz schlimm: Wieviel Waffen wir herstellen und in der Welt verteilen. Ist doch auch so eine Art Verbrechen gegen Menschlichkeit.

Und die neue Kanzlerin Europas vesteht auch unseren starken Verbündeten Frankreich und will deshalb das Projekt der Europäischen Armee voran bringen. Ich bin ja ein wenig älter als Frau von der Leyen und war als junger Mensch in den 60iger Jahren viel in Frankreich. Und habe erlebt, wie schwer es für die Franzosen ihren Status als kolonialer Verlierer zu verkraften. So habe ich auch Mitgefühl entwickelt mit der „Grande Nation„, die ihre Rolle als ehemalige Weltmacht total verloren hatte.

Die neue Regierung will Frankreich wieder zur Weltmacht machen und sich weiter an Atomwaffen und Flugzeugträgern erfreuen. Dass muss man doch verstehen! Da dies alleine wohl nicht mehr geht, versucht sie es halt gemeinsam mit dem ehemaligen Erbfeind Deutschland als neuen Verbündeten – und sicherheitshalber unter der Fahne der europäischen Nation.

Und, dass die Menschen in Frankreich selbst gar nicht mehr die Grande Nation sein wollen, muss man auch nicht so ernst nehmen. Und dass die jungen Deutschen auch keine Lust mehr auf Miltitär haben, muss man auch nicht so ernst nehmen. Vor kurzem habe ich bei einer Veranstaltung der Bundeswehr, dass Uniformen leider nicht mehr so beliebt wären, weil die zivile Gesellschaft so „gewalt-aversal“ geworden wäre. Und ich dachte immer, dass es unser gemeinsames gesellschaftliches Ziel unserer Zivilisation ist, die Gewalt zu reduzieren? Siehe Gewaltmonopol etc.

Jetzt könnte man sich fragen, wen die neue Europäische Armee bekämpfen will und soll? Ich hoffe doch, dass es nicht mehr die Russen sind. Gleichwohl, die Barbara fand Sibirien auf unserer Reise mit dem Zug nach Peking sehr schön. Dort soll es auch viele Bodenschätze geben – und vielleicht schaffen ja AM und EM gemeinsam das, woran Napoleon und Hitler alleine gescheitert sind.

Vielleicht muss sich Europa mit seiner neuen Armee dann auch gegen den kranken Mann am Bosporus oder die bösen Islamisten mit einer mächtigen Armee verteidigen? Und die Migrantenwellen abwehren, die aus Afrika auf uns zu rollen werden?

Denn gegen Klimakatastrophe und Vermüllung und Zerstörung unseres Planeten wird man so eine Armee schwerlich einsetzen können. Im Gegenteil, Armeen werden diese Prozesse beschleunigen und verstärken.

Wenn ich jetzt noch hinzufüge, dass ich an einem dieser schwarzen Tage der jüngeren Vergangenheit abends nichts Böses denkend schlafen gegangen bin. Und wie ich morgens aufwache, erfahre ich, dass wir eine neue Verteidigungsministerin in Deutschland haben.

 

Das wäre mein neues Logo für Europa. Kommt dann auf die Panzer und Bomber.

Das ist die Frau AKK, die noch vor wenigen Wochen laut darüber schwadroniert hat, dass man auch über Tabus wie die rasche Wiedereinsetzung der ja nur ausgesetzten Wehrpflicht nach denken müsse – diesmal wohl in der gerechten Variante für alle Geschlechter.

Und dann bitte ich meine Freunde doch zu verstehen, warum ich auf so schlechte Nachtgedanken komme. Und dass ich der Meinung bin, dass die Richtung zurzeit aber auch so gar nicht stimmt.

Aber ich weiß ja, dass eh alles anders kommt als man denkt und bleibe so ganz ruhig und gelassen. Und mache gute Miene zum bösen Spiel.

RMD

1 Kommentar zu “Nachtgedanken”

  1. Chris (Sonntag, der 21. Juli 2019)

    Dear Roland, remember that WW2 could have been avoided, if we had stood firm against Hitler. France and the British Empire were regarded as militarily strong. Yet they let Hitler take Saarland, Austria and Czechoslovakia. Then they surprised Hitler by keeping their promise to Poland. Even then, they let Denmark and Norway go before becoming a little active. Defence had been neglected, (perhaps due to feeling guilty about the Versailles Treaty). Churchill’s warnings were ignored until it was too late.
    Similarly, the Japanese saw USA isolationism, and thought USA had gone soft.
    I have never voted for anybody as far right as Ursula. Yet when she was suggested for EU chief, I was happy. The EU main candidate “system” was rather hopeless. I wonder whether even half of voters in Bavaria had heard of Mani Weber, a nice guy, but lacking the experience and charisma for the job. Timmermans was a more realistic possibility, but apparently Orban could veto him. I wonder whether Ursula’s late candidature was cunningly planned. I and millions of others were relieved that a realistic candidate got the job. Otherwise the Brexit and EU chaos could have been worsened for many months. Regardless of military considerations, EU needs a chief who is enthusiastic, and she is.
    An EU army will not attack any country. At worst, they will help exclude refugees. I find this sad, but it is clearly desired by most EU voters. That is democracy for you!
    Putin is a cunning opportunist. He has 200,000 special soldiers keeping him in power, by stabilising Russia against demonstrators. But the economic situation is undermining this. He needs small military adventures to assure the support of nationalists. Georgia and Ukraine show this, and then Syria too. Meanwhile he tries to destabilise USA and EU, especially UK. The three small Baltic countries are rightly scared. They are members of NATO, but can they rely on this with Trump president in USA? An EU army would calm their fears, without serious risk of nuclear war.
    It will interest me if I am here realistically accused of swallowing a load of fake news!
    I prefer Ursula to AKK, who seems to have moved right for tactical reasons. I hope Germany finds a better successor to Merkel. “Wehrdienst” is a bad idea. It takes away some of the most important months of peoples lives. Some may learn well from social work, but others are not suitable. The UK has shown that a small professional army can do what is needed. It succeeded on the other side of the world, against attack by Argentina dictators, against the advice of USA.
    By the way Roland, don’t worry about possible conscription. In modern wars, more civilians are killed that military!

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