Roland Dürre
Freitag, der 10. September 2010

Privatheit #4: Die Zeit dafür

In Griechenland haben wir viele alte Häuser in einsamen (und wunderschönen) Dörfern gesehen. Nur noch ein paar Alte wohnen dort. Die Dörfer liegen oben in den Bergen, meistens ein paar Hundert Höhenmeter hoch und mehr als 10 km entfernt vom Meer und der Straße zu den „größeren“ Orten.
🙂 Man kann da wunderbar hin radeln.

Wenn man da oben wohnt, dann „braucht man ein Auto“. Das ist der erste Gedanke. Die Dörfer sind aber aus einer Zeit, in der es noch keine Autos gab. Und die Menschen haben damals viel Zeit aufbringen müssen, nur um den Weg zu ihren Häusern zu Fuß oder auf dem Esel zurückzulegen.

Aber vielleicht waren das die Zeiten, in denen sich die Privatheit entwickeln konnte.

Meine Privatheit pflege ich, wenn ich mit dem Rad zur Arbeit fahre oder im Schwimmbad eine gute halbe Stunde meine Bahnen ziehe. Oder nachts, wenn ich im Bett liege und mal nicht schlafen kann.  Oder wenn ich im Zug fahre und gerade nicht arbeite.

Oder wenn ich schreibe. Dann entwickelt und erweitert sich meine Privatheit besonders. Und was ich schreibe, gebe ich auch gerne preis. Und es ist ziemlich egal, ob ich meine Gedanken privat in ein verschlossenes Tagebuch schreibe oder veröffentliche. Denn diese meine Privatheit ist nicht gefährdet, egal wie oft sie gelesen wird. Ob null mal, einmal, zehnmal oder tausend mal.

Viele meinen, dass wir uns heute Zeit für Privatheit nicht mehr leisten können. Aber wie viel Zeit machen wir mit zivilisatorischen Unsinn kaputt? Werden berieselt von TV oder liefern uns Computerspielen aus? Oder im Auto?

Fernsehen schauen oder im Internet surfen schafft keine Privatheit. Autofahren vielleicht schon. Aber ob der Fahrersitz der richtige Ort dafür ist?

Und wenn ich mich sinnlos ärgere oder beliebig Zeit in Überoptimierungen von Alltagsdingen lege, wird das zumindest eine positive Entwicklung meiner Privatheit auch nicht fördern.

Ich bin sicher, der verehrte Leser hat es bemerkt. In diesem Artikel habe ich nicht von der „Bürgerlichen Privatheit“ geschrieben, die ja angeblich vom Internet auf so grauenvolle Art und Weise bedroht wird. Die ist mir aber auch ziemlich unwichtig.

RMD

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1 Kommentar zu “Privatheit #4: Die Zeit dafür”

  1. Chris Wood (Donnerstag, der 16. September 2010)

    We live and unlearn. I would have guessed that „Privatheit“ means „privacy“, which one has, for instance, when one watches TV alone. It is now unclear to me, and neither Pons nor Duden explains it.

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