Roland Dürre
Mittwoch, der 29. Oktober 2014

Radfahren / Autofahren – oder – Von Analysten und Thinktanks

Ich bin begeisterter und bekennender Radfahrer und so wenn es irgendwie möglich ist nur noch mit dem Fahrrad unterwegs. Dies bei jedem Wetter und bis zu einem Radius von zirka 30 km. In dieser Reichweite bin ich nur ganz gelegentlich öffentlich unterwegs.

Bei größeren Entfernungen fahre ich in der Regel Zug oder fliege, aber nur dann, wenn es mir zwingend notwendig erscheint. Nur bei ganz besonderem Anlass nutze ich noch ein individuell und von Hand gesteuertes Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Das passiert ganz selten im Jahr.

Meine neue Freiheit genieße ich und kann auch ganz objektiv begründen, wie sehr durch diese Veränderung meine Lebensfreude und innere Zufriedenheit gewachsen sind.

Umso mehr hat mich folgende Nachricht überrascht (und auch ein wenig erschüttert), die ich in der SZ vom 25.10.2014 in der Beilage „Mobiles Leben“ gefunden habe:


Autoboom ohne Ende
Von Joachim Becker

Die Kosten für das Autofahren sollen bis zum Jahr 2030 sinken. Die Weltbank prognostiziert, dass sich der Ölpreis in den kommenden Jahren stabilisieren wird. Aus diesem Grund sollen auch die Spritpreise in Deutschland lediglich von 1,60 Euro pro Liter im Jahr 2013 auf 1,81 Euro im Jahr 2030 steigen. Innovationen beim Antrieb dürften den Verbrauch senken, während die Einkommen steigen. Folglich werden PKW als Beförderungsmittel immer attraktiver.

Zu den Kehrseiten des wachsenden Verkehrsaufkommens gehört eine Zunahme der Kosten durch Staus um mehr als 30 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Centre for Economics and Business Research (Cebr). Die Studie prognostiziert einen Anstieg der direkten und indirekten Staukosten von 25 Milliarden (2013) auf 33 Milliarden im Jahr 2030. Pro Haushalt bedeutet das ein Wachstum von 1647 Euro (2013) auf 2203 Euro im Jahr 2030 – was mit zwei Prozent pro Jahr auf dem Niveau der angepeilten Inflationsrate liegt. Wenig tröstlich: In den USA sollen die Staukosten sogar um 50 Prozent steigen.


Sich aus eigener Kraft fort zu bewegen ist vielleicht das Beste, was wir für das Biosystem unseres menschlichen Körpers tun können. Es ist wahrscheinlich ein guter Weg, in ein reflektiertes Leben im Einfachen hinein zu gleiten.

Wenn ich radele bewege ich mich, überwinde täglich meinen „inneren Schweinehund“ (der im übrigen mit jedem Tag ein wenig kleiner wird), bin an der frischen Luft und nehme unsere Naturwelt wahr. Ich widerstehe – auch durch die richtige Kleidung Regen, Hagel, Hitze. Ich lerne mich in Geduld und Muße zu üben.

Außerdem verbrenne ich kein Öl, stoße keine Abgase aus, verursache keinen Lärm, gefährde andere Verkehrsteilnehmer deutlich weniger und spare auch noch Geld ein.
Im öffentlichen Verkehrsmittel gewinne ich auf den längeren Strecken viel Zeit, die ich für mich nutzen kann. Wenn ich daran denke, wie viele Jahre ich täglich Stunden in Autos verbracht habe, schmerzt dies mir.

Und dann lese ich solch eine Studie … Und frage mich, was da los ist:

  • Können die Prognosen im Artikel stimmen?
  • Was denken sich die Menschen, wenn sie so etwas lesen?
  • Kann die Zukunft wirklich so werden?
  • Liegen die Analysten da komplett falsch?
  • Warum folgen nicht mehr Menschen meinem Beispiel?

RMD

P.S.
🙂 Mittlerweile bin ich übrigens schon weiter und arbeite an meinem „neuen Mobilitäts-Programm“ – das Ersetzen des Fahrrads auf den Kurzstrecken durch das „zu Fuß gehen“. Eine gar nicht so einfache Herausforderung.

1 Kommentar zu “Radfahren / Autofahren – oder – Von Analysten und Thinktanks”

  1. Chris (Freitag, der 31. Oktober 2014)

    Absolutely right!
    I am reading “This Changes Everything“, by Naomi Klein, a USA-Canadian socialist. I hope this will be a very important book, but I suspect its length, style, and commitment to socialism will prevent many people from reading it. I have known for many years that humanity is heading for a climate disaster, and that very little is being done about it. Germany is better than most in Europe, and Europe is better than other developed regions. Yet even here, the media are all uncritically enthusiastic about economic growth, without noticing the dangers. A recent comment was that the spirit of consumers in USA is happily now better than for many years. Do they and we really need all this consumption? Rising share prices are greeted with joy. But this is inflationary, and widens the gap between rich and poor.
    Naomi Klein has opened my eyes to the extent that things have been getting worse in the last 20 years, due to hardly controlled capitalism spreading from USA. Perhaps she has convinced me that recent moves towards free trade are damaging. The climate disaster will surely hit the poor harder, or at least sooner. She almost welcomes the disaster, as giving socialism a chance. But I doubt whether iI will have this effect. And even if it did, I doubt whether socialism would help.
    What we need, is an outbreak of common sense. I remain optimistic, but expect disaster. Can someone add a German translation to this?

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