Ich fahre sehr gerne die Fahrräder von Utopia Velo. Utopia Velo ist eine „kleine“ Fahrradmanufaktur in Saarbrücken. Utopia-Räder haben immer einen ganz besondere Rahmen, der in Holland (bei Rainbow in Aalten/Nederland) in kleiner Stückzahl in Handarbeit gefertigt wird. Die „kleine Stückzahl“ ist übrigens relativ, denn der Roadster (mit einem „Kreuz-Rahmen“ wie auch beim London) wurde innerhalb von nur ein paar Jahren jetzt auch schon über 5.000 Mal gebaut. Jeweils eines dieser Modelle steht auch in meinem Fahrradschuppen, mit beiden war ich in den letzten Jahre über 30.000 km unterwegs.

Die Firma Utopia veranstaltet jeden Sommer ein Sommerfest. Am Tag davor ist dort so eine Art Investoren-Treffen. Dieses Jahr war das am 25. und 26. Juni. Weil ich auch ein wenig Geld bei Utopia investiert habe, wollte ich natürlich dabei sein. Allerdings fahre ich nicht für nur zwei Tage von Neubiberg nach Saarbrücken. Das lohnt nicht.

Deshalb haben Barbara und ich beschlossen, schon am Mittwoch, den 22. Juni zu starten und diese Reise mit einer kleinen Radtour zu verbinden. So haben wir beschlossen, mit dem Zug nach Freiburg (der heimlichen Hauptstadt der Radfahrer und Solar-Fans?) zu reisen, um dann mit den Rädern durch Frankreich nach Saarbrücken zur Utopia-Veranstaltung zu fahren.

Vorbei geht es auch an zahlreichen Schleusen. Die erinnern uns an schöne Hausboot-Fahrten mit allen.

Vorbei geht es auch an zahlreichen Schleusen. Die erinnern uns an schöne Hausboot-Fahrten mit allen.

Hier ein kurzer Reisebericht. Auch weil wir einen ganz großen Höhepunkt auf dieser Reise erlebten – den Besuch in der Völklinger Hütte, einem würdigem Weltkulturerbe. Deren Besuch ich Euch ganz besonders empfehlen will.

Mittwoch, 22. Juni 2016: Anreise mit Zug nach Freiburg

Die Anreise ging in Neubiberg um 9:11 los zum Ostbahnhof. Dann ging es mit einem EC nach Heidelberg, der aus Salzburg kommend Frankfurt als Endziel hatte. In Heidelberg sollten wir laut Plan mit der S-Bahn weiter nach Karlsruhe fahren, um dann mit dem EC nach Basel zu fahren. Da unser Zug Verspätung hatte, haben wir die S-Bahn verpasst. Wir hatten aber Glück, eine andere S-Bahn brachte uns nach Mannheim und dort haben wir den ebenfalls gut verspäteten EC nach Basel über Freiburg erreicht.

So waren wir um 16:00 in Freiburg und es ging nach zuerst Mal in Richtung Rhein. Der Mittwoch war der erste der drei besonders schönen Sommertage, die Ende Juni in Deutschland für viel Sonne und eine große Wärme sorgten.

Am Abend nach um die 60 km um den Rhein tragen wir um 19:00 in Diebolsheim an. Wir waren in Sorge wegen des Quartiers, denn die Gegend ist da erstaunlicherweise nicht so belebt. Aber wir hatten Glück, gleich angekommen in Diebolsheim entdeckten wir da ein Schild GÎTES d’ÉTAPE. Wir klingelten und eine freundliche Dame öffnete uns. Und wir hatten ein wunderbares Nachtquartier. Da kein Lokal in der näheren Umgebung, haben wir uns bei unserer Wirtin mit einem Baguette und zwei Flaschen Rotwein eingedeckt (alles inklusive Übernachtung für 50€). Und hatten den ersten wunderbaren Abend.

Donnerstag, 23. Juni: Von Dieboldsheim nach Graufthal.

Des öfteren geht es entlang an den Kanälen des Elsass.

Des öfteren geht es entlang an den Kanälen des Elsass.

Früh geht es raus. Bald sind wir am Kanal Rhone-Rhin. Wunderbares Radeln an einem wunderschönen Sommermorgen. In Strasbourg gibt es Frühstück bei einer kleinen Bäckerei und dann noch eine zweite Pause bei einer Bar. Es ist wie im Märchen oder im Kino.

Nach Strasbourg wird es abwechslungsreich. Wir durchqueren die Landschaft, folgen dann wieder Kanälen und kommen dann mit ein paar Steigungen in Graufthal an. Ein Dorf im Naturschutzgebiet, sicherlich ein wenig touristisch aber von der sehr angenehmen Seite.

Wir finden ein wunderschönes Hotel. Das Au vieux moulin passt zur Landschaft und zum malerischen Ort, das Zimmer ist wunderbar und der Preis angenehm. Am Abend gibt es köstliche Menüs, die Auswahl fällt nicht leicht. Wir genießen und ich verstehe wieder, was mit „Leben wie Gott in Frankreich“ gemeint ist.

Nicht zu spät geht es ins Bett, denn am nächsten Morgen warten ein die Anstiege der Vogesen auf uns. Und weil es wieder warm werden soll, wollen wir dies möglichst am frischen Morgen schaffen.

Freitag, 24. Juni: Über die Vogesen nach Saarbrücken.

Wir starten vor 8 Uhr und verzichten auf das sicher köstliche Frühstück in „der alten Mühle“. Die sanften Aufstiege der Vogesen sind von der Art, an der sogar ich Spaß habe. Trotzdem kommen in der Summe einige Höhenwerte zusammen. Das Frühstück holen wir in einer wunderbaren Bäckerei in einem kleinen Städtchen am Vormittag auf ungefähr halbem Wege nach Saarbrücken nach. Wir sitzen in der Nähe der Backstube, aus der wir mit Köstlichkeiten verwöhnt werden und und sehen den Bäcker bei der Arbeit zu.

Dann fahren wir weiter und kreuzen ein wenig auf und abdurch eine sanfte Landschaft. Dann geht es wieder abwärts und wir erreichen die Saar. Dem „Schlingelschlangel“ des Flusses folgen wir ruhigen Uferwegen bis Saarbrücken. Wir entdecken Überreste der Maginot-Linie, Schilder am Wege weisen uns auf dieses Ungetüm und seine Tragik hin. Soldatenfriedhöfen sind wir auf unserer Reise auch öfters begegnet.

Mittags sind wir noch in Frankreich kehren und finden wieder ein wunderbares Lokal. Das liegt direkt an der Saar und ist ein typisch elsässisches Restaurant. Wir genießen das Tagesmenü mit drei so richtig schmeckenden Gängen bei einer Flasche Wein. Ich habe es schon geschrieben – es ist wieder „Leben wie Gott in Frankreich“.

Dann geht es weiter. Nach kurzer Radfahrt immer entlang der Saar sind wir am frühen Nachmittag in Saarbrücken. Erst vor 48 Stunden sind wir in Freiburg angekommen. Wir könnten jetzt zum Bahnhof fahren und wären am Abend wieder in München. Wir haben aber noch etwas in und um Saarbrücken vor und suchen uns wieder eine Unterkunft. Die ersten Hotels gefallen uns nicht so sehr. Wir finden das La Résidence mitten in der City, der Preis passt, also mieten wir uns für die nächsten zwei Nächte hier ein. Am Nachmittag wird ein bisschen durch Saarbrücken gebummelt – wir nehmen die Hauptstadt des Saarlands als sehr lebendige Metropole wahr.

Abends genießen wir die Promenade an der Saar. Ich fühle mich wirklich wie in einer Weltstadt. Es gibt tolle Lokale. Wind kommt auf, die Sommertage scheinen vor bei. Wir haben Glück,  das Wetter hält und wir beschließen mit wieder wirklich gutem Essen drei wunderbare und sehr warme Sommertage auf dem Fahrrad. Es war zwar nur eine kleinen Radtour mit gut 200 km. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel schöne Sachen man in drei Tagen inklusive An- und Abreise auch weit weg von München erleben kann. Dann kommt er doch noch, der große Regen und wir flüchten ins nahe gelegene Hotel.

Samstag, 25. Juni 2016 – Das Highlight – Vormittag in der Völklinger Hütte.

Die Winderhitzer der Völklinger Hütte.

Die Winderhitzer der Völklinger Hütte. (Wikipedia – Owner LoKiLeCh).

Nach großem Frühstück im La Résidence geht es los. Zur Völklinger Hütte sind es mit dem Rad gut 10 Kilometer. Es macht Spaß, denn der Regen hat aufgehört. Die Hütte ist ein großes industrielles Museum und Weltkulturerbe. Schon bei unserer Saarland-Rundfahrt wollten wir sie besuchen, das hat das aber zeitlich nicht gepasst.

An diesem Morgen holen wir dies nach. Wir haben ein Riesenglück, genau an diesem Tag eröffnet auch die „Bhudda-Ausstellung“ im Weltkulturerbe. Die sensationelle Fotoausstellung von Steve McCurry: „Buddhismus – Fotografien 1985 bis 2013“ ist schon ab dem 1. Mai in der Hütte installiert. Im Preis von 15 € ist alles mit drin. Die meisten Besucher zahlen sogar nur 13, denn es gibt auf so vieles 2 € Rabatt wie z.B. für ADFC-Mitglieder oder Bahncard-Inhaber …

Die Ausstellung vereint viele Botschaften und Angebote. Man erlebt die brutale Seite des Industriezeitalters. Media-Shows machen klar, wie man hier gearbeitet hat. Die Integration der Buddhas und Fotos in die „antike“ Technologie passt wunderbar. Die Buddha-Statuen werden exzellent erklärt. Der Kontrast der Fotografien zur Umgebung ist phantastisch. Es ist wirklich eine starke Installation.

Und die Hütte bietet auch alles Mögliche an. Technik, Geschichte, aber auch Abenteuer und körperliche Anstrengung. Es gibt einen langen Rundweg, auf dem es nie langweilig wird. Und einen Höhenweg im Freien, auf des es auch geübten Kletterern schwindelig werden kann.

Auch ohne Radtour ist allein der Besuch dieser „drei Ausstellungen in einer“ eine Reise ins Saarland wert.

Am späten Vormittag schüttet es wieder und wir fliehen in den Innenbereich des Weltkulturerbes. Dann regnet es wieder, wir brechen auf und kommen relativ trocken bei Utopia an. Der Empfang ist freundlich, wir erleben spannende Vorträge. Abends ist der Wettergott auch wieder freundlich zu uns. Wir kommen gut heim und genießen noch mal die Saar-Promenade. Das Abendessen gibt es allerdings dann „inhouse“, denn es ist kühl bis kalt geworden. Zum Fenster herein schaut aber schon wieder die Abendsonne, stört uns aber nicht beim speisen.

Sonntag, 26. Juni 2016 – Sommerfest bei Utopia.

Wir checken aus dem „Residence, radeln mit Roadster und Silbermöwe (Barbaras Fahrad) und unserem Gepäck zum Sommerfest. Wir hören interessante Diskussionen, lernen viel Neues und machen einige Probefahrten mit „normalen“ Rädern und „pedelecs“.  Wir sind überrascht, das ein moderner Fahrrad-Rahmen, gleich ob aus Stahl oder Alu, leichter ist als ein gutes Fahrradschloß, das einem Dieb ernsthaften Widerstand leistet. Oder, wie man eine Fahrradkette am besten ölt (nach gründlicher Reinigung mit einem Pinsel) und viele andere Tricks. Die Versuchung, uns ein neues Fahrrad zu kaufen ist groß. Gerade die Pedelecs mit ihrer Leichtigkeit locken uns sehr. Wir können so gerade noch widerstehen.

Am Nachmittag geht es dann direkt zum Hauptbahnhof von Saarbrücken. Die  Zugfahrt ist ziemlich unproblematisch, mit einer kleinen Unannehmlichkeit. Die einzige Toilette im Nahverkehrszug von Neustadt (Weinstr) ist defekt und gesperrt.  Trotzdem sind wir kurz noch vor 22:00 nach 5 wunderbaren Tagen wieder zu Hause in unserem „sweet sweet home“.

RMD

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