Roland Dürre
Freitag, der 26. September 2014

„Projekte ohne Krieg“ oder „Mein Projekt #nowar!“

Diesen Artikel habe ich im Zug auf der Heimfahrt vom PM-Camp Berlin 2014 (#pmcamp14ber) am 20. – 22. Juni 2014 begonnen, um meine Session beim Camp zu dokumentieren. Und heute am Abend des zweiten Tages meiner Radtour von Toblach nach Maribor entlang der Drau habe ich es endlich geschafft und ihn fertiggestellt.

Auf dem PM-Camp Berlin 2014 (#pmcamp14ber) habe ich „mein Herz ausgeschüttet“ und eine Session “Projekt Frieden!“ vorgeschlagen und gehalten. Mit dieser Session habe ich persönlich Neuland betreten. So war ich dankbar, dass die Teilnehmer mit mir Nachsicht hatten und manche Schwächen der Session toleriert haben. Aber das ist ja das schöne an vielen Barcamps und auch am PM-Camp, dass die Menschen genau zu hören und dennoch tolerant sind.

In der Session habe ich ein paar Thesen aufgestellt, persönlichen Gedanken offenbart und versucht, Bewusstsein für das Haupt-Dilemma der Welt – dem Krieg – zu schaffen. Vor allem habe ich viele Fragen gestellt. Um diese gemeinsam zu beantworten und herauszufinden, wie wir persönlich für Frieden handeln können. In unseren Projekten aller Art – täglich und ganz persönlich.

Hier der kurze Bericht von meiner Session „Frieden“ vom PM-Camp Berlin und gleich meine erste These der Session:

Wenn wir in einer Welt des Friedens leben wollen, müssen wir alle – individuell wie kollektiv, lokal wie global – uns friedlich verhalten und im Sinne des Friedens handeln.

Und dazu meine erste Frage:
Ist eine Welt und Gesellschaft voller Frieden wirklich eine unerreichbare Utopie?
mit dem Hinweis auf einen Satz, der mich schon in jungen Jahren begeistert hat:

Stelle Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin!

Die Einschätzung der Teilnehmer zur Erreichbarkeit von Frieden war sehr unterschiedlich. Ich meine, dass die knappe Mehrheit meiner Meinung war, dass eine Gesellschaft, die nach außen wie nach innen im Frieden lebt, vorstellbar und möglich wäre. Andere meinten, dass das menschliche Wesen an sich und der Krieg untrennbar wären. Ein Argument, dem ich entgegnet habe, dass sich dann das „menschliche Wesen“ halt ändern und sich genauso Menschen und die Gesellschaft als Kollektivität von Menschen dann eben ändern müsse.

Ich persönlich halte das für möglich. Weiter Fragen von mir waren:

Warum ordnen wir unser Handeln leichtfertig unwichtigen Zielen unter?
Warum müssen wir immer Recht haben?
Warum gibt es immer diese „Selbstgerechtigkeit der Gerechten“?
Warum kämpfen wir so oft um Unwichtiges und vergessen das für uns Wichtige?
Warum fordern wir „Bestrafung“ und meinen damit fast immer „Rache“?
Warum plündern wir unsere Ressourcen immer so rücksichtslos und versuchen diese dann anderen wegzunehmen?

Denn genau solches Denken und Tun scheint mir direkt und indirekt in den „Krieg“ zu führen.

Auch hier gab es in der Runde ganz verschiedene Bewertungen. Gerade das Thema „Bestrafung und Rache“ wurde intensiv diskutiert. Dabei war auch die Frage, inwieweit Bestrafung zwingender Bestandteil von „Erziehung“ sein müsse und Gewalt die „ultima ratio“ von Politik? Ob die meisten Gesellschaften dieser Welt de fakto nicht „archaische Gewaltssysteme“ sind? Ob das nicht sogar für die unsere „entwickelte“ und „aufgeklärte Gesellschaft“ in vielen Bereichen noch zutrifft?

Mein nächste These war, dass selbst wenn der große Friede eine Utopie wäre, wir trotzdem für ihn arbeiten müssen. Ganz einfach aus vielen rationalen Gründen. Und weil die Bedrohungen für die Menschheit so groß wären, dass wir uns nicht leisten können, unsere Kraft in Kriegen zu verschwenden. Das ist doch nur vernünftig gedacht.

Zudem gab es Utopien, die wahr geworden sind. Man denke an die Rechte der Frau. Vor gar nicht zu langer Zeit durften sie nicht an die Hochschulen und das Recht „zu wählen“ war für Frauen mehr als utopisch. Die französische Revolution war auch nur für die Männer da, und die erste Frau, die genau dieselben Forderungen für Frauen erhob, wurde enthauptet – von den Revolutionären!

In der Session habe ich schließlich folgende Aussage gemacht:
Ich meine, dass eine Sinn(gebung) für das Gelingen sozialer Systeme wie Unternehmen notwendig ist. Und dass dies auch für das Gelingen eines personalen Lebens notwendig ist. Wie kann ich ohne Sinn glücklich werden? Dies habe ich mein Leben lang lang vertreten und so versucht für mein Leben und meine Unternehmungen einen Sinn zu finden. Heute sehe ich das ein wenig anders und meine, dass es im Leben wie auch sonst nicht um den Sinn geht. Sondern um die Wirkung!

Ich würde das gerne so formulieren:
Die Wirkung geht vor den Sinn.
(Eventuell ergibt sich dann aus der Wirkung ein Sinn)

Heute glaube ich, dass es nur einen Lebenssinn gibt, und der ist, für den Frieden zu wirken. Ganz einfach, weil es nichts Wichtigeres gibt. Also denke ich mir:
Wir alle müssen für den Frieden wirken!

Das gilt dann auch für mich und das war der Grund für meine Session. Und ich meine, das hätte ich schon viel früher machen sollen. Jetzt möchte ich so viel wie möglich davon nachholen und meine Ignoranz wett machen. So suche ich Verbündete, die mir dabei helfen. Da setze ich vor allem auf die junge Generation, die auch „Generation Y“ genannt wird. Sie macht mir Hoffnung, weil sie folgende Werte hat:

Achtsamkeit, Akzeptanz, Anerkennung, Augenhöhe, Ehre, Erkenntnis, Freude, Fairness, Gemeinsamkeit, Harmonie, Individuelle, Leben, Liebe, Mut, Sinn, Rücksichtnahme, Teilen, Wohlstand, Verständnis, Zufriedenheit.

Und diese Werte so gar nicht zu Krieg passen.

Nur: Das Leben besteht aus Konflikten (Warum eigentlich?). Also brauchen wir Konfliktfähigkeit. Und wir haben in der Session ein „paar Regeln“ gefunden:

Erste Regel:
Gelassenheit: Gehe in keinen Konflikt, der es nicht wert ist.

Zweite Regel:
Höre auf zu hassen! Denke einfach immer an das „Paradoxon des Hasses“:
Wer hasst, will jemand anderem vernichten, vernichtet sich aber nur selber.

Was brauchen wir dann, um Frieden zu erreichen?
Ausbildung, Bildung, Erfahrung, Freude, Mut, Verantwortung, Wissen

Wie erreichen wir das?

Folgende Ergebnisse entstanden in der Session:

Wir vergessen nie, dass es keine Wahrheit sondern nur Gewissheit gibt!
Wir stellen „kollektive Konstrukte“ und „absolute Wahrheit“ in Frage!
Wir setzen Menschenfreundlichkeit an Stelle von Feindseligkeit!
Wir erarbeiten sozialem Konsens.
Wir bilden die Menschen in der Fähigkeit aus, „ethisch“ zu handeln.

Dies schaffen wir mit Zivilcourage und konstruktivem Ungehorsam. So wehren wir uns gegen „moralische Leichtfertigkeit. Und wir denken an uns selber und an unser persönliches Glück. Wir können lernen und üben, glücklich zu sein. Aber nicht durch das Besiegen anderer wie auch nicht durch Konsum.

Wir haben aber auch besprochen, dass man „es sich leisten können muss, für den Frieden zu wirken!“

Diskutiert wurde dann, ob wir unsere Projekte in diesem Sinne umfunktionieren können? Und eventuell sogar Friedensprojekte starten können.

Die vorherrschende Meinung war, dass nur eine echte Graswurzelbewegung Frieden schaffen kann. Und das es nicht ausreicht, an Ostern auf eine Friedens-Demo gehen. Sondern dass es Menschen braucht, die bereit sind, ernsthaft für den Frieden zu arbeiten. Wie das ein John Lennon gemacht hat.

Wir haben aber auch besprochen, dass wir es uns leisten können müssen, für den Frieden zu arbeiten. Und dass das gar nicht so einfach ist.

    Hier noch mal meine persönliche Zusammenfassung aus der Session:

  • Schaden minimieren! Kollateral-Schaden vermeiden! Die Spirale der Gewalt zu durchbrechen.
  • Gutes Tun! Kollateralnutzen ergibt sich dann von selber!
  • Andere Menschen und ihre Meinungen zu respektieren!
  • Auf Rache verzichten!
  • Sich selbst ehren und achten – denn nur wer sich selbst wertschätzt, kann andere Wertschätzen (mögen, lieben, akzeptieren …). Und der wird keinen Krieg machen oder mögen.
  • Soweit möglich beitragen, dass sich eigenes und fremdes personales Leben in seinen vielen Dimensionen eher mehren denn mindern kann.
  • Immer mit Augenhöhe und Respekt leben.
  • Andere Menschen immer größer und nicht kleiner machen.
    (Kleiner machen kann auch bedeuten, andere zu Bittstellern zu machen).

Ich meine:
Das alles muss im Kleinen wie im Großen gelingen. Gelingt uns der Frieden nicht individuell, dann werden wir ihn auch nicht in den von uns getragenen Systemen erreichen.

Die Herausforderung ist das Tun im täglichen Handeln. Jeder kann und muss etwas beitragen. Je größer der eigene Hebel ist, weil man Manager, Unternehmer oder in einer ansonst multiplikativen Position ist, desto mehr kann man erreichen! Und desto größer wird die Pflicht, für Frieden zu wirken.

Also wäre meine handlungsleitende Vision:
Alle unsere Projekte dienen dem Frieden. Dem Inneren wie dem Äußeren. Und wenn sie es nicht tun, dann lasst sie uns umfunktionieren! In Friedensprojekte.

Warum sollte das nicht möglich sein? Wie kommen wir dort hin? Das könnten doch gute Fragen für das nächste PM-Camp sein!

RMD

P.S.
Für mich gibt es eine Reihe von Ermunterungen. Zum Beispiel die Geschichte des 1. Weltkriegs (gestern und heute habe ich eine Reihe von Schlachtfeldern auch dem brutalen 1. Weltkrieg gestreift und wieder die Sinnlosigkeit dieses Schlachtens gefühlt):

Die Saga zum 1. Weltkrieg ist, dass die Menschen in Deutschland und Österreich den Krieg wollten. So habe ich es in der Schule gelernt und dies in jungen Jahren nicht verstanden.

Heute lerne ich von der aktuellen Geschichtsforschung, dass diese Aussage falsch ist. Die zeitgenössischen Beweise wurden manipuliert und dann in späteren Jahren ernstgenommen. Der erste Weltkrieg war gleichzeitig wohl auch der erste Medienkrieg in der Geschichte. Und die Medien wurden von der herrschenden „Elite“ kontrolliert, die an der Macht waren. So haben die Medien alles getan um die Kriegsbegeisterung zu schüren und dann zu dokumentieren.

Die Mehrheit der „einfachen“ Menschen wollten aber keinen Krieg, nur ein Teil davon ließ sich manipulieren und ging auf den Straßen um zu jubeln. Und dafür mussten später alle bitter büßen.

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