Die Förderung von Nanotechnologie in der EU liegt mit 750 Millionen EURO im Jahr auf einem Spitzenplatz. Sie beträgt damit das Zehnfache der Ausgaben für die Geisteswirtschaft. Die in der EU mit der Nano-Technologie gemachten Umsätze entsprechen in etwa der Höhe der Ausgaben für die Förderung der Nano-Technologie.

Die Produkte sind so klein, dass sie die Blut-Gehirn-Schwelle überwinden und in alle Zellen des Menschen eindringen können. Sie sind langlebig. Einmal in die Umwelt eingebracht, sind sie nicht mehr rückholbar.

Schädliche Nano-Partikel werden unbeabsichtigt von modernen Dieselmotoren produziert. Gezielt entwickelt man Produkte der Nanotechnologie, damit Schokolade länger ihr Aussehen behält, Zähne weißer leuchten, verschwitzte Kleider nicht stinken oder Tennisschläger noch mehr Schwung entwickeln.

Gerechtfertigt wird die Nanotechnologie vor allem, weil man sich große Möglichkeiten bei der Behandlung komplexer Krankheiten wie Alzheimer oder bei der Gerontologie verspricht. Auch im militärischen Bereich und vielen anderen Einsatzgebieten erwartet man von der Nanotechnologie wesentliche Fortschritte.

Zukunftsforscher gehen davon aus, dass die  Nanotechnologie ein ähnliches Veränderungspotential wie die IT hat?

Wenn wir die Nano-Technologie frühzeitig in einem sittlich verantworteten ethischen Diskurs bewertet hätten, dann wären vielleicht folgende und weitere Bedingungen formuliert worden, die bei ihrem Einsatz verpflichtend einzuhalten wären:

  • Produkte, die Nano-Technologie enthalten, unterliegen der Kennzeichnungspflicht
  • Nano-Produkte, die in die Umwelt gelangen können, müssen nachgewiesener Weise unschädlich sein.
  • Die eingesetzten Nanoprodukte müssen entsorgt werden können oder sich in kurzer Zeit abbauen.
  • Bei der Verwendung von Nano-Technologie muss geprüft werden, ob der erzielte Nutzen das entstehende Risiko rechtfertigt.

All das sind eigentlich Selbstverständlichkeiten, die heute immer mehr gefordert werden. Aber wie so oft hat man zuerst mal gehandelt und eine neue Technologie erstmal kräftig gefördert. Und jetzt fängt man langsam an nachzudenken.

Wir sind mal wieder der Verführung durch Profit und der Hoffnung nach mehr Gesundheit oder gar Lebensverlängerung erlegen. Oder wie der Banker sagt: Gier schaltet Gehirn (und Ethik) aus.

RMD

P.S.
So kann ich gut verstehen, dass die Nano-Technologie von vielen Menschen genauso skeptisch gesehen wird wie Kernenergie und Gentechologie. Die Forderung nach mehr Achtsamkeit bei der Einführung neuer Technologien hat  nichts mit „typisch deutscher Technologie-Feindlichkeit“ zu tun. Den Kritikern dies pauschal vorzuwerfen, ist ungerecht.

2 Kommentare zu “„Nanotechnologie und Ethik?“ oder „Erst Denken – dann Handeln!“”

  1. Chris Wood (Donnerstag, der 29. Oktober 2009)

    For a balanced view of this subject, see http://de.wikipedia.org/wiki/Nanotechnologie. NT may develop into something significant, but at present both the possibilities and the dangers are mostly just hype. Roland concentrates on the latter. 750 Million EURO p.a. subvention in Europe is really very little, particularly considering all the different aspects that are grouped under this term. Many times as much would be made available to save a medium sized bank. I presume this also includes (perhaps 50%) research into the dangers.
    Consider Roland’s four rules for the use of NT. Shouldn’t they hold for everything? Consider the same four rules but with „sharp edge“ or „round thing“ substituted for „nano“.
    And the budget of „Geisteswirtschaft“ in Europe is at least 100 times larger. The main part of this in Germany is probably religion, with about 5% of all tax. But the media play their part too. In Britain, no tax goes directly to churches, but the Anglican Church, being the second largest landowner (after the National Trust), also has a good income. It is a pity that the ratio of „Geisteswissenschaft“ to „Geisteswirtschaft“ is so low.

  2. rd (Donnerstag, der 29. Oktober 2009)

    Sorry, aber Religion zähle ich nicht zu den Geisteswissenschaften. RMD

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