Roland Dürre
Samstag, der 27. September 2014

Noch eine Projekt-Polemik

Wenn man Politik als Projekt betreibt …
oder
Ich bekomme immmer das Grummeln, wenn ich das Wort Projekt höre!

Ich kenne eine stolze Nation, die hält sich für „god’s own country“. Deswegen hat sie sich selbst auferlegt die „westlichen Werte“ zu bewahren. Und zwar genau die, die sie dafür hält. Aufgrund ihrer Macht fühlt sie sich verpflichtet „Weltpolizei zu spielen“. Das macht sie mit großer Professionalität in drei Schritten:

Schritt I:

Sie sammelt Daten.
Auch die geheimen. Denn wenn jemand etwas geheim hält, muss das ja wichtig sein. Und wie will man eine Situation erfassen, wenn man das „Wichtige“ nicht weiß. Also gibt sie viel Geld für CIA, NSA und weitere „Dienste“ aus. Und belauscht die ganze Welt.

Schritt II:

Die Daten werden ausgewertet.
Dazu hat sie ganz viele Experten und setzt Thinktanks ein. Um Sicherheit zu schaffen werden aus den vielen Daten Bedrohungsszenarios erstellt. So generiert sie ganz logisch und vernünftig ihre Gewissheiten – professionell und mit dem Einsatz der besten Gehirne.

Schritt III:

Es wird entschieden und gehandelt.
Man muss ja den gefundenen Bedrohungen entgegnen. So wird basierend auf einem so entwickelten Bedrohungs-Szenario ein Land mit Agent Orange entlaubt und mit Napalm verbrannt. Tyrannen werden gemordet und Diktatoren und ihren Ländern der Krieg erklärt. Die Armee wird in die Wüste und in die ganze Welt entsandt. Bewaffnete Drohnen werden los geschickt um besonders schädliche Menschen zu töten. Spezialteams vernichten den aktuellen Staatsfeind Nummer 1. Sanktionen gegen unbotmäßiges Verhalten werden organisiert, „Partner“ zum Mitmachen gedrängt und Bündnisse geschmiedet. Wie zurzeit um die IS zu bombardieren. Mit dem Plan, diese innerhalb von exakt vier Jahren zu vernichten.

Dieses Vorgehen klingt doch wie ganz rationales und auf Fakten basierendes Projekt Management.

Nur was sind die Folgen? Seit Jahrzehnten treiben die USA das so und erreichen doch immer nur das Gegenteil von dem was ihre Absicht war. Und mich beschleicht der Verdacht, dass der Hauptfehler daran liegt, dass die USA ihre Politik super professionell als Projekt betreiben und nicht an Werten orientieren.

Ich habe den Eindruck, dass dieser Fehler nicht nur in der Politik gemacht wird. Und dass Projekte Unvernunft als zwingende Ratio verkaufen!

RMD

P.S.
Dieser Artikel ist inspiriert worden durch das Lesen anderer Artikel aus der Blogparade “Beyond Project Management” zu der Marcus Raitner aktuell einlädt in seinem Blog “führung-erfahren”.

Die Blogparade soll eine Art Einstimmung sein fürs PM-Camp 2014 in Dornbirn. Das Motto wird dort auch “Beyond Project Management” sein.

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2 Kommentare zu “Noch eine Projekt-Polemik”

  1. rd (Sonntag, der 28. September 2014)

    Folgenden Kommentar dazu habe ich auf Facebook bekommen:

    „Mir hat ein Coach mal erzählen wollen, dass man als Manager nie REAGIERT – weil Manager alles VORSEHEN müssen, können sie stattdessen immer AGIEREN!“

    Das ist guter alter Omnipotenz-Glaube aus dem letzten Jahrhundert. Ich würde das so formulieren:

    „Gute Projekt Manager REAGIEREN nie – weil gute Projekt Manager alles VORSEHEN müssen, können sie stattdessen immer AGIEREN!“

    Jetzt ersetze vertausche ich die beiden Worte müssen und können:

    „Gute Projekt Manager REAGIEREN nie – weil gute Projekt Manager alles VORSEHEN können, müssen sie stattdessen immer AGIEREN!“

    Und man sieht, wie absurd die Sache wird.

    :-)

  2. Aufruf zur Blogparade: Beyond Project Management - Führung erfahren! (Sonntag, der 28. September 2014)

    […] Roland Dürre zum zweiten Mal im IF-Blog. Noch eine Projekt-Polemik. […]

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