Mal ganz andere Gedanken zum 1. Mai, dem Tag der Arbeit!

Wir leben in zwei Welten, der Kulturwelt und der Naturwelt. Unser Leben in der Naturwelt geht gegen Null. Die von uns selbst geschaffene Kulturwelt hat uns zu fast 100% vereinnahmt.

Höre ich das Rauschen des Regens, den Wind in den Bäumen bild0169oder das Zwitschern im Wald, dann weiß ich, was Naturwelt ist. Leider dominiert in meiner Umgebung das Rauschen der Zivilisation. Ich wohne bevorzugt ruhig, trotzdem höre ich rund um die Uhr den Lärm von Autos und Flugzeugen.

Ganz selten erlebe ich weit weg von jeder Zivilisation Momente der absoluten Stille und Klarheit. Dann kann ich die Sterne in ihrer Pracht sehen. Und stelle mir vor, wie still und dunkel es vor gar nicht langer Zeit war.

Die Kulturwelt ist uns zur Natur geworden, die Naturwelt zur fremden Welt. Den Tod verdrängen wir, die Geburt eines Kindes ist das letzte Wunder der Natur. Unsere menschlichen Emotionen überraschen und verängstigen uns. Wir essen Fleisch, aber könnten kein Tier mehr schlachten.

Am Wochenende fahren in die Berge oder gehen zum Segeln und konsumieren ein Häppchen Naturwelt. Aber dann geht es wieder für eine Woche in die Kulturwelt.

Angefangen hat es wohl mit Ackerbau und Viehzucht, dann kamen Technik, Mobilität und Kommunikation. Die Kinder lernen in der Schule das abstrakte Wissen, sie kennen den Typ eines jeden Autos aber nicht mehr die Namen der Vögel.

bild-026Unsere Zeit verbringen wir im Auto, vor dem Computer und dem Fernseher. In Besprechungen lösen wir nicht reale Probleme durch abstrakte Lösungen und erhöhen so permanent die Komplexität der Dinge.

Unser Essen ist „konvenient“ geworden, ohne Strom und Medikamente können wir nicht mehr leben. Die unwirklichsten Dinge sind die wichtigsten: die Börse, das Geld, die Medien. Kennzahlen, Prognosen, Kurse, Tabellenplätze bestimmen unser Denken, „Deutschland sucht den Superstar“ und „Germany’s next top model“ sind beliebter Gesprächsinhalt.

Unsinnige Ängste beherrschen unser Handeln und lösen gesunde Furcht ab.

Deswegen bin ich gerne an der frischen Luft, ein wenig weg von der Zivilisation. Das ist auch der Grund, warum ich immer wenn möglich mit dem Fahrrad fahre. Neuerdings genieße ich sogar das sensationelle Erlebnis des zu Fuß gehen. Für mich sind das täglich kleine Ausflüge (Ausbrüche) raus aus der Kulturwelt zurück in die Naturwelt.

Es ist schon der Wahnsinn. Aber es gibt einen Trost. Der Mensch kann weder die Kultur- noch die Naturwelt berechnen und beherrschen – Mediokristan und Extremistan lassen grüssen!

RMD

P.S.
🙂 Auf dem Bild ist ein künstlicher Brunnen zu sehen, der in meinem Garten steht und mir zu Hause natürliches Rauschen vorgaukelt.

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