Immer wenn ich mit der Bahn AG unterwegs bin, mache ich „Zugfahrtentdeckungen“. Da genügt schon die kurze Strecke von München Hbf nach Nürnberg Hbf, wie am Freitag, den 6. August in der Früh.

Kurz vor Ingolstadt entdecke ich das Ohrakel. Im Dauerregen sieht es besonders orakelhaft aus.
🙂 Wollte sich auch nicht fotografieren lassen. Zugfenster, Regen, schlechtes Licht und das Fahrttempo des Zuges haben es mir schwer gemacht.

Die Aufklärung des Rätsels sieht man gleich. Eine Kneipe oder Bar auf dem Weg von München nach Nürnberg kurz vor Ingolstadt hat diese originelle Schreibweise gewählt, die uns als Oracle-Partner immer auffällt.

Neben mir im 6er-Abteil sitzt ein dunkelhäutiger, sympathisch aussehender Mann, der in einem Buch mit einer mir unbekannten Schrift liest. Ich spreche ihn an – und er ist genauso sympathisch, wie er ausschaut.

Von ihm erfahre ich etwas über die mir bisher völlig unbekannte Schrift. Es ist die Armarische Schrift, mit ihr schreibt man in der Sprache Amarik. Steht in Wikipedia ein wenig anders, aber ich glaube meinem neuen Freund.

So nutze ich die Stunde nach Nürnberg, um ein wenig Armarisch zu lernen. Amarik wird nur in Äthiopien und Eritrea am Horn von Afrika gesprochen. Die Sprache hat viele Schriftzeichen. Jedes Zeichen ist eine Kombination von einem Konsonanten und einem folgenden Vokal. Die Schrift bildet streng die Aussprache ab.

Ist doch schön, was man im Zug so alles lernen kann. Auch „Mensch ärger Dich nicht“. Meistens dank Verspätungen (habe ich auf der Rückfahrt von Nürnberg eigentlich immer). Dieser Zug nach Nürnberg allerdings ist (noch) pünktlich. Dafür darf ich diesmal an den Toiletten der Deutschen Bahn AG das „nicht ärgern“ einüben.

Die Klimaanlagen, die man an diesem Tage allerdings nicht braucht, sollen ja wieder funktionieren. Man hat entdeckt, dass man sie nicht mehr ganz so kalt einstellen darf. Das hätte man schon länger merken können, denn Generationen von ICE-Reisenden haben sich ja permanent über die im Sommer viel zu kalten Temperaturen in den ICE’s beschwert. Aber auf ihre Kunden hört die Bahn ja nicht, sie hat halt andere Prioritäten.

Zum Beispiel Kosten auf Kosten der Reisenden zu sparen. Jetzt wird das wohl bei den Toiletten gemacht. Es gibt einfach mehr als genug in den Zügen. Die braucht man gar nicht alle. Und deshalb werden die Toiletten erst repariert, wenn nur noch ganz wenige davon funktionieren. So vertieft der in München eingesetzte ICE 880 an diesem Freitag meinen Eindruck von Verona-Reise vor gut vier Wochen. Das war so eine richtige Katastrophenfahrt (habe ich ganz vergessen in IF-Blog zu berichten).

Auf der Hin-und Rückfahrt nach Verona war ziemlich viel defekt, einmal die Lok (Meldung: außer Funktionalität), der Speisewagen (Begründung kein Strom) und die Klimaanlage in zahlreichen Wagen (keine Begründung). Und in allen drei ECs (einer davon musste unfreiwillig genutzt werden) waren die meisten Toiletten defekt. Waren übrigens keine italienische Garnituren sondern Wagen von ÖBB und DB. Und die Verspätung deutlich über zwei Stunden. Und meine dazu vor vier Wochen (maximale Bearbeitungszeit) erfolgte schriftliche Reklamation ist bis heute von der DB AG nicht beantwortet worden (dachte, das gibt es so neue Gesetze?).

🙂 Aber alles kein Grund zum Ärgern! Immer gelassen bleiben!

So saß ich am Freitag auf dem Weg nach Nürnberg neben meinem äthiopischen Reisegefährten in der 2. Klasse nahe dem Speisewagen und wollte zwischendurch die Toilette nutzen. Gleich in meinem Wagen fand ich die beiden abgebildeten Schilder an beiden Toiletten (früher war in den ICE die blaue Toilette für die Herren und die rosa für die Damen, deshalb sind es zwei nebeneinander).

Sehr witzig auf diesen Schildern war der dezente Hinweis mit dem Doppelpfeil, dass man in beide Richtungen des langen Zuges auch nicht defekte WC’s finden könne. Die Bahn hat durchaus Humor. Ich habe mich für den Weg nach hinten entschieden und musste noch einiges im Zug laufen, bis ich ein intaktes WC fand.

Im ganzen Zug waren die Schilder zu finden und dokumentierten sauber, wann die WC’s ausgefallen sind. So sind in meinem Wagen zum Beispiel die WC’s schon gut vier Tage (2. 8. 6:46 bis 6. 8. 11:15) defekt durch Deutschland gerollt. Auf dieser Fahrt hätte ich noch einige von solchen Fotos in meinem Zug sammeln können. Wollte aber nicht vom Schaffner am Schluss beim Fotografieren erwischt und als Eisenbahnfeind eingestuft werden. Denn ich fahre ja gerne und viel Zug.

Am liebsten fahre ich in der 1. Klasse. Die ist mir aber zu teuer und ich leiste sie mir nur noch im Notfall (Freitag Nachmittag von Frankfurt nach München oder so, wenn die  Züge voll und eng sind und ich in Ruhe arbeiten will). Denn ich verstehe nicht, warum die Preise in Deutschland soviel höher sind als z.B. in Italien, gleichwohl sich Zustand und Pünktlichkeit der Züge immer mehr dem italienischen Niveau nähern.

RMD

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