Roland Dürre
Donnerstag, der 19. März 2015

Nicht Unsichere Zeiten sondern Blödsinnige Zeiten

Sicherheit und Vorratsdatenspeicherung

Jetzt bin ich ein paar Tage aus Kuba zurück und habe auch mal wieder „Audio“ gehört. Da ist mir ein Mann mit dem Nachnamen eines Erzengels begegnet. Einer von den Politikern/Funktionären, die noch nie außerhalb von Bildung,  Gewerkschaft, Partei und Politik, Schule und Uni tätig waren – wenn man von dessen Zeit als SaZ 2 in einer Luftwaffenradareinheit der Bundeswehr und einem Nebenjob als als Nachtportier in einem Göttinger Hotel während des Studiums absieht.

Den habe ich sagen gehört:

„Und ich meine, wir erleben doch gerade, dass die Welt ziemlich gefährlich geworden ist und dass die Gefahren aus anderen Teilen der Welt zu uns importiert werden.“

StopDas hat mich geärgert, ist es doch hanebüchener Blödsinn. Man muss dazu nur ein Geschichtsbuch wie Die Verwandlung der Zeit von Osterhammel nehmen und darin ein wenig lesen. Und erfährt dann, wie gefährlich es früher war zu leben.

Oder noch einfacher – ein wenig nachdenken. Die gefährlichste Bedrohung in Deutschland und auf der Welt dürfte (vielleicht neben den Unfällen im Haushalt und bei der Arbeit) die Teilnahme am Individualverkehr sein. So geht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) von jährlich etwa 1,2 Millionen Verkehrstoten rund um den Erdball aus. In Deutschland sind die tödlichen Unfälle in den letzten Jahrzehnten wesentlich gesunken, wir haben „nur noch“ so knapp 10 am Tag.

Bei den Krankheiten ist es in Deutschland und auf der Welt auch nicht unbedingt gefährlicher geworden, trotz Vogelgrippe, Ebola und jetzt gerade wieder Masern.

😉 Ich sehe auch nicht, welche Gefahren importiert werden sondern eher, dass wir (die BRD) viel Gefährliches exportieren.

vorratsdatenspeicherungEs könnte aber auch sein, dass dieser Satz nur so dahin geplappert wurde. Dann ist es noch ärgerlicher, denn mit diesem Geplappere begründet der Politiker seine Forderung nach der Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung!

Dies obwohl die mir bekannten Experten sagen, dass die Vorratsdatenspeicherung uns der totalen Überwachung wieder ein Stück näher bringen würde. Wie auch zum Beispiel Sascha Lobo im Spiegel schreibt, den ich immerhin auf dem IT-Gipfel unserer Kanzlerin hören durfte.

Der Mann, von dem ich hier berichte, heißt übrigens Sigmar Gabriel. Er ist Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Stellvertreter der Bundeskanzlerin und SPD-Parteichef (!).

Kurz nach seiner Forderung nach Vorratsdatenspeicherung hat er dann eine Reise ins gefährliche Moskau angetreten, um alte Freunde zu besuchen. Und was für Freunde.

Wer wundert sich dann noch, wenn die klugen deutschen Wähler die SPD so gar nicht mehr wählen wollen und die genauso klugen jungen deutschen Wähler zum Wählen so partout keinen Bock mehr haben?

Und ich denke mir, wär ich doch in Kuba geblieben.

RMD

P.S.
Das Bild ist von „Stoppt die Vorratsdatenspeicherung!“ mit freundlicher Genehmigung des Arbeitskreises.

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