Roland Dürre
Donnerstag, der 27. Oktober 2011

O weh o weh!

Heute morgen sind mir zwei Nachrichten wesentlich erschienen. Zum ersten, dass Griechenland nur die Hälfte zurückzahlen muss. Die Griechen erhalten einen Schuldenschnitt von 50 %. Oder „Haircut“, wie ich unsere Kanzlerin live habe sagen gehört habe.

Woher kommt denn nur dieses „neudenglische“ Haircut? Den Griechen werden doch die Haare gar nicht geschnitten, sondern eher verlängert. Den Begriff „Schnitt“ dagegen verstehe ich. In der Forschung(sbrauerei) sagt man das immer bei der letzten Maß vom Doppelbock, wenn es dann doch ein wenig zu viel wird. Und bekommt dann eine Halbe.

Es ist auch noch nicht klar, wie das Erlassen der Schulden dann geht. Ob das der Steuerzahler direkt bezahlt oder ob es indirekt über die Banken bezahlt wird. Wird aber auf jeden Fall teuer.

Zum Zweiten höre ich, dass Italien zumindest zugesichert hat, ganz kräftig zu sparen und jetzt ganz grausame Maßnahmen ankündigt. Die ersten Proteste und Widerstände sind natürlich auch schon da. Obwohl keiner so richtig glaubt, dass die italienische Regierung die Sparmaßnahmen durchsetzen will geschweige denn kann.

Der DAX ist heute Vormittag dann auch gleich kräftig gestiegen. Das kann ich verstehen, denn wohin mit dem Geld? Es droht Inflation, und da ist das Investieren in Unternehmen vielleicht nicht das Dümmste.

Aber trotzdem bin ich entsetzt!

Halte ich doch am nächsten Donnerstag an der Universität der Bundeswehr einen Vortrag mit der Quintessenz: Immer menschelt es. Das weiß jeder, der mit Menschen allgemein und Mitarbeitern oder Kindern im Besonderen intensiv zu tun hat.

Und Staaten und Völker sind nun mal wie Menschen. Hier menschelt es sogar noch schlimmer – im Kollektiv. Vielleicht mögen die Italiener dann die Griechen nicht mehr so besonders, wenn es ums „Haare schneiden“ geht. Aber unabhängig von solchen noch dazukommenden Möglichkeiten sage ich voraus, dass die Italiener, falls sie wirklich so hart sparen müssen oder auch nur sollen wie die Griechen, dann genauso auf einem „Haircut“ bestehen (und ihn kriegen) werden wie die Griechen.

Dann wird die Lage in der EU natürlich noch enger und der Reihe nach werden die anderen kommen. Die Portugiesen, die Spanier, die Irländer usw. Alle werden zum „Friseur“ wollen.

Und am Schluss natürlich auch die Deutschen. Ist doch schon die heutige Verschuldung in Deutschland so hoch, dass sie selbst bei konstantem guten Wachstum und strengster Kostendisziplin aufgrund der Zinslast und mancher Sachzwängen nicht mehr reduziert werden kann. Ganz abgesehen von den strukturellen Problemen wie Überalterung der Gesellschaft, Geburtenrückgang oder Umweltzerstörung

Durch die aktuellen Manöver dürften die Schulden der BRD außergewöhnlich weiter steigen, wahrscheinlich sich mehr als verdoppeln. Steigen tut die Schuldenlast ja aktuell, trotz der „Schuldenbremse“ und vieler Lippenbekenntnisse und Mogeleien.

Vielleicht waren die gestrigen Beschlüsse für Europa „alternativlos“ – heute aufgrund des fehlenden Mutes, Insolventes kontrolliert insolvent gehen zu lassen. Was mich aber wirklich ärgert, dass die Politik so lange geleugnet hat, dass – wenn man Griechenland im EURO lassen will – ein Schuldenerlass für Griechenland unvermeidlich ist.

Und wer glaubt noch Lügnern, besonders wenn sie so dilettantisch auftreten.

RMD

P.S.
Ich wünsche mir auch sofort einen Haircut. Verspreche auch zu Sparen: Kein Autofahren mehr. Werde weniger Fleisch essen und Bier trinken. Vielleicht noch ab und zu eine klitzekleine Kreuzfahrt …

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4 Kommentare zu “O weh o weh!”

  1. Chris Wood (Donnerstag, der 27. Oktober 2011)

    Dear Roland, I find this posting pretty silly. What is happening is nothing else than a „controlled insolvency“. Of course the analogy with insolvency of a firm or person is not exact. The „remaining assets“ of a state cannot be determined. In theory the government could take over all private property, but that has only been done by extreme communists. Anyway nobody wants to leave Greece totally impoverished.

    The New Scientist explained that if Greece is not „saved“, its standard of living will quickly drop at least 50%. Then other countries will follow it, and the European Union will fall apart, giving a general 50% drop. The countries will then burn a lot less oil and coal, so delaying the climate disaster. But in such a situation, no government will find the money to invest in renewable energy. Climate disaster will come more slowly and more surely.

    The same New Scientist mentioned that when last average temperature on Earth was one degree higher, the sea level was 5 meters higher. And now we are trying to keep the temperature rise below twice as much! Goodnight Holland, Bangladesh, New York, London and Hamburg!

    Italy is setting a reasonable retirement age. This improves the outlook without short term damage. The top Politicians in Greece, Germany and Italy are taking such unpopular measures in the face of strong populist criticism showing just how serious the situation is.

  2. rd (Freitag, der 28. Oktober 2011)

    Hi Chris,

    finde meinen Post gar nicht „pretty silly“ sonder ein „wenig weise“. Ich versuche mich in die betroffenen Menschen hinein zu versetzen. Etwas, was „Politik und Wirtschaft“ schon seit langem vernachlässigen.

    Zum New Scientist kann ich nur sagen:

    Vorhersagen sind schwer, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Und meistens sind sie falsch, weil die verwendeten Modelle sich überholt und die entscheidenden Paradigmen sich stark geändert haben.

    Dass wir auf unsinnigen Wohlstand verzichten müssen und uns von lieb gewonnenen aber mehrdimensional schädlichen Gewohnheiten trennen sollten, ist auch klar.

  3. JUS (Freitag, der 28. Oktober 2011)

    Also wie man hier wieder einmal eine Brücke zum Klimawandel findet….Die Euro Krise, furzende Kühe und Kamele, SUV Fahrer und wer oder was alles schuld sein soll. Demnächst wird dem Menschen noch das Atmen gesetztlich beschränkt.
    Und den Ironhead Klimaschützern verordne ich eine Steinaxt, einen Lendenschurz (vom selbst erlegten Vieh) und ein lauschiges Plätzchen im Wald. Aber kein Feuer machen! Das macht CO2. Oder für jedes Lagerfeuer ein dutzen junge Bäumchen pflanzen.

    Es war von vornherein klar, daß Griechenland ein Teil der Schulden erlassen wird, zumindest mir. Finde ich aber auch nicht schlimm. Das Politiker nicht wirtschaften können (weltweit) war schon immer klar. Ich hab die aber auch nicht gewählt. Die, die ich gewählt hab, hatten vor ein paar Jahren die Neuverschuldung aud Null, also im Griff.
    Ich finde die europäische Idee nach wie vor grandios und Griechenland hat ungefähr die Wirschaftskraft von Hessen – so what??? Das stemmen wir locker. Hier in Deutschland haben wir auch einen Länderfinanzausgleich, die Starken zahlen, die Schwachen bekommen. Funktioniert gut, also laßt und diese Idee Europaweit fortsetzen.
    Und um gleich irgendwelchen Bayerischen Argumenten vorzubeugen (Ich habe hier schon kopfschüttelnd was von „Bayern selbstständig und in die EU“ gelesen): Bayern war bis in die 70er Jahre Nehmerland und hat sich von NRW und anderen finanzieren lassen, als die Schwerindustrie noch blühte.
    Ich antworte auf die Frage, woher ich komme, nach wie vor „Europe“ und fühl mich sauwohl dabei. JUS

  4. rd (Freitag, der 28. Oktober 2011)

    Lieber JUS,

    fühle mich auch als Europäer.

    Ein Europa der Regionen ist mir aber lieber als ein Europa der Nationalstaaten …

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