Roland Dürre
Mittwoch, der 20. Februar 2013

Privatheit I – Die Dinge

Immer wieder treffe ich auf eine komische Angst vor Transparenz und Klarheit. Die ich eigentlich nicht verstehe.

Nehmen wir mal an, ich hätte private Gegenstände auf dem Speicher oder im Keller. Von denen niemand etwas wissen soll. Die Uniform von einem Verein, von dem ich nicht will, dass andere wissen, dass ich mal dabei war. Irgendwelche Fetische, weil ich abergläubisch bin. Oder das Latex-Kostüm und die Lederpeitsche. Von schmutzigen Dingen wie Dildos will ich gar nicht reden.

Oder ich hätte eine Pistole. Ein Stück schöne Mechanik, die halt leider unter das Waffengesetz fällt.

Keiner soll wissen, dass ich so etwas habe. Meine bürgerliche Seele würde sich vielleicht schämen. Oder ich hätte Angst vor Verrat. Dann wäre es ja ganz gut, wenn niemand von diesem mir vielleicht unangenehme Teil meiner Privatheit weiß.

Vielleicht sind es auch nur ein paar „verbotene“ Bücher. Oder Bücher, bei denen es mir peinlich wäre, wenn jemand wüsste, dass ich so etwas löse. Oder Bilder an Erinnerungen, die ich mit anderen nicht teilen will. Oder eine ganz intime Sammlung von Briefen, die wirklich keiner lesen soll.

Das alles könnte meine reale, nicht virtuelle und nicht aus „Daten“ bestehende „Privacy“ sein.

All diese Dinge könnte ich in eine Kiste sperren. Ein fettes Schloss vorne hin hängen. Den Schlüssel an einem ganz heimlichen Ort verstecken. Und auf die Kiste schreiben: „Bei meinem Tod bitte ungeöffnet vernichten“. Und hoffen, dass sich jemand daran hält.

Nur was hilft das? Ist das überhaupt realistisch?

Wenn ich die vermeintliche Schande meines Lebens in keine Kiste mit Schloss stecke oder nicht rechtzeitig vernichte, dann fällt es eines Tages auf. Genau dann, wenn ich sterbe. Dann muss jemand meinen Haushalt auflösen. Und findet all das. Und denkt sich dann sein Teil.

Und Schluss ist es mit meiner Privatheit. Stört mich dann ja auch nicht mehr.

Bücher, Briefe und Bilder sind ja eigentlich keine Dinge mehr. Die kann ich digitalisieren und dann in die Cloud stecken. Darüber schreibe ich aber dann in einem anderen Artikel zur Privatheit.

RMD

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