Roland Dürre
Donnerstag, der 9. September 2010

Privatheit #3: Vermögen und Einkommen

Eines der Tabus der „Bürgerlichen Privatheit“ sind Vermögen und Einkommen. Das ist ein bürgerliches Tabu, das sich bis heute gehalten hat.

Warum eigentlich?

Die Banken und das Finanzamt wissen eh alles über mich. Und dass Daten bei Banken und Staaten nicht sicher sind, ist bekannt. Zu viele CDs sind da im Handel.

Meine Hausbank will jedes Jahr eine detaillierte Vermögensaufstellung von mir haben – obwohl ich mit meinem gesamten Vermögen hafte und der Wert meiner Immobilien meine Bankschulden wesentlich übersteigt. Die Vermögensaufstellung ist ein „Muss“, Widerspruch ein „NOGO“, völlig zweck- und sinnlos.

Das Finanzamt will immer ganz genau wissen, welche Einnahmen ich habe. Auch da gibt es Formulare, die ich ausfüllen muss und sogar ein Programm mit dem Namen „Elster“ (Nomen est omen), mit dem ich meine Steuererklärung abgeben kann.

Ich hätte kein Problem, mein Vermögenserklärung oder meine Steuererklärung frei zugänglich im Internet zu veröffentlichen. Und wüsste nicht, wie mir aus so einer Veröffentlichung Schaden entstehen könnte. So reich, dass man neidisch werden könnte bin ich nicht. Und so arm, dass man sich um meine Unabhängigkeit Sorgen machen müsste, auch nicht.

Allerdings sehe ich auch keinen Nutzen. Die Banken und das Finanzamt würden mein Internet-Angebot nicht annehmen. Und normale Menschen würden sich kaum für meine Elster-Formulare interessieren. Die Click-Rate wäre sicher enttäuschend niedrig.

So veröffentliche ich halt nicht. Es würde Mühe machen und ich möchte niemand unnötig provozieren. Was ich mir da wieder heraus nehme.

Aber wer weiß, wenn ich noch weiter so viel Unsinn über den Verlust der „bürgerlichen Privatheit“ wie vor kurzem in der Süddeutschen lesen muss, dann mache ich es doch noch aus Protest.

Glaube nicht, dass dann auch nur ein Vermögensberater mehr bei mir anruft als jetzt. Und auch sonst wird nichts anders sein. Es ist völlig „wurscht“.

RMD

Be Sociable, Share!

1 Kommentar zu “Privatheit #3: Vermögen und Einkommen”

  1. Chris Wood (Donnerstag, der 16. September 2010)

    Hi Roland. I agree completely, but Zuzana would completely disagree! In England, there is less such secrecy. Most job adverts state how much the pay is. I have heard of a man who worked badly for years, not realising that he should have found another job. He did not realise that everybody else was getting better pay rises! On the other hand some people are envious, mistakenly thinking that others are earning much more.
    I heard on the radio yesterday that a general practitioner (Hausarzt) earns on average €116,000, while a radiologist earns over €200,000. I was surprised. I know a girl who was advised by a doctor not to study medicine, because the work was too hard for the pay. (I suspect this is really total income, including business costs)?

Kommentar verfassen

*