Roland Dürre
Samstag, der 8. Januar 2011

Privatheit #6: Ich bin mobil … ♫

Hier die letzte Folge meiner Serie zur Privatheit … Alle meine Artikel zur Privatheit (1- 5 und noch zwei andere) finden Sie ganz einfach, wenn Sie „Privatheit“ ins Suchfeld im IF-Blog eingeben. Danke!

Einer der ganz großen aktuellen Schrecken gesellschaftlich wie politisch ist der Verlust der Privatheit. Wir alle hinterlassen im Leben Spuren. Aufgrund der modernen Informationstechnologie werden unsere Spuren aufgezeichnet und können leicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden – freiwillig oder unfreiwillig. Dies passiert in einem Maß, wie es noch vor ein paar Jahrzehnten unvorstellbar gewesen wäre.

Aus dem Tagebuch ist der Blog geworden. Beim Spaziergang durch die Straßen wird man gefilmt. Durch Kredit- und Rabattkartensysteme wird der persönliche Konsum so transparent, als ob man früher ausschließlich bei der Quelle gekauft hätte. Beim Mobilfunk werden alle Bewegungen von uns protokolliert. Und dank Straßenkameras, DB und Fluggesellschaften weiß man auch genau, mit welchem Verkehrsmittel wir gereist sind.

In diesem Artikel geht es nur um die Spuren, die man beim „Surfen“ im Internet und bei physischer Mobilität hinterlässt.

Bei den Spuren beim Surfen im Internet werde sogar ich ein wenig nachdenklich. Theoretisch ist es möglich, dass ein jeder weiß, was ich alles so „surfe“. So könnte man mich analysieren, falsche Schlüsse aus meinem Verhalten im Nezt ziehen und eigenartige Theorien über mich entwickeln. Und ein falsches Bild von mir gewinnen.

🙂 Oder noch schlimmer: Es könnte sein, dass richtige Schlüsse gezogen werden, die mir vielleicht noch unangenehmer sind. Und ein Bild von mir entsteht, dass zwar korrekt ist (soweit dies überhaupt möglich ist) , das ich noch weniger mag wie das falsche.

Die Systeme, die aufzeichnen, stören mich nicht. Finde es aber eine Sauerei, wenn diese Aufzeichnungen ausgewertet werden. Ganz gleich durch wen auch immer!

Die ganz große Angst habe ich dann, wenn anonyme Mächte, die mich beschädigen können, meine Daten nutzen. Und das ist eigentlich nur der Staat und seine Organe. Wenn dieser zu einem Unrechtsstaat ausartet, dann bin ich dran. Das bin ich aber auch, wenn er keine Daten von mir hat. Der einzige Vorteil könnte sein, dass ich mich dann ein wenig besser verstecken kann. Das hilft aber auch nichts, wie man im dritten Reich gesehen hat.

Also – gibt es nur eine Aufgabe – gerade im Zeitalter der Datensammelei:

Vermeiden, dass der Staat wieder seinen eigenen Erhalt als obersten Zweck sieht und faschistoide Strukturen entwickelt

Ansonsten – was soll es wenn andere meine Daten sammeln und auswerten. Honi soit qui mal y pense – was schert es mich, wenn andere in mein Verhalten etwas falsches oder richtiges hinein deuten oder interpretieren.

Die Aufzeichnung meiner Mobilität dagegen trifft mich nicht. Im Gegenteil, ich freue mich, wenn Ihr zum Beispiel in Twitter alle wisst, wo ich gerade bin. Außerdem wird es eh nicht vermeidbar sein. Moderne Zahlungsmittel im öffentlichen Verkehr wie auch zukünftige Mautsysteme, die z.B. Straßennutzung messen und verbrauchsgerecht belasten, werden das so oder so erfordern. Und Datenschutz hin und her, die Daten sind dann da. Und wenn Daten erst mal da sind, dann werden sie auch genutzt. Da helfen all die schönen Gesetze nichts.

Wenn ich wirklich einen Ort besuche, an dem ich nicht gesehen werden will, muss ich halt meine Systeme abschalten. Nur hilft das nichts, wenn ich meine „virtuelle“ Sichtbarkeit abschalte. Die reale bleibt. Immerhin habe ich ja meinen Körper bei der Mobilität in der Regel dabei – und den kann man ja ganz einfach sehen. Und der Teufel ist ein Eichkätzchen.

So eine Aufzeichnung aller meiner Wege wäre auch interessant. Gerne würde ich mal rückwärts durch mein Leben streifen. Nicht nur in Gedanken. Sondern wie im Film. Und wenn es nur ein paar meiner Streifzüge durch Augsburg in den 60iger Jahren wäre. Fände ich richtig spannend.

🙂 Da noch mal in Streetview-Aufnahmen aus der damaligen Zeit durch die alten Straßen zu gehen, das wäre doch etwas! Besonders mit der Qualität, in der Streetview vielleicht in 50 Jahren funktionieren könnte …

🙁 Wird aber nicht möglich sein.

Ob unsere Enkel mal so etwas machen werden: Im Internet die Plätze ihrer Jugend besuchen?

Aber auch bei der aufgezeichneten Mobilität gibt es wieder eine Gefahr – den oben beschriebenen Unrechtsstaat. Aber wie schon gesagt, den müssen wir eh um alles in der Welt vermeiden. Und da könnte dann doch wiederum die Offenlegung aller gesammelter Daten (mit ganz wenigen Ausnahmen) hilfreich sein.

Das sind aber typische Überlegungen zum Wochenende …

Also – ein schönes Wochenende – Ihr Roland Dürre

Und dann doch noch ein Lied über Spuren …

Zwei Spuren im Schnee – führen herab von steiler Höh.

RMD

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