Roland Dürre
Montag, der 9. Dezember 2013

Pro (Menschen-)Freundlichkeit, kontra Feindseligkeit

Weihnacht 2013

Die letzten 30 Jahre habe ich jedes Jahr auf der Weihnachtsfeier der InterFace AG eine kurze Rede gehalten. In 2012 habe ich davon gesprochen, dass eine gute Ausbildung eine exzellente aber auch notwendige Voraussetzung ist, um mit Mut im Leben und Freude am Tun die eigene Zukunft wie die der Mitmenschen schöner und erfolgreicher gestalten zu können.

Heute weiß ich, dass „gute Ausbildung“ ein „ewiges Lernen“ erfordert. Damit meine ich aber nicht das „lebenslange Büffeln“. Es geht nicht darum, dauernd auf der Schulbank zu sitzen, sondern um das „sich Öffnen“ für die Welt und die anderen Menschen. Man muss das eigene Schneckenhaus verlassen und sich dem Leben aussetzen. So sammelt man das Lebenswissen, das man vielleicht auch Erfahrung nennt und das so wichtig für ein zufriedenes und erfolgreiches Leben ist.

So habe ich in diesem Jahr bei unserer Weihnachtsfeier in meiner kleinen Ansprache mit obigen Gedanken angefangen und versucht, weitere Faktoren zu beschreiben, die uns alle erfolgreich machen können. Für mich sind dies Menschenfreundlichkeit und Toleranz.

Auch die Gegenpole, die fast zwingend den Misserfolg bescheren, habe ich erwähnt. Das sind die Angst und ganz besonders die Feindseligkeit. Zu beiden Begriffen war ich vor Jahren in „philosophischen Seminaren“ („Angst“ bei Baldur Kirchner, „Feindseligkeit“ bei Klaus-Jürgen Grün), die mich sehr betroffen gemacht haben.

Woher kommt die Feinseligkeit eigentlich?

Scheint doch sogar die Gehirnforschung zu belegen, dass Feinseligkeit uns nicht angeboren ist, sondern unser Gehirn “gutes Tun” durch das Ausschütten von „Glückshormonen“ belohnt und wir so quasi konstruktionsbedingt soziale Wesen sind.

Trotzdem erlebe ich täglich die kleinen und auch großen Feindseligkeiten bei fast allen Menschen und in allen sozialen Systemen. Wie Unkraut wuchert die Feindseligkeit aus allen Ritzen hervor. Und das aus vielen, vielen Ursachen. Oft ist es die Angst, die Menschen beherrscht und sie feindselig werden lässt. Sowohl aus Unachtsamkeit wie aus dem Drang, die Dinge besser zu wissen oder einem Hang zum Nörgeln. All das und vieles mehr solcher Art sind Quellen für Feindseligkeit. Man ist überarbeitet, es „stinkt einem“, das Neue wird abgelehnt  und die Intoleranz gegenüber dem Fremden und Anderen gepflegt.

So stauen sich Frust und Unzufriedenheit auf und entladen sich dann durch mehr oder wenig oberflächliche bis intensive Feindseligkeit. Ich empfinde oft „Moralisieren“ als feindselig und fühle mich gar nicht wohl, wenn ich zum Beispiel „Das macht man das so“ oder „Das haben wir schon immer so gemacht“ als Begründung für mir fremd erscheinendes Verhalten zu Hören bekomme.

Wozu führt Feindseligkeit bei mir?

Wenn ich Feindseligkeit empfange, fühle ich mich zuerst mal klein und werde unsicher. Ich frage mich, inwieweit ich an der Feindseligkeit des anderen Menschen schuld bin? Habe ich etwas angestellt, dass die Ursache dafür ist? Dies wandelt sich aber schnell. Ich werde trotzig und wende mich ab. Bis hin zu einer „Leck mich am A…“-Einstellung. Persönlich empfundene Feindseligkeit verunsichert mich. Wenn ich die Feindseligkeit als systemisch empfinde, gehe ich in die innere Kündigung und verweigere mich.

Feindseligkeit wird oft als Vorwurf empfunden. Sie entwickelt Angst und schadet dem Vertrauen. Und mein Problem ist, dass ich dann auch (gegen-)“feindselig” werde. Ein ganz schön dummer Kreislauf.

Wie kann ich die eigene Feindseligkeit reduzieren?

Mir hilft nur eines – ich muss meine Angst minimieren. Sicher ist auch das leichter gesagt als getan. Weiter versuche, den persönlichen Abstand zu Menschen, die mir wichtig sind, kleiner zu machen. Empathie bewusst anzunehmen und aufzubringen. Und ich schau, dass ich von Tag zu Tag mehr Gelassenheit entwickle und immer mehr zur inneren Freiheit finde.

Erfolgreich bin ich nur mit Menschenfreundlichkeit.

Wenn ich Freundlichkeit begegne, geht es mir gut. Ich fühle mich gut und werde größer und stärker. Meine Angst verfliegt. Den Aus-Sender von Freundlichkeit mag ich, ich akzeptiere ihn gerne als Verbündeten und bin bereit, etwas für ihn zu tun. Den Menschen in meiner Umgebung geht es mit mir genauso. Wenn ich „menschenfreundlich“ bin, habe ich schnell viele Freunde und Verbündete. Man nimmt mich ernst, glaubt mir und ist auch bereit, für mich etwas zu tun. Mein Umfeld ist nicht mehr gegen sondern für mich. Ich bin nicht mehr von Gegnern umzingelt sondern von Freunden umgeben.

🙂 Eigentlich ist es doch ganz einfach. Feindseligkeit schadet dem Erfolg, Freundlichkeit schafft ihn herbei. Also ist es dumm, feindselig zu sein und klug, menschenfreundlich zu sein.

Das sollte so in etwa die Botschaft meiner Ansprache bei der InterFace-Weihnachtsfeier 2013 sein.

RMD

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