Roland Dürre
Freitag, der 7. Oktober 2011

Radeln in den goldenen Oktober – RTB #6 – Nach Venedig!

Auf der Heimfahrt von Zürich (Workshop mit RISE) muss ich an die tollen acht Tage davor denken. Die letzte Etappe ging von Cáorle nach Venedig und war genauso schön wie alle anderen.

Unser Ziel in Venedig war der Bahnhof, dort wollten wir die Räder abstellen und dann noch ein paar Stunden durch Venedig streunen.

Von Cáorle verabschiede ich mich am Morgen mit einem Blick vom Balkon. Auch der Mittwoch, der letzte Tag unserer Tour, verspricht schönes Wetter. Und er wird halten, was er verspricht.

Dann geht es los. Es sollten noch so 50 km sein bis Venedig. Wir planen über Jesolo zu fahren. Von dort weiter zum Hafen und mit einem der größeren Vaporetto zum Lido (wegen der Räder ein großes), dann dort ein paar Hundert Meter weiter zur Fähre zum Hafen von Venedig. Von dort dürfte es ja nicht weit zum Bahnhof sein.

Wir fahren wieder ohne Führer, müssen selbst orientieren. Das ist ganz einfach. Einfach die großen Straßen vermeiden – und man kommt wie von selbst auf die schönsten kleinen Straßen.

Alles eben, schöne geteerte Wege mit wenig Verkehr. Eine ganz sentimentale Fahrt.

Gegen Mittag kommen wir an. Die „Andrea“, ein großes Vaporetto mit Ziel Lido, legt auch gerade an. Es passt alles perfekt, die erste „Seereise“ beginnt.

Auf Lido machen wir Mittagspause. Ein freundliches Lokal lädt uns zur Mittagspause ein. Es gibt die letzte Pizza in Italien.

Wir sitzen auf der Terrasse des Restaurants und schauen aufs Meer.

Die Levka Ori der Anek Lines bricht gerade auf nach Patras. Erinnerungen erwachen. Mit diesem Schiff sind wir öfters mit den Kindern nach Griechenland zum Zelten gefahren.

Dann geht es weiter zur Autofähre, die uns zum Hafen von Venedig bringen wird. Nicht weit weg vom Bahnhof. Eine weitere wunderschöne Schiffsfahrt über eine gute halbe Stunde durch Venedig.

In Venedig wird es schwierig. Ich finde den Weg zum Bahnhof nicht. Beim Versuch uns der Eisenbahn zu nähern, landen wir auf dem Damm zum Festland. Es gibt kein Entrinnen. Wir müssen den ganzen Damm durchfahren.

Wenden ist unmöglich. Adieu Venedig! Endlich bei einer Bushaltestelle schon fast in Mestre führt eine Fußgängerbrücke über die Autobahn-ähnliche Dammstraße.

Es gibt sogar einen Aufzug. Natürlich ist der erste „außer Betrieb“. Macht nichts, wir tragen die Räder die Treppe hoch. Der Aufzug auf der anderen Seite funktioniert wenigstens. Natürlich passen die Räder nicht rein. Aber zumindest das Gepäck fährt im Aufzug runter.

Von diesem Manöver ist uns warm geworden. Jetzt geht es zurück über den Damm in Venedig. So machen wir dann auch an diesem Tage doch noch ein paar Kilometer mehr.

Beim zweiten Versuch, den Bahnhof zu finden stellen wir uns geschickter an und fragen. Tatsächlich, wir müssen eine hohe Treppe (ohne Rampe für Fahrräder, Kinderwagen oder Rollstühle) überwinden. Dann habe wir es geschafft. Noch ein paar Meter durch das venezianische Gedränge und wir sehen den Bahnhof.

🙂 Der einzige Bahnhof der Welt, der nicht mit dem Rad zu erreichen ist. Wir schieben die Räder zur Gepäcklagerung.

Pro Tasche will der nicht sehr freundliche Gepäckmann 6 € haben. Wir haben sechs Taschen, würde 36 € machen. Die Räder nimmt er nicht an. Da gäbe es ein Parking jenseits der Brücke, von der wir kamen. Das ist uns doch zu dumm. Und wir nehmen unsere Räder mit Gepäck wieder mit und schieben sie durch Venedig. Was angeblich verboten, den Polizisten, die uns entgegen kamen aber ziemlich egal ist.

Zuerst stillen wir unseren Durst. Wir setzen uns vor eine einfache Bar. Das Bier (0,4 Liter) kostet dort „nur“ 7,50. Wir halten uns zurück, brauchen aber trotzdem vier Bier. Macht 30 €. Gut, das wir bei der Gepäckablage gespart haben.

Der Abend in Venedig wird aber noch sehr schön. Wir gehen zum Canale Grande und verbringen dort ziemlich viel Zeit. Einfach dem Treiben auf dem Wasser zu schauen.

Dann gehen wir Essen. An einem kleinen Platz finden wir so ein typisches Touristenlokal mit typischen Touristenmenü. Als Vorspeise Spaghetti, venezianische Leber als secondi, dazu jeweils eine Beilage zur Wahl und ein Dessert, alles zusammen für für 15,- €. Klingt ja schon besser als so das Bier für 7,50 €.

Wir nehmen Platz, es mundet ausgezeichnet. Auch der Wein passt gut. Neben uns sitzen drei sympathische Menschen und reden über IT. Kommt mir irgendwie bekannt vor.

Sie sind von AVAYA („The Power of We“). Security ist ein wichtiges Thema. Die Kollegen kommen aus London, Rom und Frankfurt. Wir tauschen die Karten aus. Wer weiß, für was der Kontakt mal gut sein wird.

Pünktlich sind wir am Bahnsteig. Der Zug ist schon da. In unserem Abteil passt alles. Die Nachtschaffnerin ist sehr freundlich. Das Radabteil gleich im Wagen neben dem Schlafwagen. Die Dusche in unserem Abteil tut gut. Frische Kleider für morgen.

Und freuen uns auf eine gute Nacht.

RMD

P.S.
Es war übrigens das erste Mal, dass ich im Schlafwagen so richtig gut geschlafen habe. Bis um fünf Uhr. Da war Alarm im Zug. Ein Raucher ist seiner Sucht erlegen. Die sensible Alarmanlage hat angeschlagen. Richtig ärgerlich für alle anderen Fahrgäste. Und dann konnte ich nicht mehr einschlafen.

Die Schaffnerin hat sich am Morgen entschuldigt und berichtet, dass der illegale Raucher 80 € Strafe hätte zahlen müssen. Hilft mir aber auch nichts.

In München habe ich dann mein Rad mit Gepäck gegen den Business Koffer getauscht und habe den Zug ein paar Gleise weiter nach Zürich genommen.

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