Roland Dürre
Mittwoch, der 10. Oktober 2012

News vom Tage – der Strompreis

Höre morgens gerne und häufig Bayern 2 – die Radiowelt. Heute ist die Aufregung um den Strompreis groß. Ich sehe, das differenzierter:

Ich nehme allgemein eine nicht unerhebliche „Inflation“ wahr. Ganz gleich, ob ich Essen gehe oder U-Bahn fahre, alles wird teurer. Sogar elektronische Produkte wie Mobiltelefone und Laptops scheinen bei einer „State of the Art“-Betrachtung nicht billiger zu werden. Von Immobilien möchte ich gar nicht reden. Auch die Gehälter und Einkommen bewegen sich wieder zumindest nominell nach oben (Tarifabschlüsse, Ärzte). Dafür wächst die Minderheit der Armen, aber auch das passt ins Bild.

Diese Inflations-Situation – wenn auch statistisch wohl nach unten gemogelt – ist absolut erklärbar. Man betrachte nur die Geldpolitik der EU-Administration. Oder die Entwicklung in anderen Währungszonen wie Dollar, RMB (Chinese yuan) oder Volkswirtschaften mit einer beliebige Kleinwährung. Überall steigen die Preise, ob in China, USA oder sonst wo. Und wir sind halt Teil einer globalisierten Welt.

Wenn in einem inflationären Umfeld ein Produkt seinen Preis halten würde, würde es ja billiger werden. Von einer Verteuerung eines Produktes kann ich so doch nur bei einer Preiserhöhung reden, die deutlich über der Inflationsrate liegt. Insofern dürfte man eh nur von relativen, sprich um die „ehrliche“ Inflationsrate bereinigte Preiserhöhungen reden.

Betrachtet man die Preissteigerungen bei Öl, dann hinkt die Entwicklung beim Strompreis da hinterher. Solange Energie noch wesentlich aus fossilen Stoffen erzeugt wird, ist es nach meiner Meinung gut, wenn sie teurer wird. Erst wenn es gelingt, sie ausschließlich für die Umwelt neutral zu produzieren, dürfte sie billiger werden.

Allerdings habe ich meine Zweifel, wie das jemals in den vermeintlich benötigten Größenordnungen möglich sein soll. Der verantwortete und effiziente Umgang mit Energie ist also nach wie vor dringend geboten. Und da sind Verordnungen oder Gesetze meistens nicht wirklich hilfreich. Die Vernunft geht halt leider meistens nur über den Geldbeutel (so wie die Liebe durch den Magen).

Wirklich ärgerlich ist aber, dass dank der Änderung der sogenannten Stromnetz-Entgeltverordnung (StromNEV) die Unternehmen, die mehr als zehn Gigawattstunden Strom pro Jahr verbrauchen und mindestens 7000 Stunden jährlich die volle Leistung beziehen, als weitere Subvention kein Geld mehr für den Stromtransport der Übertragungsnetz-Betreiber zahlen müssen. Und die Anzahl der Nutzer dieser Groß-Subventionen ist drastisch gestiegen.

Das hat dazu geführt, dass Deutschland für die Kleinverbraucher ein teures Stromland geworden ist, für die Großverbraucher aber recht günstig. Das belastet natürlich die Kleinverbraucher monetär und wirkt im Großen dem Ziel entgegen, Energie insgesamt effizienter zu nutzen. Und hat auch gar nichts mit der Energiewende zu tun. Sondern ist schlicht noch eine weitere Subvention für dezidierte Interessensgruppen.

Wie zur Bestätigung habe ich heute morgen einen CSU-Politiker im Radio sagen gehört, dass sogar Unternehmen aus Norwegen begonnen haben, ihre strom-intensiven Produktionsteile nach Deutschland zu verlagern …

🙂 Der Autor geht übrigens – sicher ganz laienhaft – davon aus, dass die meisten Großverbraucher den Strom für die Herstellung so „sinnvoller“ Dinge wie Bier- oder Getränkedosen benötigen und bekommt schon deshalb einen dicken Hals. Denn zumindest Bier sollte man wirklich nicht aus Dosen trinken und die Wegwerf-Gesellschaft ist mir eh ein Graus.

RMD

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