Roland Dürre
Donnerstag, der 29. April 2010

Perpetuum Mobile ♫

Wenn ich das mit den Schuldenlöchern, die durch immer neue Schulden gestopft werden sollen, so lese und höre, dann erinnere ich mich an den Drachen, bei dem für jeden abgeschlagenen Kopf zwei neue Köpfe nachwuchsen.

Auch Baron Münchhausen fällt mir ein. Der hat erzählt, wie er in tiefen Problemen steckend sich einfach selber am Schopf packte und sich an diesem mitsamt seinem Pferd aus dem Sumpf zog. Baron Münchhausen wurde allerdings der Lügenbaron genannt.

Mich wundert auch, dass unsere Kanzlerin Physik studiert und in diesem Fach ja promoviert haben soll. Und jetzt versucht sie ein Perpetuum Mobile der Schulden zu bauen. Dabei sollte sie doch wissen, das so etwas nicht geht.

Dafür erzählt sie Geschichten, die Münchhausen zur Ehre reichen würden. Wir aber rasen gemeinsam in einen Abgrund der Schulden und trauen uns nicht zu bremsen, weil wir Angst haben, dass es uns dabei heftig durchschütteln würde.

Irgendwie kann das alles nicht wahr sein. Jetzt hoffe ich, dass ich das alles nur träume. Könnte mich mal jemand zwicken?

RMD

Dem Wolfgang Ambros ging es mal so wie mir, da hat er ein Lied geschrieben …

Zwickts Me

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6 Kommentare zu “Perpetuum Mobile ♫”

  1. Chris Wood (Donnerstag, der 29. April 2010)

    These remarks about the physicist Merkel express serious worries in the form of irresponsible polemic. This has nothing to do with perpetual motion. The government is trying to use the perceived stability of some Euro economies to avoid Greek bankruptcy. Aside from a little limited generosity to Greece, this is motivated by worries about the domino effect. This can go wrong in two ways. It may just not work for Greece, (compare the attempt to avoid communist dominos in Indo-China), or even the general perception of Euro stability may be damaged. The government is doing its best, in a tricky situation, where the scientific method hardly works. In economics, one cannot do double-blind tests, and changing world-views invalidate accepted opinions every few years.
    Perhaps Britain was wise to avoid the Euro. The pound dropped more than the euro during the last two years, but perhaps that was good. Having a common currency for independent counties makes problems that apparently have not been considered. New mechanisms are needed to make it work, but nobody really knows what they are. Generally nothing happens until the shit hits the fan.
    The amount of money considered (so far) is (thank goodness) a lot less than was paid out in the bank crisis. But where does it come from? China and the oil-sheiks are great lenders. Banks lend money that they do not have; a snowball system that can cause crashes. But most of the money comes from the central bank printers. This is still the accepted best way to get people to reduce real expenditure without a revolt. We can certainly expect more inflation in the next few years.
    Perhaps we would be better off with a biologist instead of a physicist. Physicists work with rules that are non-intuitive, but are basically simple. Biologists are involved with the messy live world.
    P.S. I am no great economist, so I shall welcome corrections.

  2. hans-peter kühn (Donnerstag, der 29. April 2010)

    Chris,

    You touched precisely the soft spot: “Common currency for independent countries”. I suppose we need a real european government to impose “law and order” inside the economies of the whole region.

    Even then, the shit will hit the fan now and then, still at least, some central outfit, equipped with power and leverage would see it coming and try to do something about it.

    Until then, let’s sit tight…

  3. Enno (Samstag, der 1. Mai 2010)

    Moin moin,
    Nur kurz: Auch in der Volkswirtschaftslehre lassen sich Experimente machen, bei denen sowohl Versuchspersonen als auch Durchführende des Versuches im Unklaren darüber belassen werden, was eigentlich untersucht werden soll, z.B. per Cover-Story.

    Inwiefern die Notenpresse die realen Ausgaben senken kann, ist mir momentan schleierhaft.

    Solange es kein europäisches Volk gibt, darf es keine europäische Regierung geben. Wie sollte denn sonst die Macht vom Volke ausgehen. In Europa kann die Macht im Moment allenfalls von den Völkern ausgehen, aber nicht einmal das tut sie.
    Mit der Kommission und der EZB sind allerdings (unabhängig von ihrer zweifelhaften Existenzberechtigung) zwei Institutionen geschaffen worden, die innerhalb der EG die Wirtschaft bewachen können und Kompetenzen zum Eingreifen haben.

  4. Chris Wood (Sonntag, der 2. Mai 2010)

    Hi Erno,
    1. OK, little experiments are possible, but nobody except Roland would let all the big banks crash, just to see what happens.
    2. Printing more money (which is partly figuratively meant), reduces people’s spending power. So they are forced to reduce “real” expenditure. People tend to protest less about rising prices than about pay cuts.
    Also if pay increases with inflation, taxation increases without any change in the nominal tax rates. This also helps the government to swindle us.
    3. One can argue whether there is a European “folk”, and also whether there is a German “folk”, or a Belgian “folk”. I shall soon have lived most of my life near Munich. So do I belong to a British, English, or perhaps Bavarian “folk”?

  5. rd (Sonntag, der 2. Mai 2010)

    Hi Chris,

    dieser Kommentar ärgert mich (obwohl ich mich eigentlich gar nicht mehr ärgern will :-) und es auch nur noch selten tue).

    Ich kann Dir auf Anhieb mehr als ein Dutzend mir persönlich bekannter, sehr erfolgreicher und kompetenter Menschen nennen, die genau wie ich die Meinung vertreten, dass eine konsequente kontrollierte Insolvenz aller de fakto ruinierten Systeme und Strukturen mit Abstand die vernünftigste Lösung gewesen wäre und immer noch ist.

    Darunter sind Fachleute wie Gründer von bekannten Wirtschafts- und Steuerkanzleien, prominente Wirtschaftsanwälte und sonstige Juristen, aber auch zahlreiche erfolgreiche Unternehmer, Gastwirte, Spitzenbeamte, Ärzte und viele mehr.

    Du kannst sicher sein, dass die Mehrheit der Menschen im Lande das genauso sieht und ein Ende mit Schrecken einem Schrecken ohne Ende vorzieht, der am Schluss dann doch zwingend in den Finanz-Kollaps führen muss.

    Dies bestätigen übrigens auch alle Umfragen, die ich kenne.

    Und ist es nicht bitter, dass die Banken, die ohne den Staat gar nicht mehr existieren würden, jetzt die großen Gewinner des Griechenland-Deals sind. Und den Staat genialerweise schon vorbeugend als Bürgen für die nächste Pleite beschlagnahmt haben. Und jetzt die Frechheit haben, so ganz nonchalant einen Solidaritätsbeitrag anzukündigen?

    Formale Maßnahmen wie das “Schuldenbegrenzungsgesetz” wie auch die immer wieder gehörte Beteuerung, “nachfolgende Generationen” nicht belasten zu wollen, empfinde ich als nichts anderes wie perfiden Zynismus.

    Menschen, deren Lösungsstrategie es lebenslang war, immer allen Schwierigkeiten aus dem Wege zu gehen, laufend faule Kompromisse zu schließen und sich immer allen vermeintlichen Sachzwängen zu beugen, sind natürlich die falschen um die erforderliche Veränderung zu gestalten. Und so findet sie halt “ungestaltet” und ungesteuert statt.

    Und das ist privat wie kollektiv keine empfehlenswerte und auch keine anständige Strategie.

    Roland

  6. Enno (Sonntag, der 2. Mai 2010)

    Moin moin,

    @Chris:
    Ja, die Experimente halten sich noch eher im kleinen Rahmen. Manche Ökonomen betrachten zynistisch die DDR als ein wundervolles, großes Experiment.

    Den Punkt mit der Inflation verstehe ich. Reale private Ausgaben lassen sich so tatsächlich kurzfristig mindern.

    Was das Volk angeht – gut, man kann da verschiedene Meinungen haben. Mein Personalausweis sagt ganz klar, dass ich die deutsche Staatsbürgerschaft habe. Damit habe ich theoretisch auch europäische Staatsbürgerschaft, aber auf europäischer Ebene gibt es definitiv kein Volk, von dem die Macht ausgeht, wie unser Grundgesetz es will.

    @Roland: Banken verstaatlichen, zerschlagen oder allein lassen… Die Lösung ist zu einfach :-) Ich bin mir auch nicht sicher, ob das funktionieren würde.

    Aber bei demokratischen Staaten kann man das nicht machen. Nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht könnte das in einer Katastrophe denken, auch allein die Vorstellung, mit Gewalt fremdes Staatseigentum zu pfänden, ist schrecklich.

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